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Filmemacher Nico Hofmann attackiert AfD in Mannheimer Rede Mehr Haltung gegen Gauland und Höcke

Kulturgespräch am 23.1.2018 mit Nico Hofmann

"Mehr Haltung bitte", wünscht sich Nico Hofmann, einer der einflussreichsten deutschen Filmemacher und -produzenten. Am 24.1. hält er zu diesem Thema die 2. Mannheimer Rede im Nationaltheater. Die Gesellschaft dürfe der AfD nicht den öffentlichen Raum überlassen. Der Experte für NS-Filmstoffe hält es für undenkbar, dass die rechtspopulistische Partei "die Vergangenheitsbewältigung der Deutschen noch einmal neu interpretiert".

Eine Zeit von "reinen Partei-Egoismen"

Nico Hofmann schaut mit Sorge auf Politik und Gesellschaft. Viele würden die Gegenwart als Zeit von "reinen Partei-Egoismen" erleben, so der Filmemacher, "wo man wirklich das Gefühl hat: Jeder kämpft jetzt nur noch für sich, die CSU in Bayern, die SPD ums Überleben."

Eine klare eigene Haltung zu haben, werde in diesen Zeiten unverzichtbar, ist der Produzent überzeugt: "Sie kommen meines Erachtens gar nicht mehr umhin, mit einer eigenen, fundierten Haltung zu leben - und auch eine eigene Haltung einzunehmen, wie wir miteinander leben wollen im Moment in der Bundesrepublik."

Björn Höcke nicht die Vergangenheit überlassen

Zwar sei der Gesellschaft der Kompass für die demokratischen Werte nicht abhanden gekommen. Nico Hofmann wünscht sich aber mehr Aktivität: "Ich ärgere mich auch persönlich, wie stark populistische Kräfte quasi ganze Bereiche für sich besetzen.

Ich nehme jetzt wirklich mal die Björn-Höcke-Rede, halte es nicht für nicht möglich, dass eine einzige Partei, wenn man so will, die Vergangenheitsbewältigung der Deutschen noch einmal neu interpretiert."

Die AfD-Politiker Björn Höcke und Alexander Gauland

Björn Höcke nannte das Holocaust-Mahnmal in Berlin ein Mahnmal der Schande. Alexander Gauland erklärte, die Deutschen könnten stolz sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen. Die beiden AfD-Politiker im April 2017 beim Landesparteitag der in Frankfurt/Oder.

Gaulands Freispruch für die Wehrmacht

Durch die AfD und ihre Geschichtsbilder fühlt sich der Filmemacher besonders herausgefordert. Man könne sicher "über die Schwierigkeiten bei der Bundeswehr reden, damals ausgelöst von Alexander Gauland von der AfD, der plötzlich alle deutschen Soldaten freisprechen wollte - also gar keine Zusammenhänge mehr hergestellt hat zu den Verbrechen im Dritten Reich."

Vergangenheit aus Familiengeschichte verstehen

Am Ende müsse man dann jedoch klar Position beziehen, so Nico Hofmann: "Meine Eltern leben noch, haben das Dritte Reich sehr bewusst miterlebt. Mir hat auch sehr geholfen, mit meiner Geschichte, der Geschichte meiner Familie im Dritten Reich umzugehen, und ich glaube, dass viele meiner politischen Positionen aus dieser Beschäftigung kommen."

Eine Besucherin geht am 23.11.2017 in Berlin im Museum für Film und Fernsehen durch die Ausstellung "Die Ufa - Geschichte einer Marke"

Eine Besucherin geht am 23.11.2017 in Berlin im Museum für Film und Fernsehen durch die Ausstellung "Die Ufa - Geschichte einer Marke"

Aufarbeitung der UFA-Geschichte

Das gelte auch für die Geschichte von Institutionen, hier insbesondere für die Filmgesellschaft UFA, deren Geschäftsführer Hofmann mittlerweile ist. "Auch die UFA hat eine ganz schwierige Geschichte im Dritten Reich. Sie war unter Goebbels eine Propagandamaschine.

Wir haben das sehr gründlich hier in einem Symposion erarbeitet, welche Rolle sie gespielt hat. Auch ich komme, wenn Sie so wollen, in meinem jetzigen Beruf um die Beschäftigung mit Geschichte gar nicht drumherum."


2. Mannheimer Rede mit Nico Hofmann am 24.1.2018. Die "Mannheimer Reden" sind ein Forum des Nationaltheaters Mannheims mit dem Heidelberger Bildungs-und Gesundheitsunternehmen SRH, um gesellschaftliche Diskussionen anzuregen. Nach Eröffnungsredner Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält Nico Hofmann die 2. Mannheimer Rede im Mannheimer Schauspielhaus. Der Eintritt ist frei.

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