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Das Musée Lalique im Elsass Große Glaskunst

Am 6.6.2018 von Marie-Dominique Wetzel

Im elsässischen Örtchen Wingen-sur-Moder befindet sich die letzte Wirkungsstätte des berühmten Schmuck- und Glaskünstlers René Lalique. An dessen Glanzleistungen erinnert das Musée Lalique in dem kleinen Ort zwischen Saarbrücken und Straßburg.

Glasbläser-Tradition im Nord-Elsass

Die Nordvogesen sind nicht zwingend der Ort, an dem man die weltmännische Eleganz der Schmuck- und Glaskunst des legendären René Lalique erwartet.

Im Nord-Elsass gibt es jedoch eine lange Glasbläser-Tradition. Lalique hat hier 1921 eine Manufaktur eröffnet. In einer solchen ehemaligen Glasbläserei ist 2011 auch das Lalique-Museum eröffnet worden.

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Werke aus dem Musée Lalique:

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Anhänger, Libellenfrau mit geöffneten Flügeln von René Lalique, entstanden um 1898-1900, Material - Gold, Email und Diamanten

Anhänger, Libellenfrau mit geöffneten Flügeln von René Lalique, entstanden um 1898-1900, Material - Gold, Email und Diamanten

Nachtleuchte "Deux Paons" (zwei Pfauen), Reneé Lalique, Enwurf 1920 - Materialien: Formgeblasenes Glas, Aufsatz Pressglas, Bakelit - Eigentümer: Shai Bandmann et Ronald Ooi

René Lalique, Katzen von 1932 (links) und Bouchon de radiateur Victoire von 1928 (rechts)

René Lalique, Bouchon de radiateur Longchamp, 1929

René Lalique, Service Mouettes, 1938

Marc Lalique, Motif Deux Poissons, 1953

Marie-Claude Lalique, Vase Orchidées, 1979

Lalique, Vase Poseidon, 2007

Gleich im Eingangsbereich ein drei Meter hoher Kristallkronleuchter, ein Traum aus Licht und Glanz. Für ihn musste extra das Deckengebälk verstärkt werden.

Der Museumsrundgang beginnt in einem graphischen Kabinett. Staunend steht man vor den wunderschönen Skizzen, die Lalique als Vorlage dienten – besonders für seine Schmuckstücke im Stil des Art Nouveau, des Jugendstils. Bunt schillernde Käfer, Libellen mit hauchzarten Flügeln – alles in einer fast wissenschaftlichen Präzision gezeichnet.

Tiere und Pflanzen inspirierten zu Schmuckstücken und Glaskunstwerken

Lalique hat als junger Mann an der Ecole des Arts décoratifs in Paris studiert, bevor er eine Lehre bei einem angesehen Schmuckkünstler absolvierte.

Marc Lalique, Motif Deux Poissons, 1953

Marc Lalique, Motif Deux Poissons, 1953

Doch die gute Beobachtungsgabe hat er von seinem Großvater in der heimatlichen Champagne gelernt, erklärt die Leiterin des Lalique-Museums, Véronique Brumm: "Schon als kleiner Junge hat er dort Libellen und Frösche beobachtet. Später hat er in Clairefontaine bei Paris ein Anwesen gekauft, mit einem See und viel Natur. Tiere und Pflanzen haben ihn inspiriert, und man findet sie auf seinen Schmuckstücken und Glaskunstwerken wieder. Aber natürlich war er ein Künstler und hat nicht nur reale Tiere nachgeahmt, sondern auch phantastische Wesen erschaffen."

Meerjungfrauen, Wassermänner und Feen

So tauchen auch schon bald Meerjungfrauen, Wassermänner und Feen auf seinen Schmuckstücken, Vasen, Schalen Tischaufsätzen und Flakons auf.

Marie-Claude Lalique, Vase Orchidées, 1979

Marie-Claude Lalique, Vase Orchidées, 1979

Das Museum kann aus dem Vollen schöpfen und zeigt viele große und kleine Kunstwerke von René Lalique. Doch er wäre nicht so erfolgreich gewesen, wenn er nicht auch ein sehr guter Geschäftsmann gewesen wäre und auch auf nicht ganz so kaufkräftige Kundschaft gesetzt hätte.

Immer auf dem neuesten Stand der Produktion

Um die Produktionskosten zu senken, feilte René Lalique ständig an den technischen Abläufen und hat dabei einige Erfindungen gemacht. Véronique Brumm: "Lalique hat sich immer mit innovationsfreudigen Ingenieuren und Handwerkern umgeben. Er hat immer nach neuen Wegen in der Produktion und Materialverarbeitung gesucht und die neuesten Techniken genutzt. Er hat sich auch nicht gescheut, Pressglas zu verwenden, das damals eher verpönt war."

Weltausstellung in Paris war sein Durchbruch

Lalique hat sich auch nie gescheut, verschiedene Materialien zu mischen: Edelsteine mit Horn, Glas mit Silber und Gold. Der Durchbruch als Schmuckkünstler gelang ihm 1900 auf der Weltausstellung in Paris. Im Museum ist sein damaliger Stand nachgebaut. Doch schon bald verlegte er sich nur noch auf die Glaskunst und wurde zu einem der wichtigsten Vertreter des Art déco.

Schier endlos scheinen die Möglichkeiten dieses Materials: Lalique gestaltete riesige Brunnenanlagen, ganze Kirchenräume, Innenausstattung für Ozeandampfer, Luxuszüge und Kühlerfiguren für Nobelkarossen. Ein Museumsbesuch, bei dem man in Glanz baden kann.


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