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Biologische Vielfalt im Pfalzmuseum für Naturkunde in Bad Dürkheim Fledermäuse, Flugsamen, Fliegenpilze

Museumsführer am 29.11.2017 von Theo Schneider

Seit 1981 gibt es das Pfalzmuseum für Naturkunde in Bad Dürkheim. Doch genau genommen beginnt seine Geschichte bereits im Jahr 1840. Da wurde in Dürkheim die Pollichia gegründet - eine "Gesellschaft zur Erforschung der Natur in der Pfalz". Und die gehört bis heute nicht nur zu den Trägern des Hauses, sondern ihr gehören auch die naturkundlichen Sammlungen. Seit zehn Jahren wird das Museum aus- und umgebaut und erneuert seine Dauerausstellungen auf 1.700 Quadratmetern. Das ist mit einem Paradigmenwechsel verbunden. Und besonders dafür hat sich Theo Schneider bei seinem Museumsbesuch im Bad Dürkheim interessiert.

Die Natur der Pfalz

In einem engen Tal unter den Ruinen des Klosters Limburg und der Hardenburg, just da wo James Fenimore Cooper seinen Pfalzroman spielen ließ, schmiegen sich die Gebäude zwischen See und altem Steinbruch. Diese wunderschöne Lage ist zugleich auch der Themenschwerpunkt des Museums: Die Natur der Pfalz. Seine Sammlungen enthalten fast eine halbe Million Objekte: Tiere, Pflanzen, Steine, allein 170.000 Schmetterlinge.

Pfalzmuseum für Naturkunde Bad Dürkheim

Pfalzmuseum für Naturkunde Bad Dürkheim

Die Sammlungen seien besonders wegen ihres Lokalbezugs sehr wertvoll, sagt der Zoologe Frank Wieland, Leiter des Museums. Die Schmetterlinge beispielsweise hätten Sammler über mehrere Jahrzehnte vor der eigenen pfälzischen Haustür gesammelt. Dadurch könne man rückblickend feststellen, wann Pestizide eingesetzt wurden oder wann es Klimaveränderungen gegeben habe.

Neupräsentation auf 1.700 Quadratmetern

Seit zwei Jahren leitet der Zoologe Frank Wieland das Pfalzmuseum für Naturkunde in Bad Dürkheim. Wobei der promovierte Spezialist für Gottesanbeterinnen zur Zeit hauptsächlich mit der Neuordnung des Hauses und seiner Ausstellungen beschäftigt ist: 2008 wurde der Neubau für Foyer, Veranstaltungsräume und Sonderausstellungen fertiggestellt, drei Jahre später der erste Teil der Dauerausstellung erneuert. Zwei weitere folgen. Wobei diese Neupräsentation auf rund 1.700 Quadratmetern einen Paradigmenwechsel vollzieht. Der systematischen Ordnung der vergangenen Jahrhunderte folgte vor rund fünfzig Jahren die große Zeit der Dioramen. Tiere und Pflanzen wurden in ihren natürlichen Lebensräumen präsentiert. Doch das ist Vergangenheit.

Faszination, Farben und Formen

Heute werden in der neuen Dauerausstellung eher Themenbereiche abgedeckt. Das heißt, es geht darum, Zusammenhänge zu zeigen, die auch struktureller Art sein können. Im Erdgeschoß kann man in dem Raum "Faszination Farben und Formen" zum Beispiel verschiedenste Organismen, Pflanzen und Tiere sehen, die sich auf verschiedene Art und Weise angepasst haben. Zum Beispiel an das Tauchen, Schwimmen oder Fliegen.

Gottesanbeterin

Gottesanbeterin

Gottesanbeterinnen und Fallschirme

Die neue Präsentation zeigt Tiere und Pflanzen nicht mehr in ihrem natürlichen Lebensraum. Im Gegenteil: Heute findet zusammen, was früher nie zusammen gehörte: Fledermäuse und Flugsamen von Bäumen, Gottesanbeterinnen und die Fallschirme des Löwenzahn, die Helikopter-Flügel von Libellen und der Drogentraum vom Fliegen nach dem Verzehr von Fliegenpilzen! In der neuen Dauerausstellung wechseln Räume, in denen die Landschaften der Pfalz dargestellt und erläutert werden, mit sogenannten Begegnungsräumen: Darin geht es um das Zusammenleben von Mensch und Natur, das an Forschungstischen und Experimentierstationen vor allem von jungen Besuchern auch praktisch studiert und ausprobiert werden kann.
Und genau an der Stelle kommen auch die guten alten ausgestopften Bekannten wieder eindrucksvoll ins Spiel: Röhrender Hirsch und Rehkitz, Keiler und Bache, Füchse, Hasen, Luchse und Neupfälzer mit Migrationshintergrund wie Waschbären und Marderhunde. Museumsdirektor Frank Wieland weiß, dass der direkte Kontakt zu den Tieren natürlich wichtig ist. Deshalb sei zum Beispiel der Wolf auch ohne schützende Balustrade ausgestellt.

Wolf im Pfalzmuseum für Naturkunde Bad Dürkheim

Wolf im Pfalzmuseum für Naturkunde Bad Dürkheim (Foto/Copyright: Pfalzmuseum für Naturkunde Bad Dürkheim)

Das Elwedritsche, ein Pfälzer Endemit

Die Ausstellung wird ergänzt durch eine Fülle von pädagogischen Angeboten. Es gibt eine Forschungswerkstatt und zehntägige Ferienworkshops und Exkursionen in die wilden Weiten der Pfalz. Bei denen können die Kids dann auch jenem sagenhaften Vogel begegnen, von dem das Naturkundemuseum das weltweit einzige Exemplar aufbewahrt: Das Elwedritsche!


Info: Geöffnet ist das Pfalzmuseum für Naturkunde in Bad Dürkheim: Di-So von 10-17 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr; am 26. Dezember von 10-17 Uhr. Am 24. und 25. 12. ist das Museum geschlossen

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