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Bühne „Unantastbar?“ - Amüsantes Puppenspiel zu 70 Jahren Grundgesetz in Karlsruhe

Von Marie-Dominique Wetzel

Das Grundgesetz wird 70! Das Badische Staatstheater Karlsruhe feiert das Jubiläum mit einem Puppentheater. Das Stück „Unantastbar?“ von Regisseurin Suse Wächter entpuppt sich als amüsantes Grundgesetz-Geburtstagsvarieté, das zum Nachdenken über die Verfassung anregt. Marilyn Monroe, Sigmund Freud, selbst Gott haben ihren Auftritt als prominente Partygäste.

Der Premierenabend beginnt mit Marilyn Monroe, die sich lasziv um eine Geburtstags-Schampusflasche windet. So sexy kann das Grundgesetz sein. Sie ist eine der über 70 Hand- und Stabpuppen, die die Regisseurin und Puppenspielerin Suse Wächter mit auf die Bühne des Badischen Staatstheaters gebracht hat.

Prominente Partygäste

Vor einem Glitzervorhang sind die Puppen wie für eine Varieté-Show im Halbrund aufgestellt. Da steht Mutter Teresa neben Mahatma Ghandi und Nelson Mandela, auch wenn diese drei dann doch nicht zu dieser Feier des Deutschen Grundgesetzes herbei bemüht werden.

Dafür viele andere, die man auf so einer Geburtstagsparty eigentlich nicht erwartet hätte. Allen voran Gott, der im Grundgesetz nur im Vorwort auftaucht.

Grundgesetz-Medley mit John Lennon

Doch wahrscheinlich haben nicht viele Menschen in Deutschland das Grundgesetz gelesen und die Songs der Beatles sind den meisten hierzulande wohl bekannter.

So ist das wohl zu verstehen, wenn kurz nach dem Auftritt Gottes die Puppen von John Lennon und Yoko Ono gemeinsam mit Jesus im Bett sitzen und ein Medley aus ihren Hits und den Hits des Grundgesetzes mixen.

Kritische Zwischentöne

Dann haben die deutschen Gartenzwerg-Puppen ihren Auftritt. Die drei Zwerge mit diesen herrlich ausdrucksstarken Gesichtern mutieren plötzlich zu den Protagonisten des Literarischen Quartetts und zerlegen in altbekannter Manier das Grundgesetzes.

Wobei sie sich doch sehr wundern, dass nach der Drucklegung der Text ständig ergänzt und damit auch in seine Aussagen verändert wurde. Da wäre zum Beispiel Artikel 16, das Grundrecht auf Asyl.

Szenenfoto aus Unantastbar?

Gott ist nur einer der illustren Partygäste in „Unantastbar?“

Diese Szene gehört inhaltlich sicher zu den stärksten, wie auch die Frage danach, warum es eigentlich bei der Wiedervereinigung nicht zu einer Volksabstimmung über eine neue Verfassung kam.

Das Grundgesetz auf Sigmund Freuds Couch

Die Stars des Abends sind auf jeden Fall die ausdrucksstarken Puppen, denen die vier Schauspieler kongenial Leben einhauchen. Allen voran der stets nörgelnde Gott, der es faustdick hinter den Ohren hat - im Ranking dicht gefolgt von Sigmund Freud.

Wie er Artikel 18 auf die Couch legt, weil dieser unter Minderwertigkeitskomplexen leidet, da er noch nie angewendet wurde, ist einfach herrlich.

Gelungene Geburtstagsfeier in Karlsruhe

Die Verfassungsrichter aus Karlsruhe treten übrigens nur als Stabpuppen auf, mit scharlachroten Roben und Baretten aber ohne Gesichter. Ab und zu stellen sie unbequeme Fragen oder zitieren litaneimäßig aus Kommentaren zum Grundgesetz.

Da merkt man dann schnell: Es ist kein leichtes Unterfangen, einen Theaterabend zum Grundgesetz zu erarbeiten. Große Themen benötigen einen beherzten Zugriff, will man nicht vor Ehrfurcht erstarren.

Das war glücklicherweise nicht der Fall. Es ist eine Geburtstagsfeier mit viel Unterhaltungseinlagen geworden, aber man hat durchaus auch was zum Nachdenken mit nach Hause bekommen.


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