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Stockhausens Oper "Donnerstag aus Licht" am Theater Basel Kosmisches Welttheater

Kulturthema am 27.6.2016 von Sabine Weber

Opern sind Traumfabriken. Nicht immer leicht in Gang zu setzen. Zu einer schwergängigen zählt sicherlich Karlheinz Stockhausens kosmisches Welttheater LICHT. Der Mega-Zyklus besteht aus sieben Opern geordnet nach den Tagen der Woche. Und verlangt ungewöhnlichen Aufwand. Jetzt ist "Donnerstag aus Licht" erstmals nach 31 Jahren wieder szenisch über die Bühne gegangen. Am 25. Juni hat das Klangspektakel in Basel seine Schweizerische Erstaufführung erlebt.

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Vater, Mutter, Kind: Trauma

Donnerstag handelt vom kleinen Michael, der in einer Familie aufwächst. Erwachsen reist er durch die Welt. Lernt sieben Kulturen auf dem Planeten kennen und kommt als verklärte Lichtgestalt im Himmel an! Das klingt naiv. Ist es in der aktuellen Basler Produktion aber nicht.

Auf dem Sofa links sitzt die Mutter in grellgelbem Dirndl. An sie drückt sich ängstlich Klein-Michael in Schuluniform. Rechts steht der Vater stocksteif in ledernen Reithosen und Stiefeln und fuchtelt mit dem Lehrerstock.

Karlheinz Stockhausen: Licht

Donnerstag aus "Licht". Schweizer Erstaufführung. Oper in drei Akten, einem Gruss und einem Abschied für 15 musikalische Darsteller, Chor, Orchester und Tonbänder. Musik, Libretto, Tanz, Aktionen und Gesten von Karlheinz Stockhausen

Auf der Bühne dahinter steht ein nach oben hin breiter werdender Glaszylinder. In ihm sind drei Personen mit riesigen Pappmasché-Köpfen gefangen. Immer wiederholen sie eine Szene: Kind bläst die Kerzen auf einer grellrosa Torte aus. Will den Vater umarmen, der stößt ihn zurück und guckt ins Bierglas.

Kindheitstraumata auf allen Ebenen! Die Steigerung kommt. Die Mutter dreht durch. Der Vater lässt sie in die Psychiatrie einliefern. Aufbrausende Instrumentalsoli, der wabernde Chor auf dem Zuspielband, und die elektronischen Klangflächen erinnern sogar an den Psychodelic Rock der 1960er Jahre...

Klang Rausch

Das ist das Tolle am späten Stockhausen, dass für Hörer, die nicht so drin sind in der Neuen Musik einen emotionalen Zugriff bekommen, das überwältigende Klangliche durch die Elektronik, im Klang sein, was eine Art Tripp bringt. Pink Floyd, Beatles vom frühen Stockhausen inspiriert, spürt man noch heute, es hat immer noch diese Sogwirkung, besonders im zweiten und dritten Akt, wenn es sich öffnet in den Raum.

Titus Engel, Dirigent der Produktion, kommt erst im zweiten Akt in den Orchestergraben. Den ersten haben die Musiker kammermusikalisch allein gestemmt. In "Michaels Reise" sind dann die Musiker rechts und links auf der Bühne verteilt. Diese Reise findet in der Psychiatrie statt. Während einer filmischen Präsentation. Angeregt durch den Film "Einer flog übers Kuckucksnest" befreit Michael sich und die Insassen. Alles szenisch. Die Sängerakteure bleiben in diesem Akt übrigens stumm.

Karlheinz Stockhausen: Licht

Donnerstag aus "Licht". Schweizer Erstaufführung. Oper in drei Akten, einem Gruss und einem Abschied für 15 musikalische Darsteller, Chor, Orchester und Tonbänder. Musik, Libretto, Tanz, Aktionen und Gesten von Karlheinz Stockhausen

Musikakzente und Gesten werden verknüpft

Und das macht Lydia Steier schlüssig. Virtuos entwickelt sie eine Szene aus der nächsten. Sie unterfüttert abstrakte Tonfolgen mit drallen Szenenbildern oder spielt mit Musikakzenten, die sie in Gesten umsetzt. Auch die von Stockhausen den Hauptpersonen zugewiesene Instrumentalisten integriert sie als Akteure, eine Bassethorn-Spielerin zur Mutterfigur. Die Posaune ist die Klangfarbe des Vaters. Trompetenspieler Paul Hübner ist Michaels virtuoser Solistenpartner.

Großartige Solisten

Die grellrosa Torte spielt noch einmal im letzten Akt mit Chor eine Rolle. Michael kommt als Jesus Christ Superstar im weißen Langrock im Himmel an und wird von hysterischen Chorfans auf der Showtreppe links und rechts des Zylinders begrüßt. Doch dann fährt die grellrosa Torte hinein. Luzifer steigt mit Posaune und mischt die Himmlischen auf. Das ist noch amüsant. Aber Michaels anschließender Monolog über die Macht der Musik zwischen Himmel und Erde ist dann ermüdend.

Karlheinz Stockhausen: Licht

Donnerstag aus "Licht". Schweizer Erstaufführung. Oper in drei Akten, einem Gruss und einem Abschied für 15 musikalische Darsteller, Chor, Orchester und Tonbänder. Musik, Libretto, Tanz, Aktionen und Gesten von Karlheinz Stockhausen

Bewunderungswürdig, wie sich die Solisten in dieser Produktion bewähren. Peter Tantsits als junger Michael, Anu Komsi als Mutter, mit wahnsinnigen Spitzentönen oder Bass Michael Leibundgut als böse Vaterfigur. Natürlich auch die Instrumentalisten des Sinfonieorchester Basels, die bereits zum Willkommensgruß als Popkombo im Foyer aufgespielt haben, mit Titus Engel als Bandleader im grellroten Kordanzug ...

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