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Am Gedenktag für die Opfer des Holocaust "Schindlers Liste" von Steven Spielberg wieder im Kino

Von Rüdiger Suchsland

Anfang 1994 bewegte Steven Spielbergs Film "Schindlers Liste" die Welt. Ein Spielfilm-Drama über die Shoah und über Oskar Schindler, die Ausnahme unter den Deutschen. Während die meisten zu Tätern und Mitläufern wurden, rettete Schindler mit viel Mut über 1200 Juden vor der Ermordung. Der Film löste heftige Debatten aus, in Deutschland, wie in der übrigen Welt. Aus Anlass seines 25-jährigen Jubiläums läuft "Schindlers Liste" nur am 27.1., dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, noch einmal in über 400 deutschen Kinos.

Das Mädchen im roten Kleid

Wer es gesehen hat, wird es nicht vergessen: Das Mädchen im Roten Kleid. Inmitten eines Schwarzweiß-Films. Inmitten der Hölle des 13. März 1943, als das Ghetto von Krakau geräumt wurde.

Es ist eine ikonische Szene, gerade in all ihrer Rätselhaftigkeit, indem hier absolute Unschuld und das absolute Grauen in eins fallen. Es ist der Augenblick des Films, der Augenblick, in dem das Jetzt einbricht in die historische Zeit, und der Moment, der zur Initiation wird für Oskar Schindler.

Oskar Schindler, der gute Deutsche

In diesem Augenblick wird aus einem guten Menschen, den seine alltägliche Humanität nicht daran hindert, vom Krieg zu profitieren und von billigen Zwangsarbeitern, ein besonderer Mensch. Ein Held, und einer der Gerechten unter den Völkern.

Zwielichtiger Held und Hochstapler

"Schindlers Liste" ist ein Spielfilm über den millionenfachen Mord an den europäischen Juden durch Deutsche, aber auch die Geschichte über einen guten Deutschen, ein Film über Oskar Schindler, der so trickreich wie entschlossen, mit viel Mut zum Risiko über 1200 Juden vor der Ermordung rettet.

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Nur am 27.1. in 400 Kinos bundesweit

Bildergalerie Schindlers Liste von Steven Spielberg

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Der sudetendeutsche Geschäftsmann Oskar Schindler (Liam Neeson) kommt 1939 nach Krakau, um in den Wirren des Zweiten Weltkrieges Profit zu machen.

Der sudetendeutsche Geschäftsmann Oskar Schindler (Liam Neeson) kommt 1939 nach Krakau, um in den Wirren des Zweiten Weltkrieges Profit zu machen.

Er übernimmt eine stillgelegte Emaille-Fabrik, in der er Zwangsarbeiter aus dem jüdischen Ghetto beschäftigt.

Doch seine wachsende Abscheu gegen die Brutalität der Nazis und das unbeschreibliche Leid der Juden wecken in dem opportunistischen Fabrikanten und Lebemann einen ungeahnten Idealismus.

Als "seine" Juden nach Auschwitz deportiert werden sollen, setzt Schindler sein Privatvermögen und nicht zuletzt auch sein Leben aufs Spiel, um so viele wie möglich vor dem sicheren Tod zu retten.

Als 1944 allen Lagerinsassen die Vernichtung droht, erstellt Schindler (Liam Neeson) mit Hilfe seines Buchhalters Itzhak Stern (Ben Kinsley) die titelgebende Namensliste, mit der rund 1.100 Juden der NS-Vernichtungsmaschinerie entzogen werden.

„Schindlers Liste“ schildert einprägsam die wahre Geschichte des Oskar Schindler, Mitglied der NSDAP, Frauenheld und Kriegsprofiteur, der das Leben von mehr als 1100 Juden während eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte rettete.

All das basierte auf historischen Fakten, die aber ausgerechnet in Deutschland vollkommen unbekannt waren, als habe man nichts hören wollen von einem Deutschen, der bewies, dass es möglich war, sich auch anders zu verhalten.

Film löste heftige Debatten aus und gewann sieben Oscars

Als Spielbergs fertiger Film dann in die Kinos kam und noch vor dem deutschen Filmstart Anfang März 1994 sieben Oscars gewann, löste er heftige Debatten aus, in Deutschland, wie in der übrigen Welt.

Es waren Debatten über die Figur Schindler und wie sie denn moralisch zu bewerten sei. Schindler habe doch aus Gewinnsucht gehandelt, habe doch die Namen auf seiner Liste willkürlich ausgewählt. So meinten einige besonders Schlaue einwenden zu müssen, als ob es darauf ankäme.

Wie weit darf ein Spielfilm gehen?

Schwerer wiegen die Einwände zur Darstellung des Mordens und Sterbens, zur Frage, was man zeigen kann und darf, und wo die Obszönität beginnt.

Kein Geringerer als Claude Lanzmann, der mit "Shoah" die ultimative dokumentarische Darstellung des Judenmords vorgelegt hatte, erhob seine Stimme gegen den Film: Im Spielfilm sei dieses Geschehen nicht zu fassen.

Schindlers Liste von Steven Spielberg

Nach der Liquidierung des Krakauer Ghettos und der Verbringung der Einwohner ins Lager Plaszów beginnt der Fabrikant Oskar Schindler, sich für die Arbeiter seiner Fabrik einzusetzen.

Gehobenes Unterhaltungskino über den Tod

Das wiegt bis heute schwer, und ist nicht zu widerlegen. Man kann nur dagegen argumentieren, dass Spielberg ein Publikum für seine Themen anspricht, das man nur durch diese Art gehobenen Unterhaltungskino gewinnen und sensibilisieren kann. Der Erfolg gibt ihm da recht.

Ein bewegender Film, aus dem sich lernen lässt

"Schindlers Liste" ist ein Film, der bewegt, aber aus dem sich auch viel lernen lässt. Ein Film, der unbedingt im Schulunterricht gezeigt werden sollte, nicht nur weil im offiziellen deutschen Schulprogramm stattdessen Schrott wie Hanni und Nanni läuft. 

Schindlers Liste von Steven Spielberg

„Schindlers Liste“ schildert einprägsam die wahre Geschichte des Oskar Schindler (Liam Neeson), Mitglied der NSDAP, Frauenheld und Kriegsprofiteur, der das Leben von mehr als 1100 Juden während eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte rettete.

Einbruch des realen Mordens in die Populärkultur

In der Geschichte des deutschen Vergangenheitsumgangs, bei dem nichts zu bewältigen ist, sondern nur im neuen Gewand wiederkehrt, ist "Schindlers Liste" ein ähnlicher Meilenstein wie die kürzlich in der ARD wiederholte Serie "Holocaust", die 1979 ganz Westdeutschland aufwühlte. Der Einbruch des realen Mordens in die Populärkultur.

Kommentar zu den gegenwärtigen politischen Verhältnissen

Im Rückblick ist dieser Film eine Wasserscheide unserer Erinnerungskultur: Es gibt ein Vorher und ein Nachher und es ist interessant sich einmal einzulesen. So gesehen ist das heutige Wiederherausbringen dieses Films auch ein Kommentar zu den gegenwärtigen politischen Verhältnissen.

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