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Das Wiernsheimer Kaffeemühlenmuseum Von der Kurbel zum Kaffeeautomaten

Museumsführer am 15.8.2018 von Irene Merkel

Deutschlands größte Kaffeemühlensammlung kann man in Wiernsheim/Enzkreis finden. 1.300 Exponate sind im Kaffeemühlenmuseum ausgestellt. Der Wiernsheimer Unternehmer Rolf Scheuermann hat sie zusammengetragen und der Gemeinde vermacht mit der Auflage, die Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Das Geräusch der guten alten Kaffeemühle! Es zaubert sofort den Duft von gerösteten Bohnen in unsere Nasen. Manche haben vielleicht selbst noch an der Kurbel gedreht oder sie kennen die sogenannte Schoßmühle aus Omas Zeiten. Museumsführerin Giovanna Messina meint: „Der Name ist sehr elegant. Aber man musste sie zwischen die Beine klemmen, damit man richtig drehen kann an der Kurbel.“

Kaffeemühlenmuseum Wiernsheim, Außenansicht

Kaffeemühlenmuseum Wiernsheim, Außenansicht

300 Jahre alte Kaffeemühlen

Schade, dass die Mühlen von der Bildfläche verschwunden sind, sagt die Museumsführerin, denn sie sind wertvolle Zeugnisse der Kaffeekultur verschiedener Epochen. Das älteste Exemplar ist 300 Jahre alt. Vermutlich waren es Schmiede, die Anfang des 18. Jahrhunderts die erste Kaffeemühle hergestellt haben, aus Gerätschaften, die man eher in einer Fleischerei vermuten würde. „Man darf sich die Nase eines Fleischwolfs vorstellen, eine Zwinge daran. Die Zwinge wurde an den Tisch geschraubt, alles war ganz martialisch aus Metall.“

Hochherrschaftliches Gerät

Kaum ein anderer Gebrauchsgegenstand wurde in so vielen Varianten gefertigt wie die Kaffeemühle. Sie sollte die Kaffeebohne mahlen, und gleichzeitig war sie Dekorationsobjekt und Statussymbol: „Kaffee wurde 20 grammweise gekauft, da kann man sich vorstellen, wie herrschaftlich ein Haushalt war, um sich eine Mühle leisten zu können.“   


Eine der größten Mühlen der Sammlung ist der Wallfahrtskirche „Notre Dame de Lourdes“ nachgebildet, erzählt Museumsführer Wolfgang Hanisch: „Unsere Wallfahrtskirche hier, die hat ein Garnier. Die kann man nach hinten umklappen, und auf der Rückseite der Mühle ist eine Schublade. Das heißt man kann oben Kaffee einfüllen, mit der Kurbel vorne drehen, und aus der Schublade den Kaffee rauziehen.“

Brautmühlen als Mitgift

In der Biedermeierzeit, sagt Museumsleiterin Theresa Ostwald, waren die Kaffeemühlen besonders opulent verziert und so wertvoll, dass sie sogar als Brautmühlen weiter gereicht wurden: „Die Brautmühlen wurden der Braut als Mitgift mitgegeben, wenn sie geheiratet hat. An dem, wie diese Brautmühle ausgestattet ist, hat man gesehen, wie betucht diese Familie da stand.“

Ein besonders kunstvolles Exemplar stammt aus dem Jahr 1840 und wurde in Wien gefertigt. Auf zwei Seiten sind Zeichnungen von Liebespaaren zu sehen, die beiden anderen Seiten zieren Fliesen mit kunstvoller, filigraner Bemalung. Diese Mühle zählt zur Kategorie der sogenannten Säulen-Kaffeemühlen, erklärt Giovanna Messina: „Nein, Säulenmühle hat immer eine Säule an allen vier Seiten. Das war dem Biedermeierstil geschuldet. Selbst im Holz wurden diese Säulen als Linien angedeutet. Etwas ganz Besonderes aus dieser Zeit.“

Tornister wird Bohnenröster

Die Kaffeemühlen aus Gußeisen, aus Holz oder Porzellan, aus Kupfer oder aus Messing machen Geschichte lebendig. So hatte auch die Zeit während und zwischen den beiden Weltkriegen –der Not geschuldet- ganz spezielle Kaffeemühlen, weiß Giovanna Messina: „Wir haben einen Tornister, der wurde umfunktioniert in einen Bohnenröster.“


Glasvitrine mit Kaffeemühlen im  Kaffemühlenmuseum Wiernsheim

Glasvitrine mit Kaffeemühlen im Kaffemühlenmuseum Wiernsheim

Erst in den Wirtschaftswunderjahren des vergangenen Jahrhunderts wurde die Kaffeemühle ein Utensil für jede Familie, sagt Giovanna Messina: „Hier haben wir den Kaffeebehälter bei der Mühle dabei.  Die Hausfrau hatte eine Einbaukaffeemühle, Kaffee und Mühle in einem. Andere Stimme: Meine Mutter hatte so etwas auch noch. Am Schrank, wo das Geschirr drin war, da hing die Kaffeemühle, blau-weiß war die damals.“

Moderne Maschinen sind aus Edelstahl und schnörkellos. Niemand muss mehr an der Kurbel drehen. Kaffee gibt es in Sekundenschnelle. Der Duft von gerösteten Bohnen bleibt dabei jedoch auf der Strecke.

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