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Salman Rushdie auf der Frankfurter Buchmesse Personenschutz mit Routine

Seit ihn die iranischen Ayatollahs mit einer „Fatwah“, einer Art Todesurteil, belegt haben, lebt der britisch-indische Schriftsteller Salman Rushdie mit der Drohung, wegen seiner Bücher ermordet zu werden. Zwar muss Rushdie nicht mehr im Versteck leben, denn die iranische Geistlichkeit hat ihren Spruch inzwischen relativiert.

Doch das „normale“ Leben eines Romanciers kann der inzwischen 70-jährige weiterhin nicht führen. Das war auch gestern spürbar, als Rushdie bei der Frankfurter Buchmesse sein neuestes Werk „Golden House“ vorstellte. Rainer Volk hat die Auftritte Rushdies in Frankfurt verfolgt.

Kritiker loben den neuen Roman des Inders im Exil

Leicht gebeugt, blau-graues Hemd, dunkelblaues Jackett, schwarze Tuchhose – fast huschend tritt Salman Rushdie auf die Bühne. Plötzlich steht vor dem Reporter ein junger Mann, er hat einen farblosen Kopfhörer im rechten Ohr; beim genaueren Umschauen finden sich drei weitere Männer mit gleicher Ausrüstung in Bühnennähe. Rushdie zahlt den Preis für seine "satanischen Verse" also weiter.

Erwähnt wird dieser dunkle Schatten auf der Bühne aber nicht. Dort geht es um Rushdies neuen Roman "Golden House" – eine Geschichte um einen indischen Milliardär namens Nero Golden, der mit seiner Familie nach New York flieht. Kritiker haben das Epos mit Scott Fitzgeralds „Großem Gatsby“ und Tom Wolfes „Fegefeuer der Eitelkeiten“ verglichen. Rushdie ist durchaus einverstanden:

„Was Tom Wolfe versuchte, war den Geist der Zeit einzufangen, den Geist der 1980er Jahren. Ich denke mal, dass ich versucht habe, dies mit unserer Gegenwart zu tun. Man geht ein Risiko ein, wenn man über den Moment zu schreiben versucht, in dem man lebt. Es fehlen Distanz, Perspektive und anderes. Aber es ist auch aufregend.“

"Golden House" beinhaltet Bezüge von der Antike bis heute

Auch wenn es um die Jahre 2008 bis 2017 geht: "Golden House" ist ein typischer Rushdie-Roman: Mit Anspielungen und Bezügen von Homers „Ilias“ bis zu Mario Puzos "Pate", vor allem aber auch aus der Filmgeschichte. Magischer Realismus, der auch Platz hat für eine Figur namens "Joker", sehr hellhäutig und mit grünen Haaren. Der Leser errät unschwer:

Es handelt sich um den gegenwärtigen US-Präsidenten. Folglich geht es in dem Gespräch auf der Buchmessen-Bühne auch viel um die USA: Um die Niederlage von Hillary Clinton im Wahlkampf, um die Zerrissenheit des Landes, um Trump, dem Rushdie zufällig vor längerer Zeit zweimal begegnet ist. Er beruhigt die Zuhörer: Trump ist in seinem Roman nur Nebendarsteller.

“Er steht mehr wie eine Statue in der Ecke der Story. Und weil ich ihn wie eine Comic-Figur charakterisiere, greift er auch nur am Rand des Romans ein. Er ist nicht die Hauptfigur; das ist diese Rätsel-Geschichte.“

Trotz Fatwa siegt bei Rushdie die Routine

Rushdie wirkt die gesamte Zeit der Befragung über souverän, gelegentlich nippt er an einem halben Glas Rotwein, die rechte Hand unterstützt bei den Antworten auf die Fragen seine Argumente mit großen Gesten.

Eine dreiviertel Stunde später: Rushdies zweiter Auftritt des Abends. Signierstunde in einer Buchhandlung, nur 100 Meter von den Hallen der Buchmesse. Wieder stehen zwei aufmerksame junge Herrn mit Ohrstöpseln in der Nähe, während der berühmte Autor Fotos und Bücher mit seinem Autogramm veredelt und Small-Talk macht mit den Interessenten. 25 Minuten, dann ist die Nachfrage befriedigt. Zum Schluss gewährt er noch ein Foto mit den Damen der Buchhandlung. Nein, keine Fragen mehr des Reporters. Mit den Bewachern im Schlepptau geht es ins Hotel. Bei so viel Routine scheint es, als gebe es im Jahr 2017 größere Bedrohungen als die Ayatollahs im Iran.

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