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Bauliche Zukunft des Badischen Staatstheaters Karlsruhe / Modell der Architekten

Startschuss für Erweiterung des Badischen Staatstheaters Kulturpolitisches Signal für Karlsruhe

Am 2.5.2018 von Marie-Dominique Wetzel

Es war der Startschuss für die Sanierung und Erweiterung des betagten Badischen Staatstheaters in Karlsruhe. Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Kunstministerin Theresia Bauer, Finanzstaatssekretärin Gisela Splett und der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup verkündeten am Mittwoch den Start für das rund 325 Millionen teure Bauprojekt.

Peter Spuhler: Sanierung unbedingt erforderlich

Peter Spuhler, der Generalintendant des Badischen Staatstheaters nutzte die Gelegenheit, den Vertretern des Landes bei einer Führung durch das Haus noch einmal vor Augen zu führen, warum eine Sanierung unbedingt nötig ist.

Ellenbogen an Ellenbogen sitzen in der Damenschneiderei

So gebe es zu wenig Platz für den Aufbau von Dekorationen. Die Proberäume für die Musiker hätten zu dünne Wände, so dass kein konzentriertes Üben möglich sei. Im viel zu kleinen Ballettsaal hat die Probe gerade erst begonnen, und schon ist die Luft zum Schneiden. In der Damenschneiderei sitzen die Mitarbeiterinnen Ellenbogen an Ellenbogen wie in einer Fabrik.

Kretschmann: Handling passt einfach nicht mehr

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte vorab schon eine ausführliche Führung bekommen, die ihm die Augen geöffnet hat: "Das ganze Handling passt einfach nicht mehr. Aber ich habe auch begriffen, warum es so teuer ist, gutes Theater. Wie viele Menschen hinter der Bühne beschäftigt sind, das habe ich hier erst richtig gut verstanden."

Und so wurde der Besuch zu einem starken Bekenntnis - nicht nur zu Kunst und Theater überhaupt - sondern auch zum Kulturstandort Baden-Württemberg. Kunstministerin Theresia Bauer: "Theater ist eine Kraftquelle für eine Gesellschaft im Wandel, die sich behaupten muss und behaupten will."

Karlsruher Gemeinderat: lange Diskussion über Kosten

Um die besten Kreativen ins Land und speziell nach Karlsruhe holen zu können, brauche es attraktive Arbeitsbedingungen. Von der Entscheidung, das Badische Staatstheater zu sanieren und zu erweitern, bis zum heutigen Startschuss war es ein langer, steiniger Weg.

Das Badische Staatstheater wird je zur Hälfte von Land und Stadt getragen. Also galt es nicht nur, die zuständigen Stellen in Stuttgart, sondern auch die Karlsruher Bevölkerung und den Gemeinderat von dem Großprojekt zu überzeugen – zumal von den Kosten, die sich im Laufe der Planungsphase ständig steigerten, betonte der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup.

Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup spricht gestikulierend

OB Frank Mentrup

Auseinandersetzungen von 2016 um Karlsruher Kulturetat

Heute ebenfalls vergessen: die harten Diskussionen 2016 im Gemeinderat. Da stand eine Einsparsumme im Kulturetat im Raum, die die Schließung einer ganzen Sparte bedeutet hätte, rechnete Generalintendant Peter Spuhler damals vor. Man hätte also ein großes, modernes Mehrspartenhaus gebaut, und gleichzeitig eine Sparte weggestrichen. Eine absurde Vorstellung.

Sanierung des Staatstheaters innerhalb von 12 Jahren

Nun scheint aber alles gut: die ersten Haushaltsmittel sind eingestellt, Rücklagen gebildet. Die ersten Bagger sollen 2019 anrollen und in drei Bauabschnitten soll dann binnen zwölf Jahren die Sanierung sowie die Erweiterung abgeschlossen sein. Samt neuem Schauspielhaus, wenn alles gut geht.

Nicht dass alles so endet wie 1975 beim Bau des heutigen Gebäudes. Da hatte man sich nämlich übernommen, und am Ende war kein Geld mehr für ein Schauspielhaus übrig. Jetzt ist die Chance da, das jahrzehntelange Provisorium endlich zu beenden.

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