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Montage von den Plakaten der Berlinale 2018

Das Programm der Berlinale 2018 Weniger Witze für Spaßbremsen

Kommentar am 7.2.2018 von Rüdiger Suchsland

Programm-Pressekonferenz der Berlinale 2018: Inhaltliche Neuigkeiten zum Festival gab es keine. Festivaldirektor Dieter Kosslik setzte eher auf die Art seines Auftritts. Wer am 6.2. genau hinschaute, dem verriet die Berlinale-Pressekonferenz eine ganze Menge über die Befindlichkeiten des scheidenden Direktors. 

Wir haben unsere Kommunikation verändert... Wie sonderbar und wie bemerkenswert, eine Pressekonferenz mit einer Nachricht zur Kommunikation und Pressearbeit beginnen zu lassen. Aber medienbewusst, das war die Berlinale unter Dieter Kosslick und seiner Nummer Zwei, Thomas Hailer, schon immer.

Das galt auch für seine 17. Programmpressekonferenz als Berlinale-Direktor am 6. Februar 2018. Es war die vorletzte, denn im Februar kommenden Jahres wird Kosslicks Vertrag nicht mehr verlängert.

One-Man-Show des Berlinale-Direktors

Alles war Zeichen, Performance, Auftritt und Geste: Keine Stühle, sondern ein Pult. Der schwarze Anzug des Direktors. Der Verzicht auf den roten Schal, sein Markenzeichen im letzten Jahrzehnt. Und vor allem: Statt wie immer sein Team vorzustellen und mit zwölf oder mehr Sektionsleitern auf der Bühne Diversität zu demonstrieren, war Kosslick dieses Mal ganz allein auf der Bühne. Begleitet von seinen Adjudanten, der die Ausführungen des Chefs ergänzte, milde korrigierte.

Berlinale Personen

Mit welchen Gefühlen er in seine vorletzte Berlinale gehe, wurde Direktor Dieter Kosslik gefragt: "..ja mit welchen Gefühlen... Gut... Man wird nicht mehr so viele Witze reißen, denn die Spaßbremsen möchten das ja nicht..."

Vielleicht war es ja eine unbewusste Geste, aber eine sprechende: Gerade in dem Moment, in dem das Ende des Regiments von Dieter Kosslick am Horizont sichtbar wird, in dem man sagen kann: Es geht nicht mehr um eine Person, leistet sich der Berlinale-Direktor eine One-Man-Show.

Die bösen Spaßbremsen sind schuld

Erkennbar reagierte der Berlinale Chef auf die Kritik der über 80 Regisseure an seiner Direktion und Filmauswahl. Kosslick erschien müde, schlecht gelaunt, beleidigt. Die bösen Spaßbremsen sind schuld.

Keine Kunst beim Kunstfestival

Zugleich zeigte die Pressekonferenz die tiefer liegenden Probleme der Berlinale: Es geht nie um Kunst bei diesem Kunstfestival, auch nicht in den Fragen der Journalisten. Es geht nie um die Form, um Stil, um neue Filmsprachen oder gar um das Doppelsinnige und Irritierende guter Kunst.

Eindeutige Botschaften

Bestenfalls noch geht es ums Eindeutige, um den Punkt, an dem sich das Kino in politische und soziale Botschaften übersetzen, die Unklarheit der Kunst in die Klarheit des Manifest ummünzen lässt. Das heißt dieses Jahr, es geht auf der Berlinale um Flüchtlinge, in mindestens fünf Filmen.

Die Schauspielerin Anna Brüggemann (36) hat vor der Berlinale angesichts der #MeToo-Debatte eine Aktion für Gleichberechtigung initiiert.

Die Schauspielerin Anna Brüggemann (36) hat vor der Berlinale angesichts der #MeToo-Debatte eine Aktion für Gleichberechtigung initiiert.

Die Berlinale und #MeToo

Es geht auf der Berlinale 2018 auch um Me-Too. Natürlich sei er gegen Gewalt, Missbrauch, Sexismus, ließ Dieter Kosslick erklären - als ob man so etwas eigens dazusagen müsste. Muss ein Festivaldirektor bald auch noch öffentlich verkünden, dass man Mord und Folter ablehnt, quasi zur Sicherheit, falls es Zweifel gibt?

Die Solidarität der Berlinale mit Opfern des Sexismus geht aber nicht so weit, dass man das Schauspielerinnen-Schaulaufen in leichtester Kleidung auf dem Roten Teppich einschränkt. Dass man die Sponsoren auffordert darauf zu verzichten. "Nobodys Doll" heißt die entsprechende Initiative, auf die die Berlinale nur zu sagen hat: Jede solle sich anziehen wie sie wolle.

Die Zukunft des Festivals

Festivaldirektor Dieter Kosslick hat fertig und noch zwei Berlinalen vor sich. Die Berlinale der Zukunft wird daran arbeiten müssen, nicht nur viele Filme zu zeigen, sondern die Kunst des Kinos und seine Künstler wieder sichtbar zu machen.

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