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Filmkritik Mid90s - berührende Coming-of-Age-Geschichte

Von Julia Haungs

Den Amerikaner Jonah Hill kennt man als Schauspieler aus Filmen wie „The Wolf of Wall Street“ oder „Don’t worry“. Für sein Regiedebüt „Mid90s“ hat er auch gleich noch das Drehbuch geschrieben. Darin lässt er die große Zeit der Skateboards, des HipHops und der Mixtapes im Los Angeles der 90er Jahre wieder aufleben.

Die coolsten Typen der Welt

Gibt es auf der Welt coolere Typen als die Hänger vom Skateshop um die Ecke? Für den 13-jährigen Stevie definitiv nicht. Integrationswillig bis in die Haarspitzen, setzt der kleine Junge alles daran, zur Gruppe um Ray, Fuckshit& Co dazuzugehören.

Er kauft sich ein altes Skateboard, verrichtet stolz kleinere Dienste für die Angehimmelten und imitiert alles, was die Älteren an coolem Gehabe vorleben.

Niedliches Maskottchen

Auch wenn er sich auf manches noch keinen Reim machen kann – das Glück, dass die Älteren ihn als eine Art niedliches Maskottchen in die Crew aufnehmen, überstrahlt alles. Die Erkenntnis, außerhalb der Familie zu einer Gruppe dazuzugehören, am besten noch verbunden mit einer eigenen Subkultur, hat für Stevie wie für alle Heranwachsenden etwas Berauschendes.

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Kinostart 07.03.

Mid 90s von Jonah Hill

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Regisseur Jonah Hill feiert mit seiner selbsternannten "Liebeserklärung an die 90er" sein Debüt in der Regie.

Regisseur Jonah Hill feiert mit seiner selbsternannten "Liebeserklärung an die 90er" sein Debüt in der Regie.

Los Angeles, Mitte der 90er Jahre: Stevie (Sunny Suljic) ist 13 und wächst in schwierigen Verhältnissen auf. Seine alleinerziehende Mutter kümmert sich nicht darum, dass er seine ganze Zeit mit Videospielen verbringt.

Heimlich hört Stevie die CDs seines großen Bruders Ian (Lucas Hedges). Weil dieser ihn aber immer häufiger verprügelt, sucht Stevie nach einem Ausweg.

Er findet Anschluss bei den Jungs vom Local Skateshop, die ihm eine völlig neue Welt eröffnen. Zwischen Mädchen, Skaten an neuen Orten und dem Abhauen vor der Polizei fühlt sich Stevie endlich frei.

Bald jedoch merkt Stevie, dass auch seine neuen Idole nicht frei von Problemen sind.

Regiedebüt von Hollywoodstar Jonah Hill

Regisseur Jonah Hill fängt dieses Glücksgefühl in seinem Regiedebüt berührend genau ein. Erfrischend im Ton und ganz nah dran an seinen jugendlichen Hauptfiguren erzählt diese Coming of Age-Geschichte von den Herausforderungen des Erwachsenwerdens.

Große Themen wie die Loslösung aus der Familie, der Kampf um Anerkennung innerhalb einer Gruppe und das hohe Gut der Freundschaft werden genauso ernsthaft verhandelt wie die kleineren Herausforderungen von der ersten Zigarette bis zum ersten Kuss.

Schwierige soziale Verhältnisse

Die Jugendlichen in „Mid90s“ kommen aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Zu Hause warten auf sie trinkende, schlagende oder auch einfach nur überforderte Eltern. Ihre Zukunftsperspektiven sind bescheiden.

Trotzdem ist „Mid90s“ kein deprimierendes Sozialdrama, sondern eine warmherzige Milieustudie. Unprätentiös erzählt Hill von den Zielen, Träumen und Ängsten der Heranwachsenden, die sie die meiste Zeit hinter ihrem coolen Gerede und vielen Flüchen verstecken.

Er findet Anschluss bei den Jungs vom Local Skateshop, die ihm eine völlig neue Welt eröffnen. Zwischen Mädchen, Skaten an neuen Orten und dem Abhauen vor der Polizei fühlt sich Stevie endlich frei.

Die coolen Jungs vom Local Skateshop sind die neuen Vorbilder von Stevie.

Großartige Hauptdarsteller tragen den Film

Dass der Film trotz seiner weitgehenden Ereignislosigkeit so gut funktioniert, liegt an der unverstellten Energie der jugendlichen Hauptdarsteller, die meisten von ihnen Laien.

Da sie aber professionelle Skateboarder sind, die sich ständig gegenseitig bei ihren Tricks filmen, strahlen sie vor der Kamera eine große Natürlichkeit und Präsenz aus, egal ob sie auf dem Skateboard stehen, einfach nur abhängen oder in einigen wenigen Momenten ihr Inneres offenbaren.

Filmische Zeitreise ins Los Angeles der 90er Jahre

Auf grobkörnigem 16-Millimeter-Film gedreht, setzt der Film die 90er Jahre in Los Angeles mit allem, was dazu gehört in Szene, von den Street Fighter-T-Shirts über die Ninja Turtles-Plakate bis zum Hip Hop-lastigen Soundtrack.

Keine plumpe Verklärung der Skaterkultur

Hill achtet darauf, dass jedes Detail stimmt, hütet sich jedoch gleichzeitig davor, die Skaterkultur der 90er zu verklären. So ist „Mid90s“ trotz des großen Raums, den das Skaten einnimmt, kein eigentlicher Skaterfilm sondern eine sehr persönliche Erinnerung an Hills Jugend in L.A.

Kleiner, feiner Film

Die Skateboards sind Ausdruck des Freiheitsgefühls und das Bindeglied zwischen den Jugendlichen, die ansonsten wenig über ihre Gefühle kommunizieren. Egal, ob skateboard-sozialisiert oder nicht: Wer nochmal spüren will, wie es sich anfühlt, 13 zu sein, sollte diesen kleinen, feinen Film sehen.


Spotify-Playlist zum Film "Mid90s"
Egal ob Skateboard sozialisiert oder nicht, wer den-Sound der frühen 90er hören will, für den gibt es hier die Spotify-Playlist zum Film "Mid90s".

Neben dem Hiphop-Sound von Wu-Tang Clan, Waren G, The Notorious B.I.G., Public Enemy und vielen anderen Hiphop-Bands, gibt es auch Titel der Alternative-Bands wie Nirvana, Pixies, Misifits in der Playlist zum Film:

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