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Die Schauspielerin Mechthild Großmann Faszinosum Stimme

Am 30.6.2018 im Gespräch mit Jörg Armbrüster


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SWR2 Primär prominent mit Mechthild Großmann

Brummen ist nicht abendfüllend

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Mechthild Großmann ist eine Ausnahmeschauspielerin, die viele Rollen in Theater und Film verkörpert hat. Aber natürlich, räumt sie im SWR2-Gespräch ein, wird sie oft als "Frau Staatsanwältin" angesprochen, bei ihrem Blumenhändler oder vom Zugschaffner. Im Theater dagegen sei ihre Rolle im Tatort Münster mit Axel Prahl und Jan Josef Liefers kaum ein Thema.

Mechthild Großmann ist eine Ausnahmeschauspielerin, die viele Rollen in Theater und Film verkörpert hat. Aber natürlich, räumt sie im SWR2-Gespräch ein, wird sie oft als "Frau Staatsanwältin" angesprochen, bei ihrem Blumenhändler oder vom Zugschaffner. Im Theater dagegen sei ihre Rolle im Tatort Münster mit Axel Prahl und Jan Josef Liefers kaum ein Thema.

Mechthild Großmann möchte nicht missverstanden werden. Sie mag die Rolle als Staatsanwältin im Münster-Tatort. "Ich spiele die gern, aber im Theater spiele ich andere Rollen. Ich habe viel weniger gedreht als Theater gespielt oder gelesen oder Hörbücher gemacht." Im Münster-Tatort vom Mai 2016 absolvierte sie als Staatsanwältin Wilhelmine Klemm mit Prof. Börne alias Jan Josef Liefers ihre erste gemeinsame Tanzstunde.

Eine Beziehung hat Mechthild Großmann zu Münster tatsächlich: Sie ist dort geboren. Aber: "Schon mit neun Jahren habe ich Münster verlassen, sind meine Eltern von dort weggezogen."

"Grazil war ich, niedlich sicher nicht. Jedenfalls nicht das, was man unter niedlich so versteht." Und mit ihrer Stimme, so Mechthild Großmann, habe sie auch kein junges Mädchen darstellen können. Gespielt habe sie stattdessen "alle Nutten hoch und runter, merkwürdige Personen, Tiere" - auch mal einen Mann, wenn gerade keiner da war. Während ihres Studiums spielte sie in der Kleinen Komödie in Hamburg mit Monika Hielscher (links) und Gerti Siegel (rechts) im Lustspiel "Cleopatra die Zweite" von Heinz Erhardt. "Es war furchtbar", so Großmann. "106 Vorstellungen hintereinander, ein freier Tag in der Woche, immer das Gleiche. 30 Mark am Abend. Ich dachte damals: Wenn das das Berufsbild ist, lerne ich tippen."

Sie habe schon als Teenagerin gesagt, sie wolle Schauspielerin werden, so Mechthild Großmann. Sie ging zum renommierten Bremer Theater am Goetheplatz und spielte mit in Rainer Werner Fassbinders Verfilmung von "Berlin Alexanderplatz" von 1979. Geprägt habe ihr Schauspielverständnis in dieser Zeit der 2018 verstorbene Bühnenbildner Wilfried Minks. Bei ihm habe sie in mehreren Bremer Inszenierungen mitgespielt und genossen, dass er als Bühnenbildner ein visuelles Verständnis vom Theater besessen habe.

Hatte Mechthild Großmann schon immer ihre markante Stimme, auch schon als junge Frau? "Am Anfang war ich noch nicht so firm. Aber die Stimme hatte ich schon immer. Das ist, wie wenn man rothaarig ist oder lange Beine hat - oder kurze Beine hat. Das ist halt so." Mechthild Großmann 1990 als "Miriam" in der Krimiserie "Der Fahnder", hier mit Sandra Flubacher.

"Ich mag es schon sehr, wenn lebendige Menschen vor lebendigen Menschen spielen." So einfach begründet Mechthild Großmann ihre Begeisterung für das Theater, hier im September 2017 als Königin Margaret in Shakespeares Richard III. am Schauspiel Frankfurt, in der Regie von Jan Bosse.

Mit der großen Choreografin Pina Bausch verband Mechthild Großmann eine jahrzehntelange Freundschaft. Sie sei eine der wenigen Nicht-Tänzerinnen bei Produktionen von Bausch gewesen, erinnert sich die Schauspielerin. Die Choreografin habe sie in Theatervorführungen gesehen und dann für einige Produktionen engagiert. "Zuerst allerdings habe ich mich schon gefragt: Was soll ich denn jetzt im Ballett?" Bis zum Tod von Bausch habe sie dann mit ihr gemeinsam gearbeitet.

Ist das Erfolgsgeheimnis der Schauspielerin ihre tiefe, einprägsame Stimme? "Ach wissen Sie", meint Großmann, "ich habe das schon oft gesagt: Brummen ist nicht abendfüllend." Trotzdem hat sie große Freude daran, Hörbücher aufzunehmen. "Das ist auch fast etwas Direktes. Ich nehme das zwar im Studio auf. Aber der Zuhörer hört mich ganz direkt, und da wird meist auch nicht so viel Regie geführt, sondern ich entscheide selbst, wie ich das lese." Mechthild Großmann 2017 beim Literaturfestival lit.COLOGNE.

Mechthild Großmann sagt, was sie denkt - und schildert ihr Leben nüchtern, ohne Girlanden. Als Gesprächspartnerin ist sie dennoch charmant und zugewandt, hier mit Gertrud Christina Romann und dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann bei der Aufzeichnung der letzten "Nachtcafé"-Sendung bei Wieland Backes, 2014 in Ludwigsburg.

Das Theater ist ihre eigentliche Heimat geblieben, denn der direkte Kontakt zum Publikum ist für sie das Wichtigste. Mechthild Großmann als Claire Zachanassian, die alte Dame aus Friedrich Dürrenmatts Klassiker "Der Besuch der alten Dame", 2015 mit Matthias Redlhammer und Ensemble im Schauspielhaus Bochum unter der Regie von Anselm Weber.

Die Fans von Mechthild Großmann aber werden sich auch wieder darauf freuen, wenn sie im Tatort Münster als Staatsanwältin Wilhelmine Klemm zu sehen ist. Mit ChrisTine Urspruch und Jan Josef Liefers steht sie hier, 2015, für den Tatort "Fußpilz" vor dem Erbdrostenhof in Münster.

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