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Musikhistorische Sammlung in Lautlingen Vom Hammerklavier zum Cembalo

Museumsführer am 15.11.2017 von Tobias Ignée

Seit 40 Jahren gibt es die "Musikhistorische Sammlung Jehle" im Schloss Lautlingen bei Albstadt. Bis 1970 war das Schloss im Besitz der schwäbischen Uradelsfamilie, der Schenken von Stauffenberg. Heute ist die Anlage in städtischer Hand und beherbergt eine Gedenkstätte, die an den Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg erinnert. Dazu komm die wertvolle musikhistorische Sammlung, die über drei Generationen hinweg zusammengetragen wurde: Neben einer Bibliothek mit Noten, Liederbüchern, Gesang-, Choral- und Messbüchern ab dem 16. Jahrhundert umfasst sie Streich-, Zupf-, Holz- und Blechblasinstrumente, vor allem aber Tasteninstrumente.

Der Sammler Volker Jehle entschuldigt sich für sein Spiel auf einem Hammerklavier aus dem 18. Jahrhundert. "Das normale Klavier hat breitere Tasten, es hat Filzhämmer, es hat eine Repetition, das heißt, wenn ich ganz schnell auf eine Taste so abwechselnd draufschlage, bekomme ich auch jedes Mal einen Ton. Das geht ich hier nicht. Da ist der Hammer noch unterwegs und kann nicht ganz so schnell spielen."

Zu seiner Ehrenrettung sei gesagt: Einmal abgesehen davon, dass das Instrument mit seinen filigranen Tasten nur sehr schwer zu spielen ist, kommt es nicht häufig vor, dass ein Klavier aus jener Zeit überhaupt bespielbar ist.

Hammerklavier aus Mozarts Zeit

Der Urgroßvater des heutigen Klaviers ist aus Nussbaumholz gefertigt, sehr flach und nicht aufrecht, die Untertasten sind schwarz, die Obertasten aus Elfenbein. Zugeschrieben wird es einem Augsburger Klavierbauer, der mit Mozart befreundet war.


Musikhistorische Instrumentensammlung Schloss Lautlingen

Hammerklavier. Musikhistorische Instrumentensammlung Jehle, Schloss Lautlingen

Im Jahr 1934 hat es der Martin Friedrich Jehle gekauft, es war das erste Instrument seiner Sammlung. Der Sohn, der die Sammlung wissenschaftlich betreut, erzählt: "Mein Vater, der war Klavierbauer und er hat eben schon 1934 dieses Hammerklavier hier gekauft. Er war damals 20 Jahre alt und ist mit dem Fahrrad bis Berlin gefahren und hat unterwegs Firmen besucht und das hat er in Jena entdeckt und mitgenommen."

Möbelstück oder Instrument?

Ursula Eppler, die Schwester von Volker Jehle, macht die Führungen. Sie erklärt das Instrument näher: "Es hat nur einen Tonumfang von fünf Oktaven, wir haben heute 7 ¼ auch der Beethoven, als schon älter war hat schon sechs Oktaven gehabt. Aber man muss sehr vorsichtig anschlagen, weil man da ganz wenig Druck auf der Taste braucht, damit das kleine Hämmerle an die Saite hinschlägt."

Ursula Eppler kennt jedes technische Detail der Tasteninstrumente, von denen manche besser nicht aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt werden sollten, weil sie weniger dem Musikgenuss dienten, sondern in erster Linie Möbel waren. Wie etwa ein Schrankflügel aus letzten Viertel des 18. Jahrhunderts mit Schubladen, aufklappbaren Flügeltüren, bemalt mit Tapeten und aufwendig geschnitzt. Volker Jehle meint: "Musikalisch, das klingt, als würde man mit einem Teppichklopfer auf ein paar Drahtrollen schlagen. Das liegt daran, Klavierbauer war natürlich kein Ausbildungsberuf. Das waren Schreiner und wer sich zu was Höherem berufen gefühlt hat, hat eben sowas eingebaut. Und der hat sich berufen gefühlt, aber nicht die Fähigkeit gehabt."

Tempo durch Technik

Ganz anders klingt da schon ein Flügel des deutsch-elsässischen Klavierbauers Sébastien Erard, dessen Instrumente im 19. Jahrhundert weltweit gefragt und dem es nicht um die Schreinerarbeit ging. Er revolutionierte das Klavierspiel mit einer Technik, die mehr Tempo ermöglichte. Ursula Eppler mit Details: "Erard hat erfunden, wie man es macht, dass der Weg für den Hammer rückwärts schon wieder frei ist und man folglich schneller wiederanschlagen kann. Jetzt kann man schnell auf eine Taste drücken und jedes Mal kommt der Ton wieder."

Musikhistorische Instrumentensammlung Jehle, Schlosss Lautlingen

Musikhistorische Instrumentensammlung Jehle, Schlosss Lautlingen

Rund 40 Tasteninstrumente aus feinsten Edelhölzern hat der Musikhausbesitzer und Klavierbauer Martin Friedrich Jehle zusammengetragen. Er suchte gezielt nach ihnen, bekam sie geschenkt oder nahm sie in Zahlung, wenn er neue verkaufte. Er saß also buchstäblich an der Quelle.

Klaviere funktionieren noch

Nahezu lückenlos lässt sich somit vom Clavichord über die Kielinstrumente Spinett und Cembalo bis zum Hammerklavier die Musikgeschichte vergangener Jahrhunderte anschaulich und sinnlich nachvollziehen. Auch, weil viele Instrumente bespielbar sind. Natürlich nur mit der gebotenen Sensibilität und Ehrfurcht. Ursula Eppler warnt: "Ein tüchtiger Pianist, der sehen will, wie war’s früher und welche Möglichkeiten Mozart hatte, wenn der natürlich auf dem kleinen Instrument loslegen würde, dann könnte er uns mit einer Beethoven-Sonate alles kaputt schlagen."


Die "Historische Musiksammlung Jehle" in Schloss Lautlingen bei Albstadt. Geöffnet Mi., Sa., So. und an Feiertagen von 14-17 Uhr und nach Vereinbarung.

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