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Osterfestspiele Baden-Baden Robert Wilson inszeniert Verdis „Otello“ - gekonnt, aber konventionell

Von Karsten Umlauf

Das diesjährige Opernhighlight der Baden-Badener Osterfestspiele ist eine typische Robert Wilson-Inszenierung: Weiß geschminkte Gesichter, stilisierte Bewegungen und dazu eine poetische Lichtregie kennzeichnen im Grunde jede Arbeit des amerikanischen Starrregisseurs. Das funktioniert auch in Baden-Baden gut, bleibt aber konventionell. Wer großen Opernglanz erwartet, wird enttäuscht.

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Osterfestspiele Baden-Baden

Schattenspiele: Robert Wilsons Inszenierung der Verdi-Oper „Otello“

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Weißgeschminkte Gesichter, kaum Bewegung und wenn, dann in gemessen stilisierter Form wie im japanischen Theater, dazu eine poetische Lichtregie. Das kennzeichnet im Grunde jede Arbeit des Regisseurs und Bühnenbildners Robert Wilson. Diese Prinzipien funktionieren auch bei Verdis „Otello“ in Baden-Baden weitgehend gut.

Szenenbild: Vladimir Stoyanov (Jago), Anna Malavasi (Emilia), Sonya Yoncheva (Desdemona, Otellos Gattin), Stuart Skelton (Otello, ein Mohr, Befehlshaber der venezianischen Flotte und Statthalter Venedigs auf Zypern) und Philharmonia Chor Wien sowie der Kinderchor.

Weißgeschminkte Gesichter, kaum Bewegung und wenn, dann in gemessen stilisierter Form wie im japanischen Theater, dazu eine poetische Lichtregie. Das kennzeichnet im Grunde jede Arbeit des Regisseurs und Bühnenbildners Robert Wilson. Diese Prinzipien funktionieren auch bei Verdis „Otello“ in Baden-Baden weitgehend gut.

Szenenbild: Vladimir Stoyanov (Jago), Anna Malavasi (Emilia), Sonya Yoncheva (Desdemona, Otellos Gattin), Stuart Skelton (Otello, ein Mohr, Befehlshaber der venezianischen Flotte und Statthalter Venedigs auf Zypern) und Philharmonia Chor Wien sowie der Kinderchor.

Ob es die Blitze im Sturmgewitter sind, die als zackig angeordnete Lichtröhren im Himmel an Risse im Eis erinnern, ob es die große Kugel ist, die als Fremdkörper auf der Bühne liegt und zunächst das dunkle Gewicht der Macht zu symbolisieren scheint, ...

Im Bild: Stuart Skelton (Otello, ein Mohr, Befehlshaber der venezianischen Flotte und Statthalter Venedigs auf Zypern) und Sonya Yoncheva (Desdemona, Otellos Gattin)

... dann später als blutroter Mond in der Luft schwebt, ...

Im Bild: Sonya Yoncheva (Desdemona), Federico Sacchi (Lodovico), Francesco Demuro (Cassio), Vladimir Stoyanov (Jago), Gregory Bonfatti (Roderigo) und Philharmonia Chor Wien

... oder ob es die Körper der Sänger sind, die wie Schattenrisse auf der Bühne angeordnet sind, während nur ihre Gesichter angeleuchtet werden: Das Standardrepertoire des Regisseurs entfaltet Kraft.

Im Bild: Stuart Skelton (Otello), Vladimir Stoyanov (Jago) und Sonya Yoncheva (Desdemona)

Auch, weil es in dieser Oper um die Frage geht, wer hier im Licht der Macht oder der Liebe strahlt und welche dunklen Energien sich unter der glänzenden Oberfläche befinden.

Im Bild: Sonya Yoncheva (Desdemona) und Stuart Skelton (Otello)

Eine Inszenierung mit Licht und Schatten, die den Stimmen viel Platz lässt, allerdings auch spezielle Anforderungen an die Sänger stellt. Niemandem gelingt die Balance zwischen figurenhafter Starre und innnerer Hochspannung so gut wie Vladimir Stoyanov als teuflisch bösartiger Jago, der das Glück Otellos letztlich durch eine Eifersuchtsintrige zerstört.

Im Bild: Francesco Demuro (Cassio), Vladimir Stoyanov (Jago) und Stuart Skelton (Otello)

Stuart Skelton hat als Otello große Schwierigkeiten mit der höllisch schweren Partie, mit wunderschöner Stimmfarbe interpretiert er sie dramatisch wie ein Heldentenor, in der Höhe fehlt ihm aber jegliche Leichtigkeit.

Im Bild: Stuart Skelton (Otello) und Sonya Yoncheva (Desdemona)

Dagegen findet Sonya Yoncheva als Desdemona im Lauf der Oper immer mehr zu einer gesanglich entschlackten, dennoch warmen Performance, die vor allem ihren Liebestod zum Schluss zu einem berührenden Erlebnis werden lässt.

Im Bild: Sonya Yoncheva (Desdemona)

Die Berliner Philharmoniker haben in Baden-Baden schon gelungenere Premieren abgeliefert. Dirigent Zubin Mehta dimmt das Orchester oft sängerdienlich herunter, die bei Verdi nötige Schärfe und Genauigkeit gehen dem demnächst 83jährigen aber zu oft ab, vor allem in den Ensembleszenen fallen Bühne und Orchester auseinander.

Im Bild: Francesco Demuro (Cassio), Anna Malavasi (Emilia), Sonya Yoncheva (Desdemona), Stuart Skelton (Otello) und Philharmonia Chor Wien sowie der Kinderchor.

Gerade in den vielen kammermusikalisch gezeichneten Passagen kommt den Philharmonikern aber ihre überragende Klangkultur zu Gute. „Otello“ erweist sich als ihre bislang komplizierteste Baden-Badener Premiere.

Im Bild: Sonya Yoncheva (Desdemona) und Stuart Skelton (Otello)

Verdis „Otello“ bleibt eine gut gemachte, relativ konventionelle Wilson-Inszenierung, deren größte Überraschung vielleicht war, dass sie dem Baden-Badener Publikum ungewöhnlich viele Buhs entlocken konnte.

Im Bild: Gregory Bonfatti (Roderigo), Francesco Demuro (Cassio), Giovanni Furlanetto (Montano), Stuart Skelton (Otello), Anna Malavasi (Emilia) und Sonya Yoncheva (Desdemona)

3:46 min | Mo, 15.4.2019 | 6:00 Uhr | SWR2 am Morgen | SWR2

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Osterfestspiele Baden-Baden

Robert Wilsons „Otello“-Inszenierung bleibt konventionell

Karsten Umlauf

Giuseppe Verdis „Otello“ bei den Osterfestspielen Baden-Baden ist eine klassische Robert Wilson-Inszenierung: Weiß geschminkte Gesichter, stilisierte Bewegungen und dazu eine poetische Lichtregie kennzeichnen im Grunde jede Arbeit des amerikanischen Starrregisseurs. Das funktioniert auch in Baden-Baden gut, bleibt aber konventionell. Wer großen Opernglanz erhofft, wird in diesem Jahr enttäuscht.

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