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Streaming-Dienste Die fragwürdigen Geschäfte von Spotify

Von Christoph Möller

Streamingdienste wie "Spotify" geben sich gerne als neutrale Anbieter für Musik und Unterhaltung. Doch stimmt das? In "Spotify Teardown", der bislang aufwendigsten Studie zu dem Streamingdienst, versuchen fünf schwedische Wissenschaftler, die Mechanismen der Musikplattform zu knacken. Sie zeigen, dass Musikstreaming großen Einfluss darauf nimmt, wie Musik gehört und verbreitet wird.

Wie genau Musik bei Spotify verarbeitet wird und wie groß die Rolle des Unternehmens dabei ist, galt lange als Geheimnis. Fünf Forschern aus Schweden sind nun aber tiefe Einblicke in die Funktionsweise der Black Box Spotify gelungen.

Eine ethnologische Feldforschung im virtuellen Feld

Im Rahmen ihrer Studie haben die Forscher selbst Musik produziert und diese mit einem eigens gegründeten Plattenlabel bei Spotify hochgeladen. Mit Hilfe von Bots und Skripten, die sich als Nutzer ausgaben, hörten sie die Musik dann an, um beschreiben zu können, wie das Empfehlungssystem der Plattform funktioniert.

Spotify versucht aktiv das Musikgeschehen zu beeinflussen

So habe sich gezeigt, dass Spotify auch als Akteur ins Geschehen eingreife. Kurz gesagt, was in der Musiklandschaft heute zählt oder nicht, entscheide Spotify zu großen Teilen mit seinen Algorithmen mit. Damit reihe sich die Streaming-Plattform nahtlos in die Kette großer und mächtiger Digitalunternehmen wie Facebook oder Google ein.

Auf dem Display eines iphone 6 wird am 20.03.2015 die App von Spotify angezeigt

Im Jahr 2018 hatte die Plattform rund 200 Millionen angemeldete Nutzer.

Eine Plattform ohne Alternativen?

Die Vormachtstellung in der Streaming-Branche nutze das Unternehmen gekonnt aus, um seine Marktanteile noch weiter auszubauen. Dabei gibt Spotify vor, auf der Seite der Musik zu stehen, wolle tatsächlich aber vor allem die Interessen der Investoren im Hintergrund befriedigen.

Transparente Untersuchungen sind bei Spotify nicht gewünscht

Nach Publikwerden der Studie ging Spotify dagegen vor und versuchte, der Forschungsgruppe die Fördergelder entziehen zu lassen. Auch wenn es zu keiner Klage kam, zeigt dieser Versuch, dass Transparenz im Firmenkonzept von Spotify offenbar nicht vorgesehen ist.

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