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SWR-Wiederholung der US-Serie Wie "Holocaust" ins Fernsehen kam

Erst mit der US-Serie "Holocaust" von 1978 etablierte sich der Begriff in Deutschland als Chiffre für den Völkermord an den Juden. 40 Jahre nach der Erstsendung wiederholen SWR, NDR und WDR jetzt die Serie über eine jüdische Arztfamilie in Berlin, unter anderem mit Meryl Streep. Außerdem zeigt die Dokumentation "Wie Holocaust ins Fernsehen kam" die Widerstände gegen die Serie, die aus Sicht von Doku-Regisseurin Alice Agneskirchner eine Zeitenwende herbeigeführt hat.

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40 Jahre nach der ersten Ausstrahlung

"Holocaust" - ein erschütterndes Medienereignis

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Moore versucht zu ergründen, wie es überhaupt zu dieser Präsidentschaft kommen konnte und was sich seitdem in den Vereinigten Staaten verändert hat.

Die US-amerikanische TV-Miniserie "Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiss" erzählt in vier Episoden die Geschichte zweier Familien im Dritten Reich - einer jüdischen und einer nationalsozialistischen. Im Januar 1979 wurde die Serie auch in Westdeutschland ausgestrahlt - und löste eine heftige öffentliche Debatte aus.

Im Bild: Juden werden in ein Konzentrationslager in Polen deportiert (Filmszene aus "Hoocaust").

Die Serie hat in Deutschland TV-Geschichte geschrieben und markiert eine Zäsur in der deutschen Erinnerungskultur. Millionen Zuschauer zeigten sich vom Schicksal der Figuren erschüttert. Tausende wendeten sich im Anschluss an die Ausstrahlung telefonisch an die Redaktionen, um sich an Diskussionen zu beteiligen.

Die Serie erzählt die Geschichte des Massenmords an den Juden emotional und lebensnah - und ermöglicht es dadurch erstmals einem Massenpublikum, sich mit der (eigenen) NS-Vergangenheit auseinander zu setzen. Die Resonanz ist überwältigend. Die Serie ist bei Ausstrahlung ein Medienspektakel, das Zuschauerrekorde bricht.

Im Bild: Herr Lowy (George Rose) und seine Frau (Kate Jaenicke) werden gemeinsam mit Josef (Fritz Weaver) und Berta Weiss (Rosemary Harris) nach Auschwitz deportiert.

Die Serie erzählt nicht nur das Schicksal der jüdischen Ärztefamilie Weiss. Auch die Täterperspektive wird menschlich dargestellt. Michael Moriarty spielt den Nazi-Offizier Erik Dorf, der eher zufällig im NS-Regime Karriere macht und schließlich Massenmorde mitorganisiert.

Erst mit Ausstrahlung von "Holocaust" etablierte sich in Deutschland auch der Begriff Holocaust im allgemeinen Sprachgebrauch, um die Massenvernichtung an den europäischen Juden zu benennen.

Im Bild: Adolf Eichmann (Tom Bell, r) und Erik Dorf (Michael Moriarty, l) besprechen die "Lösung der Judenfrage".

Die Ausstrahlung von "Holocaust" markierte einen Meilenstein der deutschen Erinnerungskultur. Nicht allen hat das gefallen. Der Rechtsterrorist Peter Naumann - heute Politiker der NPD - verübte Sprengstoffanschläge auf die Sendemasten in Koblenz und Münster, um die Ausstrahlung der TV-Serie zu verhindern.

Im Bild der zerstörte Sendemast in Koblenz.

Staraufgebot in der US-Produktion: Meryl Streep spielt Inga Helms-Weiss, die im Bild hilflos mitansieht, wie ihr Mann abgeholt und in ein Konzentrationslager gebracht wird. Die publikumsnahe Darstellung des Holocaust ist im Vorfeld der Ausstrahlung in Deutschland auch auf Kritik gestoßen: Die Art der Erinnerungskultur wurde als rührselige Seifenoper-Inszenierung zerrissen.

"Holocaust" - eine Zeit davor und eine Zeit danach

Die Regisseurin Alice Agneskirchner behandelt in ihrer Dokumentation "Wie Holocaust ins Fernsehen kam" die große zeitgeschichtliche Wirkung der US-Serie: "Für alle, die mit dieser Serie in intensiven Kontakt gekommen sind, gibt es eine Zeit davor und eine Zeit danach", so Agneskirchner in SWR2 über die Schockwirkung von "Holocaust".

Etwa die Hälfte der Deutschen habe 1979 mindestens eine der Folgen gesehen. Viele Wehrmachtsangehörige hätten sich nach der ersten Ausstrahlung beim WDR gemeldet und über eigene Erlebnisse und Gräueltaten berichtet.

„Davon habe ich nichts gewusst“

SWR2 Archivradio-O-Ton aus dem Jahr 1979 über die Zuschauerreaktionen auf die Ausstrahlung der Serie „Holocaust“ im WDR-Fernsehen:

5:18 min

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1979

Zuschauerreaktionen auf „Holocaust“

SWR2 Archivradio

Das Wort „Holocaust“ zog erst mit der gleichnamigen Serie 1979 in die deutsche Sprache ein – und das war nicht das einzige, was diese US-Serie bewirkte. Die Aufarbeitung und öffentliche Erinnerungskultur hat damals erst begonnen. Die Resonanz auf die Serie war überwältigend – aber auch gespalten, wie die Zuschauerreaktionen zeigen. | 28.1.1979

Kritik von Intellektuellen und Altnazis

Kritik habe es zum einen aus Intellektuellenkreisen am Stil der Hollywood-Serie gegeben, so die Regisseurin. Natürlich aber hätten sich auch Altnazis gemeldet, die sich über eine neue "Nestbeschmutzung" echauffiert hätten.

4:31 min | Mo, 7.1.2019 | 18:40 Uhr | SWR2 Kultur aktuell | SWR2

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Regisseurin Alice Agneskirchner über ihre Dokumentation

Wie "Holocaust" Deutschland erschütterte

Alice Agneskirchner im Gespräch mit Jakob Groth

Die Regisseurin Alice Agneskirchner über ihre Dokumentation "Wie Holocaust ins Fernsehen kam", über die erste Ausstrahlung der US-Serie "Holocaust", die 1979 zu einer Zeitenwende geführt habe.

In Koblenz wurde aus Protest gegen die Ausstrahlung ein SWF-Sendemast zerstört

SWR2 Archivradio-O-Ton:

3:57 min

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1979

Anschlag auf SWF, um „Holocaust“-Ausstrahlung zu verhindern

SWR2 Archivradio

Am 18.1.1979 detonierte ein Sprengsatz am Sender Koblenz des Südwestfunks – an jenem Abend, als die erste Folge von „Holocaust“ im Fernsehen lief. Ähnliches passierte beim WDR in Münster. Der Verdacht fiel schnell auf Neonazis, die schon zuvor in Publikationen dazu aufgerufen hatten, die Ausstrahlung der Serie zu verhindern. <br />Der Verdacht bestätigte sich: Ein Nazi aus Wiesbaden wurde schließlich als Täter ermittelt und zu mehr als vier Jahren Haft verurteilt.

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