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Studie analysiert Fake News vor der Bundestagswahl Weniger Falschmeldungen als erwartet

Eine neue Studie der Stiftung Neue Verantwortung in Berlin hat die Fake News sechs Monate vor der Bundestagswahl im vergangenen Jahr analysiert. Alexander Sängerlaub ist einer der Autoren der Studie.

Keine Fake News aus Russland

Die Sorge, dass es bei der Bundestagswahl 2017 wie im US-Wahlkampf Einmischungen aus Russland geben könnte, war groß. Die Studie der Stiftung Neue Verantwortung hat Alexander Sängerlaub zufolge jedoch ergeben, dass fast alle Fake News in dieser Zeit aus dem rechtspopulistischen Raum stammten: "Wir sehen dort vor allem Fake News zu den Themen Migration, innere Sicherheit und natürlich zur Flüchtlingskrise".

Oft blieben die Fake News in den Echokammern bestehen, seien also nur in kleinen Kommunikationsräumen sichtbar. Wenn allerdings auch etablierte Medien beteiligt waren, erreichten solche Meldungen allerdings auch mal die ganze Bundesrepublik, so Sängerlaub.

Aus 1000 jungen Menschen werden 1000 Randalierer

Als Beispiel nennt er eine Nachricht über ein Volksfest im baden-württembergischen Schorndorf. Die Polizei meldete, dass sich in Schorndorf 1000 junge Menschen versammelt hätten. Die Nachrichtenagentur dpa machte daraus versehentlich 1000 Randalierer. "Und das wird dann als Aufhänger genutzt, um aus 1000 Randalierern 1000 migrantische Randalierer zu machen", erklärt Alexander Sängerlaub. Weitere Entwicklungen wie "der islamistische Grabsch-Mob", "Köln 2" und ähnliche Gespinste könnten daraus entstehen. "Da sieht man gut die Genese, wie aus einer Ungenauigkeit im Journalismus am Ende eine völlig absurde Konstruktion einer Fake News wird", so Sängerlaub.

Richtigstellungen dringen nicht durch

Das Richtigstellen von Falschmeldungen sei gar nicht so einfach, meint Sängerlaub. Der Grund dafür sei, dass die Menschen, die solche Falschmeldungen glaubten, vorzugsweise Informationen konsumierten, die ihnen angenehm seien und ihrem Weltbild aktiv entsprächen. Das mache es für journalistische Faktenchecker besonders schwierig, mit ihren Informationen zu diesen Leuten nicht nur durchzudringen, sondern sie auch mit Fakten zu überzeugen: "Das ist vielleicht gar nicht immer der richtige Weg."

Vergleichbar hohes Medienvertrauen in Deutschland

Welches ein besserer Weg ist, das kann Alexander Sängerlaub allerdings auch nicht sagen. Doch er ist hoffnungsvoll: "Die gute Nachricht für Deutschland ist, dass das in Phänomen viel kleiner war als befürchtet. Wir haben in Deutschland ein hohes Medienvertrauen der Menschen im Vergleich zu anderen Ländern". Das habe zum Teil auch mit dem starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu tun, ist sich Sängerlaub sicher, aber auch mit der sehr vielfältigen Presselandschaft in Deutschland. "Und die Social-Media-Kanäle sind für die Leute als Informationsquelle gar nicht so wichtig." Gerade junge Menschen seien als Digital Natives eher zu Hause in diesen Medien und würden Informationen zweimal nachprüfen.

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