Bitte warten...

Der neue Woody Allen: "Wonder Wheel" Harmloses Kinovergnügen

Kulturthema am 9.1.2018 von Rüdiger Suchsland

"Wonder Wheel" ist eine typische Woody-Allen-Komödie. Voller Musik, gedreht in prachtvollen, sanft gleitenden, fast perfekt arrangierten Bildern, ins warme Licht der Nostalgie getaucht und gespickt mit großartigen Stars: Kate Winslet, Justin Timberlake und James Belushi. Zumindest für Fans und Liebhaber misanthropischer Komödien ist auch dieser Film ein Muss.

Überaus gelangweilt sitzt ein junger Mann auf einem Aussichtsturm am Strand. Als Badewächter verdient er sich ein paar Dollars hinzu. Anfang der 50er Jahre ist der Strand von Coney Island in Brooklyn, direkt neben dem weltberühmten Vergnügungspark mit seinen Karussells, Geisterbahnen und Riesenrädern, das Ausflugsziel für die ganze Familie, für die normalen Bürger von New York, die sich am Wochenende von der Tretmühle des Büros erholen wollen.

1:31 min

Kinotrailer "Wonder Wheel"

Zurück nach New York

Woody Allen ist mit seinem 48. Kinofilm wieder in seine Heimatstadt New York zurückgekehrt. Ins New York seiner Kindheit, der Nachkriegszeit und Hochphase des amerikanischen Jahrhunderts, das er bereits in Werken wie "Radio Days" und "Sweet and Lowdown" beschworen hatte. Eine scheinbar glückliche, einfache Zeit, eine Welt der kleinen Leute und ihrer Kleinbürgerträume. Es geht um konservative Werte und ihre alltägliche Verletzung, Repressionen, kleine Fluchten und vorsichtigen Ausbruch.

Wonder Wheel

Der attraktive Rettungsschwimmer Mickey (Justin Timberlake) träumt von einer Karriere als Bühnenautor.

Der gelangweilte junge Badewächter ist der Erzähler der Handlung. Die Geschichte ist ins warme Licht eines Spätsommersonnenuntergangs getaucht, ins Licht der Nostalgie. Die fünfziger Jahre dieses Films sind kunterbunt, die Dekolletés der Damen tief und fest, die Autos weich gefedert, die Kinofilme melodramatisch und die Tanzmusik voller Swing.

1/1

Kinostart 11.1.

Wonder Wheel von Woody Allen

In Detailansicht öffnen

Wonder Wheel thematisiert die Lebensläufe von vier Menschen, die sich in den 50er Jahren in einem Vergnügungspark auf Coney Island kreuzen. Darunter ist die Ex-Schauspielerin Ginny (Kate Winslet).

Wonder Wheel thematisiert die Lebensläufe von vier Menschen, die sich in den 50er Jahren in einem Vergnügungspark auf Coney Island kreuzen. Darunter ist die Ex-Schauspielerin Ginny (Kate Winslet).

Ginny jobbt jetzt in einem Meeresfrüchte-Imbiss und zerbricht an dem Gedanken, ihren großen Traum von der Schauspielkarriere für einen Kellner-Job aufgegeben zu haben.

Ginnys Mann, der alkoholsüchtige Karussellbetreiber Humpty (James Belushi), hat den Tod seiner ersten Frau noch nicht überwunden.

Humpty sorgt für Ginny und ihren missratenen Sohn Richie (Jack Gore), auch wenn er ihnen nur eine winzige Unterkunft mitten im Lärm des berühmten Riesenrads im Vergnügungspark Coney Island bieten kann.

In der Wohnung von Humpty lebt seit kurzem auch dessen Tochter Carolina (Juno Temple). Sie ist aus ihrer Ehe mit einem Gangster entkommen und wird vom FBI verhört. Weil sie zu viel über seine Mafiavergangenheit weiß, muss ihr Ex sie unbedingt ausschalten.

Carolina hatte jahrelang keinen Kontakt zu ihrem Vater.

Der attraktive Rettungsschwimmer Mickey (Justin Timberlake) träumt von einer Karriere als Bühnenautor.

Mickey spricht die nachdenkliche Ginny bei einem Spaziergang an und die beiden beginnen eine verheißungsvolle Affäre.

Carolina (Juno Temple) löst in Humpty unerwartete väterliche Gefühle aus: Er überschüttet sie mit seiner Liebe und sieht jetzt endlich ein Ziel vor sich: Er will sparen, damit sie die Abendschule besuchen kann.

Für Ginny wird Mickey bald zum Rettungsanker, sie hofft durch ihn all die Fehler und Enttäuschungen ihrer Vergangenheit dauerhaft und endgültig hinter sich lassen zu können.

Zur Woody-Allen-Maschine gehören auch immer großartige Auftritte berühmter und kommender Stars: Kate Winslet, die britische Nachwuchsschauspielerin Juno Temple und Woody Allen am Set.

Juno Temple und Woody Allen bei den Dreharbeiten

Auf der Flucht vor Mafia-Killern

Doch all dies sind nur Kulissen, mitunter genauso wackelig, wie die Wände der Vergnügungsbuden von Coney Island. Hinter ihnen liegt der Abgrund. Zwischen diesen Kulissen arbeiten Riesenradkartenabreißer Humpty und seine zweite Frau Ginny, deren Ehe auch schon ihre besten Tage hinter sich hat. Eines Tages taucht aus dem Nichts eine junge Frau auf.

In der Wohnung von Humpty lebt seit Kurzem dessen Tochter Caroline (Juno Temple), die sich vor Gangstern versteckt.

Carolina (Juno Temple)

Carolina ist die Tochter von Humpty aus dessen erster Ehe. Nachdem sich Vater und Tochter seit Jahren nicht gesehen haben, bringt sie nun das Leben aller Beteiligten gehörig durcheinander. Denn Carolina wird als gefährliche Zeugin von Mafia-Killern gesucht und will beim Vater untertauchen.

Das geht eine Weile gut, doch dann kommen ihr die Killer auf die Spur. Außerdem verliebt sich Carolina in den Strandboy Mickey, der auch ein Freizeit-Schriftsteller ist. Vor allem aber hat der gutaussehende Rettungsschwimmer eine Affäre mit Carolinas Stiefmutter Ginny.

Typische Woody-Allen-Komödie

"Wonder Wheel" ist eine sehr typische Woody-Allen-Komödie. Voller Musik, gedreht in prachtvollen, sanft gleitenden, fast perfekt arrangierten Bildern. Es wirkt, als könne Allen im Alter Filme auf Autopilot drehen. Nimmt man nur den Look, dann ist "Wonder Wheel" einer der bestaussehenden Woody-Allen-Filme aller Zeiten.

Juno Temple, Woody Allen

Kate Winslet, Juno Temple und Woody Allen am Set

Zur Woody-Allen-Maschine gehören auch Auftritte großartiger Stars: Kate Winslet und James Belushi spielen das Jahrmarktsehepaar Ginny und Humpty. Der britische Nachwuchsstar Juno Temple und Justin Timberlake spielen Carolina und Mickey, die zwei jungen Idealisten, die noch mehr vom Leben wollen, als Routine.

Die Story kann mit Stil und Figuren diesmal nicht wirklich mithalten. Es ist das von Allen allzu vertraute Terrain: Ein Liebesdreieck, die Amoral der Menschen, ihre konsequent falschen Entscheidungen.

Zu bieder und vollkommen überraschungsfrei

Allen erlaubt sich zwar einige Ironien, gerade gegenüber seiner Männerfigur. Etwa wenn Mickey jedes Mal einen Regenguss dazu benutzt, eine Frau zu verführen und seinen Liebhaberinnen jeweils ein Buch schenkt. Und erfindet eine Nebenfigur einen achtjährigen Pyromanen, der in seiner abgründigen Destruktivität vielleicht ein geheimes Alter Ego des Regisseurs darstellt.

Aber insgesamt ist der Film zu bieder und vollkommen überraschungsfrei erzählt, um restlos glücklich zu machen. So ist "Wonder Wheel" ein Muss für Fans und alle Liebhaber misanthropischer Komödien. Für alle anderen ist dies ein nettes, harmloses Kinovergnügen, aber nicht mehr.

Weitere Themen in SWR2