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Industriekultur im "Stöffelpark" in Enspel Staffelmäuse, Schildkröten und Eisenrutschen

Am 7.6.2018 von Martina Conrad

Wie eine verlassene Goldgräberstadt wirkt der Stöffelpark im Westerwald. Ein 140 Hektar großes Gelände mit imposanten Gebäuden. Bis zum Jahr 2000 wurde dort Basalt abgebaut und verarbeitet. Heute ist der Tertiär- und Industrie-Erlebnispark Stöffel ein einzigartiges Industriedenkmal, ein Highlight beim diesjährigen Kultursommer Rheinland-Pfalz.

Steinhaufen, Schienen und Schotter

Der erste Eindruck ist unspektakulär. Gerade das ist faszinierend. Denn im Stöffelpark kann der Besucher auf Entdeckungsreise gehen. Alte, graue Gebäude sind geheimnisvoll mit verrosteten Eisenrutschen verbunden. Dazwischen Steinhaufen, Loren und Schienen. Die Natur hat sich mit Büschen, Bäumen und Gras bereits einen Teil der alten Industrieanlage Stöffelpark zurück erobert.

Verrostetes Rohr

Verrostetes Rohr

Vor 100 Jahren sah es hier ganz anders aus. Während der Industrialisierung brachte man den Basalt aus dem Steinbruch in den sogenannten "Vorbrecher". Dort wurden besonders dicke Steine zermalmt und wurden dann über ein Förderband weiter transportiert. Riesige Basaltbrocken schrumpften so auf Faustgröße bis hin zu Schotter und kleinstem Splitt, erklärt Martin Rudolph, Geschäftsführer im Stöffelpark.

Vulkan verwandelt See in Lavaberg

Eifel und Westerwald waren vor 25 Millionen Jahren aktive Vulkangebiete. Dort, wo heute die stillgelegte Anlage steht, war damals ein riesiger Maarsee. Dann brach zwölf Kilometer entfernt ein Vulkan aus. Statt des Sees türmte sich plötzlich ein hundert Meter hoher Basalt-Lavaberg. Weil dieser Berg aussah wie ein Stuhl, wurde er von den Westerwäldern 'Stöffel' genannt. So kam der heutige 'Stöffelpark' zu seinem Namen.

"Tertiärpark",  Stöffelpark Enspel

"Tertiärpark", Stöffelpark Enspel

Zu Beginn der Industrialisierung, Ende des 19. Jahrhunderts, arbeiteten hier die sogenannten 'Kipper'. Sie mussten eckige Steine rund schlagen. Den Steinbruch gab es bis vor rund 20 Jahren.

Martin Rudolph: "Der Kipperhammer ist einfach nur ein Stück Eisen, das jeden Morgen neu geschmiedet wurde. Der Kipper selbst hat seine Stile aus dem Wald von Zuhause mitgebracht. Dann ist der mit vier, fünf von diesen Hämmern auf seinen Arbeitsplatz gegangen hat die Steine hier genommen und die Ecken abgebrochen und irgendwann war es ein Quader."

Gleithörnchen statt Eichhörnchen

Im heutigen Stöffelpark wurde schon vor Jahrzehnten weltweit berühmte Fossilien entdeckt. Sensationell ist etwa die sogenannte 'Staffelmaus', so Rudolph: "Diesen Fluggleiter in der Form, den gibt es weltweit nicht nochmal. Das war ein Gleithörnchen, so ähnlich wie ein Eichhörnchen, hatte aber zwischen den vier Füßen Gleithäute. Die hat es ausgebreitet und ist dann gesegelt, von Wipfel zu Wipfel."

Schildkröten, Kormorane und Käfer

Außerdem wurden Fossilien von rund 20.000 Schildkröten, Salamandern, Kormoranen und Käfern gefunden. Sie lebten in dem ursprünglichen Maarsee, bevor der Vulkanausbruch alles begraben hat und der Basaltsee entstanden ist. Heute ist dieser fast komplett abgetragen. Mit dem Basalt wurden bundesweit Straßen und Häuser gebaut.

Stöffelpark

Stöffelpark

Kohleschuppen, die Brechergebäude und die historische Werkstatt machen den Stöffelpark zu einem Erlebnisort. Ein einzigartiger Ort und gleichzeitig ein bedeutendes Zeugnis für die ehemals wichtigste Wirtschaftsware des Westerwaldes - den Basalt.


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