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"Hochzeit des Figaro" am Staatstheater Mainz Mozarts Hochzeit in der Holzkiste

Von Ursula Böhmer

Mit dem Gespür für aktuelle Bezüge traditioneller Opernstoffe inszeniert Elisabeth Stöppler, Hausregisseurin am Mainzer Staatstheater, „Figaros Hochzeit“ von Mozart als Revolutionsdrama in einem komischen Rahmen. In einer Riesen-Holzkiste auf der Bühne toben die Konflikte um weibliche Selbstbestimmung und Freiheitsrechte.

Das Volk am Hofe verliert die gute Laune

Als das Hof-Volk im Staatstheater Mainz auf die Bühne tritt, scheinen die Untertanen noch für gute Stimmung sorgen zu wollen. Immerhin hat der Graf in Mozarts Oper „Figaros Hochzeit“ versprochen, beim heiratswilligen weiblichen Personal künftig auf das feudale „Recht der ersten Nacht“ zu verzichten.

Im Falle der Kammerzofe Susanna und ihres Figaro zögert er die Hochzeit aber immer wieder hinaus – was auch das Hof-Volk allmählich auf die Barrikaden bringt.

"Le Nozze di Figaro" (Solenn' Lavanant-Linke, Steven Ebel, Brett Carter und Alexandra Samouilidou); Staatstheater Mainz, 2018

v.l. Solenn' Lavanant-Linke, Steven Ebel, Brett Carter und Alexandra Samouilidou

Elisabeth Stöppler: Figaros Hochzeit als Revolutionsoper

Regisseurin Elisabeth Stöppler war eines wichtig: dem Stück anmerken zu können, dass es eine Revolutionsoper ist, kein unpolitischer Stoff: „Alle kämpfen dafür, dass sich die Verhältnisse ändern und es ihnen besser geht, sie mehr zu ihren Rechten und ihrer Freiheit kommen.“

Die Mainzer Hausregisseurin arbeitet in ihrem Konzept zu Mozarts Oper auch die Kehrseite der Revolutions-Medaille heraus. Sie zeigt, wie sich die revoltierenden Frauen in den gräflichen Gemächern bereichern, Schmuck stehlen und sich dann selbst wie die Herrinnen des Palastes fühlen.

Frauenfiguren im Kampf um Selbstbestimmung

Die weiblichen Hauptfiguren entwickeln bei Elisabeth Stöppler eigene Ambitionen. Sie kämpfen sich daraus frei, wahlweise als Vorzeige-Püppchen oder Sex-Objekte herhalten zu müssen, treten dafür ein, über ihren eigenen Körper bestimmen zu dürfen.

Das sei ein Thema bis heute, sagt Stöppler. Die Regisseurin sucht sich aus dem „Figaro“-Stoff die zeitlos gesellschaftsrelevanten Themen aus, ohne das Komödiantische in Mozarts „Opera buffa“ zu vernachlässigen.

Handlung spielt in einer riesigen Holzkiste

In ihrem Bühnenkonzept trifft Commedia dell’arte-Kostüm auf Leder und Strapse der Sado-Maso-Szene. Der Plot spielt in einer riesigen Holzkiste.

Elisabeth Stöppler meint, ihre Inszenierung sei nah an der Commedia dell’arte mit ihren Typen, ihrem Stegreif-Spiel und ihrem politischen Kommentar ständig und überall. „Wir haben uns entschieden, aus dieser Kiste zu kommen, im wahrsten Sinne des Wortes – aus der Bretterbühne in die Beziehungskiste.“


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