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Theater Sibylle Berg: „Mein ziemlich seltsamer Freund Walter“ in Kaiserslautern

Von Sina Weber

Ihr Roman „GRM. Brainfuck“ macht Furore. Sibylle Berg rechnet darin schonungslos ab mit der materialistischen Gesellschaft. Mit dem Frühwerk „Mein ziemlich seltsamer Freund Walter“ zeigt das Pfalztheater Kaiserslautern eine weichere Seite der Autorin: ein Jugendtheater-Stück über die Rettung eines Mädchens durch einen Außerirdischen.

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Theater

Sibylle Berg in Kaiserslautern: „Mein ziemlich seltsamer Freund Walter“

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Links auf der Bühne ein lilafarbenes Bett und ein paar gleichfarbige Regale – das Kinderzimmer von Lisa. Daneben ein tristes Wohnzimmer mit nicht mehr als einem Kühlschrank, einem Sofa, einer Kommode und einem Fernseher. Ansonsten: eine graue Hauswand und eine große Spielfläche. Dieses praktische Bühnenbild von Martin Käser vereint alle Orte, die Lisas kleine Welt ausmachen.

Links auf der Bühne ein lilafarbenes Bett und ein paar gleichfarbige Regale – das Kinderzimmer von Lisa. Daneben ein tristes Wohnzimmer mit nicht mehr als einem Kühlschrank, einem Sofa, einer Kommode und einem Fernseher. Ansonsten: eine graue Hauswand und eine große Spielfläche. Dieses praktische Bühnenbild von Martin Käser vereint alle Orte, die Lisas kleine Welt ausmachen.

Sophia Hahn spielt Lisa, dieses etwas seltsame Mädchen, das erst acht Jahre alt ist, sich selbst aber als Erwachsene fühlt und sich ebenso benimmt. Altklug kommt sie daher, aber trotzdem sympathisch. Das Publikum mag Lisa sofort, ganz anders als ihre Klassenkameraden und Lehrer. In der Schule wird sie gemobbt, auf dem Weg dorthin von älteren Jugendlichen gequält.

Auch die Lehrerin mag Lisa nicht, denn die beteiligt sich nie am Unterricht, schreibt aber immer gute Noten. Das Kind ist clever. Aber: für Lisas Ängste und Nöte interessiert sich hier niemand. Auch nicht die eigenen Eltern, denn die existieren nur noch vor sich hin. Die Tage und Nächte verbringen sie auf dem Sofa bei Musik, Rotwein und Tiefkühlpizza oder Fertignudeln. Die Kraft zum Leben ist ihnen längst abhandengekommen.

In dieser Welt versucht Lisa, sich zurechtzufinden. Sie baut aus alten Teilen Computer zusammen, um damit im Weltall nach außerirdischem Leben zu suchen. Denn diese entfernte und geheimnisvolle Welt ist Lisas Welt. Und die findet man in den Details: der Wecker spielt die Star Wars-Melodie, auf ihrem T-Shirt sind Mond und Sterne.

Sophia Hahn nimmt Lisa ernst. Man lacht mit ihr, aber nie über sie. Dennoch: So richtig ans Herz geht einem Lisas Schicksal selten.

Dann kommt Walter. Der hat eigentlich einen unaussprechlichen Namen und kommt von einem fernen Planeten. Glitzerkonfetti regnet aus dem Bühnenhimmel, die Nebelmaschinen geben alles – da rollen auf einem silbernen Thron die Außerirdischen heran. Mit ihren blonden Langhaarperücken, den schrill-bunten Leggins und den noch verrückteren Hawaiihemden wird klar: jetzt kommt Leben in die Bude, jetzt ändert sich etwas.

Nicolas Handwerker spielt Walter, der von seiner der von seiner Reisegruppe auf der Erde vergessen wurde, herrlich schräg. Mit lustigen Verrenkungen und komischen Gesichtsausdrücken sorgt er immer wieder für Lacher im Publikum. Er findet genau das richtige Maß an Verrücktheit für seinen Walter.

Regisseur Tom Feichtinger erzählt die Geschichte von Lisa und Walter ziemlich geradeheraus. Eine Erzählerstimme aus dem Off macht es auch Kindern leicht, der Handlung zu folgen.

Das Ende ist kitschig, vielleicht zu kitschig – und ganz anders, als man es sonst von Sibylle Berg kennt. Die kalte und gefühllose Welt verändert sich komplett – es gibt sogar ein Happy End. Walter bringt es fertig, dass Lisa selbstbewusster wird, sich gegen die fiesen Jugendlichen wehren kann. Selbst ihre Eltern holt er aus der Lethargie.

Plötzlich räumen die Eltern die Wohnung auf, kochen für Lisa ein Mittagessen und gehen mal wieder raus an die Luft. Eine solche Wandlung in so kurzer Zeit ist schon fast zu viel des Guten. Die Botschaft ist klar – ohne moralischen Zeigefinger: Kinder brauchen Liebe und Zuwendung, um zu selbstbewussten Menschen zu werden.

3:23 min

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Sibylle Berg kann auch anders: „Mein ziemlich seltsamer Freund Walter“ in Kaiserslautern

Sina Weber

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