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Museum für Brotkultur in Ulm Brot als Kulturgut

Museumsführer am 28.2.2018 von Rainer Schlenz

Das Museum für Brotkultur in Ulm ist in Süddeutschland einzigartig. Es stellt Zusammenhänge her zwischen Wirtschaft, Weltbevölkerung, Kunst und Glauben, will Anstöße geben, über das ungelöste Problem des Hungers auf der Welt nachzudenken.

In der alten Kornkammer von Ulm

Ein mächtiger Bau mit riesigem Giebeldach aus der Renaissance mitten in der Ulmer Innenstadt. Gewölbedecken und schweres Gebälk bilden den Rahmen für das "Museum der Brotkultur".

"Love long distance"; Museum für Brotkultur, Ulm, Sonderausstellung 2018

Eine Erdbeere als Totenschädel in der Sonderausstellung des Museums für Brotkultur

Es ist die alte Kornkammer von Ulm. Das Museum ist also thematisch am idealen Ort, sagt die Direktorin Isabel Greschat: "Hier geht’s um Getreide, Brot und Nahrungssicherheit. All diese Themen behandeln wir im Museum, und da ist das ein wunderbarer Rahmen."

Im Erdgeschoss zeigt eine Sonderausstellung junge, fröhliche, aber auch kritische Kunst unter dem Titel "Zum Anbeißen - Früchte in der Kunst". Anspielungsreich: eine Erdbeere als Totenschädel.

Pieter Breughel "Der Sommer" - Blick auf ein begrenztes Leben

Eine Etage höher in der Dauerausstellung hängen die alten Meister: Etwa Pieter Breughels Gemälde "Der Sommer". Ein Blick auf die Ernte früherer Zeit und ein allegorischer Blick auf das Leben und seine Begrenztheit.

Rechts unten sitzt der schwarze Mann mit der Sense: "Das ist der Tod. Und etwas weiter hinten eine Frau, deren Gesicht verdeckt ist von einem großen, flachen Korb mit Früchten drauf. Das ist die Fruchtbarkeit. Hier geht es darum, dass wir uns als Betrachter dessen bewusst sind, wir sind Teil eines großen Ganzen", so Isabel Greschat.

Pieter Brueghel d.J.: "Der Sommer", Museum der Brotkultur, Ulm

Pieter Brueghel d.J.: "Der Sommer", Museum der Brotkultur, Ulm (Foto/Copyright: Museum der Brotkultur, Ulm)

Dieses Gemälde gibt einen Hinweis auf die Philosophie des Museums. Es geht um das Werden und Vergehen auf allen Ebenen.

Aus Getreidebrei Fladen backen

Die Besucher können auf einem gewölbten, gefäßartigen Stein mit einem Kiesel, Getreide reiben. Vermischt man das grobe Mehl mit Wasser entsteht Getreidebrei.

Funde vom Bodensee zeugen von frühesten Formen des Brotbackens. "Was wir sehen ist Getreidebrei um einen Stein gewickelt. Die Steine wurden im Feuer erhitzt. Wenn sie heiß waren konnte man den Getreidebrei drum herum wickeln und dann wurde das zu Fladen gebacken", sagt Isabel Greschat.

Mit dem Ackerbau wurden die Menschen sesshaft, wurde die Landwirtschaft durch Technologie immer effizienter. Doch das Problem des Hungers ist nicht gelöst - und das bei rasant steigender Weltbevölkerung. "Während wir hier stehen und reden sind mindestens hundert neue Menschen auf der Welt dazu gekommen. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie schnell die Weltbevölkerung wächst."

Ein Leben ohne Hunger

Das Museum vermittelt auch einen Eindruck davon wie die Acker- und Anbauflächen immer weniger werden - durch Erosion oder Versiegelung. Der Grundimpuls des Museumsgründers Willi Eiselen bis heute: Ein menschenwürdiges Leben ohne Hunger. Sein Sohn, Hermann Eiselen, präsentierte 1999 eine vom Nestlé-Konzern konzipierte Ausstellung über Gentechnik in der Landwirtschaft.

Die jetzige Direktorin Isabel Greschat, engagiert sich im Bündnis 'Agrogenfreie Technik um Ulm': "In den 1970er und 80er Jahren war grüne Gentechnik das Pferd der Zukunft. Und man hat sich Wunder davon versprochen und gedacht, das ist die Lösung all unserer Ernährungsprobleme. Dass dadurch neue Probleme entstehen, hat man erst später gesehen".

Das Museum für Brotkultur, das betont Isabel Greschat, steht aber nicht für die eine politische Pespektive. Es will vielmehr Forum sein für alle Positionen, die begründbar sind.


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