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Neu im Kino: Lady Bird von Greta Gerwig Sie will alles – und zwar jetzt!

Kulturthema am 17.4.2018 von Rüdiger Suchsland

Christine ist sechzehn, nennt sich "Lady Bird" und hat den Mut, vom Leben und der Welt einfach alles zu wollen. Regisseurin und Drehbuchautorin Greta Gerwig war für ihr Debüt oscarnominiert. Der witzige und gut gemachte Film setzt beim Zuschauer viel Humor für die Verwerfungen der Pubertät voraus.

Fortwährender Mutter-Tochter-Streit

Mutter und Tochter. Im Auto. Und als die Tochter das Genörgel ihrer Mutter nicht mehr aushält, reißt sie die Beifahrertür auf und rollt sich heraus, bei laufender Fahrt. Das ist nur eine besonders spektakuläre von einer ganzen Handvoll Szenen, die zwei Dinge unmissverständlich klar machen: Mutter und Tochter streiten sich fortwährend.

Und die Tochter, die Hauptfigur dieses Films, ist eine Kämpferin. Sie weiß, was sie will. Zu allem entschlossen ist sie nicht bereit, auch nur eine Handbreit nachzugeben. Sie will ihren Kopf durchsetzen.

Christine will alles von der Welt

Sie heißt Christine, aber sie nennt sich Lady Bird. Und sie hat den Mut, vom Leben und von der Welt einfach alles zu wollen, auch wenn es schwer erreichbar scheint. Die 16-jährige ist stolz, sie hat kein Problem damit, anders zu sein, als andere. Aber sie ist eben auch eine Heranwachsende und mit allen Problemen anderer Heranwachsender belastet.

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Kinostart 19.4.

Lady Bird von Greta Gerwig

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Sacramento im Jahre 2002: Die 17-jährige Christine McPherson (Saoirse Ronan) ist in ihrem letzten Highschool-Jahr. Nachdem sie von allen Schulen im näheren Umkreis geflogen ist, hat ihre Mutter sie auf einer katholischen Schule angemeldet.

Sacramento im Jahre 2002: Die 17-jährige Christine McPherson (Saoirse Ronan) ist in ihrem letzten Highschool-Jahr. Nachdem sie von allen Schulen im näheren Umkreis geflogen ist, hat ihre Mutter sie auf einer katholischen Schule angemeldet.

Christine nennt sich selbst Lady Bird und rebelliert wo sie nur kann gegen ihr Elternhaus. Nach ihrem Abschluss möchte sie Kalifornien verlassen und an der Ostküste studieren.

Ihre Mutter Marion (Laurie Metcalf) ist von den Plänen ihrer Tochter wenig angetan. Sie versucht immer wieder, ihre pubertäre Tochter zur Räson zu bringen.

Die Situation bei den McPhersons ist nicht einfach: Seit Familienvater Larry (Tracy Letts) seinen Job verlor, muss Marion im Krankenhaus Doppelschichten machen um die Familie über die Runden zu bringen.

Wenn ihr die Probleme Zuhause über den Kopf wachsen sucht Lady Bird immer wieder Zuflucht und Rat bei ihrer besten Freundin Julie (Beanie Feldstein).

Lady Birds (Saoirse Ronan) erste Liebe ist der Musical-Darsteller Danny (Lucas Hedges).

Das junge Glück ist jedoch nicht von langer Dauer und schon bald ist Lady Bird stattdessen mit Rock-Musiker Kyle (Timothée Chalamet) zusammen.

Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist nicht immer leicht. Auch wenn Lady Bird ihre Mutter liebt, so fühlt sie sich von deren Fürsorge meistens eingeengt.

Die verschiedenen Weltbilder von Lady Bird und ihrer Mutter sorgen dafür, dass es zwischen den beiden immer wieder zu Streitereien kommt.

Regisseurin Greta Gerwig, die selbst aus Sacramento kommt, sieht ihre Heimat und ihre eigene Pubertät als Inspiration für den Film: "Die Tiefe der eigenen Empfindungen für das Zuhause zu begreifen, ist noch einigermaßen schwierig, wenn man 16 Jahre alt und davon überzeugt ist, dass das echte Leben woanders stattfindet."

Etwas zu netter Film über das Erwachsenwerden

So ist dies auch ein ganz normaler, unaufgeregter Coming-Of-Age-Film, ein Film über das Erwachsenwerden. Vielleicht ist der Film der bekannten Independent-Darstellerin Greta Gerwig ein bisschen zu nett, zu skurril, zu gewollt originell.

Gerwigs Arbeit als Schauspielerin steht vor allem für Mumblecore, jene Filmbewegung der US-Ostküste, die aus dem Unperfekten und dem Scheitern Kult macht. Ein Gegenstück zu Hollywood, zu den glatten Erfolgstypen und der immer gleichen kritiklosen Feier des Amerikanischen Traums sein will.

Lady Birds Leben wird noch komplizierter, als sie ihre ersten Erfahrungen mit der Liebe macht. So verliebt sie sich in den Musical-Darsteller Danny (Lucas Hedges).

Lady Birds Leben wird noch komplizierter, als sie ihre ersten Erfahrungen mit der Liebe macht. So verliebt sie sich in den Musical-Darsteller Danny (Lucas Hedges).

Nicht ins Verlieren verliebt

So ein Gegenstück ist auch "Lady Bird". Aber die Hauptfigur ist nicht so lächerlich, nicht so durchschnittlich, nicht so ins Verlieren verliebt, wie etwa die Charaktere von Noah Baumbach, Gerwigs 20 Jahre älteren Lebensgefährten, in dessen Filmen, zum Beispiel "Francs Ha", sie oft die Hauptrolle spielt.

Film mit autobiographischen Seiten

Tatsächlich hat dieser fulminante, facettenreiche Film auch autobiographische Seiten: Auch Greta Gerwig wuchs als Tochter einer Krankenschwester in Kalifornien auf, besuchte eine katholische Highschool, und spielte dort Theater. Man sollte "Lady Bird" unbedingt sehen. Denn er ist gut gemacht und witzig.

Regisseurin Greta Gerwig, die selbst aus Sacramento kommt, sieht ihre Heimat und ihre eigene Pubertät als Inspiration für den Film: "Die Tiefe der eigenen Empfindungen für das Zuhause zu begreifen, is

Regisseurin Greta Gerwig erhielt für ihr Drehbuch und die Regie zu "Lady Bird" eine Oscar Nominierung.

Hervorragende Hauptdarstellerinnen

Dies ist auch eine kluge Reflexion über das heimliche Hauptthema aller Coming-of-Age-Filme: Was ist der Sinn des Lebens?

Dies ist, nicht nur, weil Lady Bird eine katholische Highschool besucht, ein Film der den Kampf gegen Tabus führt. Sondern auch, weil hier dem ewigen Thema rebellische Tochter gegen nörgelnde Mutter sehr originelle Seiten abgewonnen werden.

Und weil beide Darstellerinnen, Saoirse Ronan und Laurie Metcalf, hervorragend spielen. So ist dies einfach ein guter Film.

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