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Roger Cicero ist tot Sein großes Vorbild war Frank Sinatra

Kulturthema am 29.3.2016 von Luigi Lauer

Roger Cicero ist im Alter von 45 Jahren gestorben – er erlag am 24.3.2016 den Folgen eines Hirninfarkts. Einem breiten Publikum wurde der ausgebildete Jazz-Sänger 2007 als deutscher Kandidat für den Eurovision Song Contest (ESC) mit seinem Lied "Frauen regier'n die Welt" bekannt. Für sein letztes Album wurde Cicero für den diesjährigen "Echo" nominiert.

So hat er es geliebt: Großer Auftritt mit großem Orchester, ganz so wie sein großes Vorbild Frank Sinatra, mit dessen Liedern Roger Cicero im April auf eine große Tournee gehen wollte und auf die er sich akribisch vorbereitet hatte. Doch das war nur eines der vielen Projekte, die ihn reizten und die er hartnäckig umsetzte. Zielstrebigkeit war für ihn eine der wichtigsten Tugenden. Und sie war auch notwendig. Denn Roger Cicero konnte nicht lassen von Dingen, die ihn interessierten.

Neue Pfade abseits der üblichen Jazz-Standards

Roger Cicero

Roger Cicero

Sein Sinatra-Programm war dabei nur ein Punkt von vielen. Erst im Oktober veröffentlichte Roger Cicero ein Album, das ihm sehr am Herzen lag. "The Roger Cicero Jazz Experience" war seiner Sehnsucht geschuldet, neue Pfade zu beschreiten. Das trieb ihn immer schon an. Doch besonders nach den vielen Jahren in klassischen Jazzband-Besetzungen und in Bigbands sollte es etwas anderes werden. Jazz ja, aber nicht die üblichen verdächtigen Stücke.

"Ich habe jetzt eigentlich keine Lust, Jazz-Standards einfach nur zu spielen, die Sachen, die ich halt auch mit Jazzbands seit zehn Jahren gespielt habe. Und dann habe ich mich hingesetzt und gedacht: Was willst du eigentlich singen?" Roger Cicero

Nominiert für den Echo 2016

Die Antwort hatte Roger Cicero rasch parat. Er kramte einfach in seiner großen Kiste nach Liedern, die zu gut sind, um nicht auch mal als Jazzversion ausprobiert zu werden.

"Manchmal war es die Motivation: Das würde ich gerne mal als Jazzstück hören und habe aber noch gar keine Vorstellung davon gehabt, wie das klingen könnte. Manchmal war es halt auch: Das ist so weit weg vom Jazz, das finde ich interessant, da möchte ich kucken, was da rauskommt. Das sind einfach wirklich Songs, die ich sehr liebe." Roger Cicero

Überhaupt hatte man bei Roger Cicero immer den Eindruck, dass er macht, was er liebt, und dass er liebt, was er macht. Und das sollte honoriert werden: Cicero war sowohl für sein Sinatra-Programm als auch für das "The Roger Cicero Jazz Experience"-Album für den diesjährigen Echo-Preis nominiert.

Keine Angst vor Songs für ESC oder EM

Cicero wuchs in Jazz- und Tanzorchestern regelrecht auf. Mit elf Jahren hatte er seinen ersten Auftritt, mit 16 war er bereits als Bigband-Musiker im Fernsehen zu sehen, und das Montreux Jazz Festival war nur eine der vielen renommierten Stationen in seinem Künstlerleben.

Roger Cicero war stets auch Popmusik-affin, er gewann den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest und steuerte den offizieller Fan-Song zur Fußball-EM 2012 bei. Die Wiederentdeckung der Freiheit, die ein kleines Ensemble gegenüber einer Bigband hat, und dies auf "The Roger Cicero Jazz Experience" mit ungewöhnlichen Stücken umzusetzen, ist sein letztes Vermächtnis.

Sein Vermächtnis: Platz für künstlerische Freiheit!

"In der Bigband bin ich der Solist und singe den Song, also wirklich Text, Melodie, Strophe, Refrain. Und alles, was dazwischen stattfindet, das wird ja komplett von der Band abgedeckt. Das ist in so einer kleinen Besetzung nicht so, es ist viel mehr Platz zum Atmen da, und es ist wahnwitzig viel Platz zum Improvisieren, für alle. Und wir machen auch alle ganz kräftig Gebrauch davon. Das ist das Tolle." Roger Cicero

Und zwar so toll, dass Roger Cicero mit dieser Band ein weiteres Album einspielen wollte, dann aber mit vielen eigenen Titeln. Dazu ist es nicht mehr gekommen.

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