Bitte warten...

Ausstellung "Radiophonic Spaces" im Tinguely Museum Basel Das Radio und seine Künstler

Von Florian Rappaport

Seit es das Radio gibt, experimentieren Künstler damit: in Hörspielen, Kompositionen, Klangkunst-Stücken, Features und sogenannten Soundscapes. In einer neuen Ausstellung im Museum Tinguely in Basel können Besucher über 200 Stücke aus 100 Jahren Radiogeschichte hören.

Eine Ausstellung, die sich aufs Hören konzentriert

Der große Ausstellungsraum des Tinguely Museums ist fast leer. Nur ein Stahlträger, der in die Höhe ragt – wie ein Sendemast. Daran sind Lautsprecher befestigt, die ein Ätherrauschen in den Raum aussenden.

„Unser Wunsch war es, einer ätherischen Kunst wie der Radiokunst nicht zu viel Visuelles entgegenzusetzen“, sagt Natalie Singer, Professorin für Experimentelles Radio an der Bauhaus-Universität in Weimar und wissenschaftliche Leiterin dieser Ausstellung.

Antennen im Ausstellungsraum - jede bietet neue Hörbeispiele

Von der Decke hängt ein gutes Dutzend Kabel: an deren Ende baumelt auf Brusthöhe jeweils eine kleine Antenne. Vorerst sind hier, zwischen den Antennen, nur die Mitarbeiter des Museums unterwegs - mit Kopfhörern und einem Smartphone, um den Hals gehängt.

Sobald sie sich den Antennen nähern, bekommen sie einen Ausschnitt aus 210 Audios zu hören. An jeder Antenne gibt es verschiedene zur Auswahl. Am Smartphone können die Besucher verschiedene Genres oder Themen auswählen. Zum Beispiel Audios zum Thema „Funkstille“ oder „Archivgeschichten“.

Viele alte Beiträge aus dem Deutschen Rundfunk-Archiv

Es gibt reine Radioart, Kompositionen, Soundscapes, also Stücke, die nur aus Klängen und Geräuschen bestehen, aber auch Features und Radio-Dokus. Viele davon sind ganz alte Stücke aus dem deutschen Rundfunk-Archiv. Und alle sind sie in der Radiogeschichte von Bedeutung.

„Zum Beispiel“, so Kuratorin Natalie Singer, „dass man zum ersten Mal die Stereophonie entdeckt hatte oder zum ersten Mal der O-Ton künstlerisch verwendet wurde. Das waren Wendepunkte der Zeit.“

Eines der ersten Radio-Kunstwerke: Brechts Hörspiel „Der Ozeanflug“

Darunter Werke von Antonin Artaud, John Cage, Milo Rau. Auch Bertolt Brechts experimentelles Hörspiel „Der Ozeanflug“ von 1929 ist dabei, eines der ersten Radio-Kunstwerke. Allesamt Stücke, die man ansonsten nur selten zu hören bekommt, weil sie in den Archiven der Sendeanstalten schlummern.

Um sich die Hörstücke in Ruhe und in voller Länge anzuhören, stehen in der Ausstellung Sessel bereit. Außerdem können Besucher, die mehr Informationen wollen, Texte und historische Fotos an Computerterminals abrufen.


Weitere Themen in SWR2