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Porträt des Ex-Ministerpräsidenten im StaMi aufgehängt Mappus in Öl

Am 4.5.2018 von Susanne Kaufmann

Stefan Mappus war nur für 15 Monate Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Sein Bild dagegen wird dauerhaft im Stuttgarter Staatsministerium hängen. Amtsnachfolger Winfried Kretschmann präsentierte in der Villa Reitzenstein heute das Porträt, das der Künstler Jan Peter Tripp von Mappus gemalt hat.

„Der Herr Mappus“ greift in den Rahmen

Das ist er also: „Der Herr Mappus“. Weißes Hemd, blaues Jackett, die Krawatte weiß-rot-blau kariert. Verschmitzt schaut er aus dem Rahmen, der Teil der Leinwand ist, und greift förmlich hinaus. „Der Herr Mappus“, so heißt das Bild des umstrittenen CDU-Politikers, den interessanterweise ein alter 68er porträtierte, Jan Peter Tripp.


Sohn des Hotzenplotz-Illustrators

Tripp darüber heute: „Wir 68er waren einfach verdammt beschränkt und verdammt ignorant, und ich möchte mich heute nicht mehr mit den Kriterien sehen, die ich damals für richtig gehalten habe.“

Jan Peter Tripp ist der Sohn von Franz Josef Tripp, der unvergessen ist als Illustrator legendärer Kinderbücher wie „Der Räuber Hotzenplotz“. Für die Ahnengalerie der Ministerpräsidenten malte er schon einen anderen CDU-Politiker: Lothar Späth. Ein Entschluss, den er freilich erst fällte, nachdem er ihn im Wahlkampf ein paar Tage begleitet hatte.

Mappus porträtieren? "Da musste ich schlucken"

Als das Staatsministerium im letzten Jahr dann fragte, ob Tripp sich vorstellen könne, auch Mappus zu porträtieren, musste er erst mal schlucken. Doch dann beriet er sich mit Freunden und beschloss: „Lass Dich drauf ein.“

Übergabe des offiziellen Portraits des ehemaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) am Freitag, 4. Mai 2018 im Staatsministerium in Stuttgart.

Stefan Mappus, seine Frau Susanne Verweyen-Mappus und Maler Jan Peter Tripp im Stuttgarter Staatsministerium.

Geht es um die Macht, ist ein Porträt besonders riskant

Ein Porträt sei immer ein Risiko, gerade wenn man es mit der Macht zu tun habe. Und Tripp hat schon viele Mächtige gemalt, darunter Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt.

Wenn er solche Kaliber porträtiert, hat er in seinem Hinterkopf stets ein Buch: Stefan Andres „El Greco malt den Großinquisitor“: „Als El Greco den Großinquisitor gemalt hat, da ging’s bei jedem Pinselstrich um Leben und Tod. Also dieser vertrocknete mürrische Inquisitor, der ließ dem Maler El Greco nicht den geringsten Spielraum.“

Nahezu fotorealistisch

Eben dieser Spielraum ist ihm ausgesprochen wichtig. Als er beim dritten Zusammentreffen mit Mappus eine Fotoserie schoss, mit einer kleinen digitalen Leica in seinem Atelier im Elsass, sah Mappus diese Bilder danach nicht. Und Tripp wählte dann dasjenige aus, das er im letzten Herbst nahezu fotorealistisch umsetzte in Öl. Sein / Bild von Mappus, der sah es jetzt zum ersten Mal.

Übergabe des offiziellen Portraits des ehemaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) am Freitag, 4. Mai 2018 im Staatsministerium in Stuttgart.

Übergabe des offiziellen Portraits des ehemaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) am Freitag, 4. Mai 2018 im Staatsministerium in Stuttgart.

Nicht in Geschwätzigkeit verfallen

Es ist ein schlichtes Bild, ohne irgendwelche Attribute. Tripp sagt „Weniger ist mehr“. Für einen gegenständlichen Künstler sei es geradezu Gesetz, nicht in Geschwätzigkeit zu verfallen. Was auffällt, ist zunächst der knitze Blick, gewitzt und ausgefuchst, und dann das forsche Greifen aus dem Bild heraus.

Stefan Mappus ist aktuell damit befasst, das eigene Bild zurecht zu rücken. Was haben Journalisten festgeschrieben? Was ist Klischee? Wie sähe eine andere Lesart seiner Amtszeit aus? Und dann fällt da noch eines auf: dieser freie Raum über seinem Kopf.

Noch Luft nach oben?

Herr Tripp, heißt das, da ist noch Luft nach oben? „Das ist natürlich die Vulgär-Betrachtungsart schlechthin. Das ist ja wie bei einer Karikatur. Nein, wie vieles kann und will ich bestimmte Dinge auch nicht erklären, aber ich kann Ihnen ganz klar sagen, dass es dieser Gedanke überhaupt nicht war.“

Vieles liegt eben im Auge des Betrachters. Jan Peter Tripp betont, als Porträtist sei er loyal. Sozusagen zurück auf Null, ohne Schuld und Sühne. Natürlich sei es einfach, jemanden über ein Porträt zu denunzieren. Aber „wenn ich mit so einer Absicht reinginge, also einer gewissen Denunziation des Dargestellten oder Illoyalität, dann würde ich den Auftrag gar nicht annehmen. Das finde ich obszön.“

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