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Kommentar „Fridays for Future“: Die Jüngeren haben Klimaschutz verstanden

Von Ralf Caspary

Schülerinnen und Schüler, die für mehr Klimaschutz auf die Straße gehen, bekommen Unterstützung: Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sammeln Unterschriften für die Proteste. Die Bewegung nennt sich „Scientists for Future“, in Anlehnung an die Proteste, die unter „Fridays for Future“ laufen. Die protestierenden Schüler haben Recht, meint SWR-Wissenschaftsredakteur Ralf Caspary in seinem Kommentar.

Eine angeblich verweichlichte Generation

Mein Gott, was hat man nicht alles über die Generation gesagt, die in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts geboren wurde. Das sei eine verweichlichte Generation, die nur wirtschaftlichen Wohlstand kenne, sich nur für sich selbst interessiere, der es an gesellschaftlicher Verantwortung fehle, weil es ihr um Smartphone und Laptop gehe, aber nicht um Solidarität, Gerechtigkeit und Engagement.

Ralf Caspary

Ralf Caspary

Was will man mehr?

Das alles ist Blödsinn, wenn man sich die Schüler und Schülerinnen ansieht, die jetzt für einen besseren Klimaschutz und gegen die Vermüllung der Welt auf die Straße gehen. Sie zeigen damit Engagement, Verantwortungsbewusstsein. Also, was will man mehr?

FDP-Chef Lindner sieht das freilich nicht so. Er hat wie ein Oberlehrer die Schülerproteste kritisiert mit dem wirklich haarsträubenden Argument: Von Kindern und Jugendlichen könne man nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technische Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Das sei eine Sache für Profis.

FDP-Chef Lindner spricht Jugendlichen Legitimation ab

Das ist ein Ding: Lindner spricht damit den jungen Leuten einfach mal so jegliche Kompetenz und Legitimation ab. Er denkt wohl, man dürfe nur dann protestieren, wenn man Klimaforscher sei, und das ist doch völlig unangemessen.

Hier geht es um Menschen, die zwar keine Profis sind. Das muss man auch nicht sein, wenn man protestiert. Aber sie haben Profis auf ihrer Seite, zum Glück.

Wissenschaftler: Schülerinnen und Schüler verstehen die Situation

Denn: Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen unterstützen nun ihrerseits mit einer großen Unterschriftenaktion die Schülerproteste. Und diese Wissenschaftler sagen ganz klar - und das ist eindeutig in Richtung Lindner gemeint -: Die Bewegung Fridays for Future zeige, dass die Schülerinnen und Schüler die Situation verstanden hätten.

Die renommierte Klimaforscherin Antje Boetius beschreibt das so: „Wenn ich den Schülern und Schülerinnen zuhöre, denke ich, sie haben sehr gut in der Schule aufgepasst, denn sie können den Zusammenhang zwischen unserem heutigen Handeln und der Zukunft herstellen. Anscheinend sogar besser als viele Erwachsene.“

Wir brauchen keine Oberlehrer, sondern eine klimafreundliche Strategie

Es ist gut, dass es diese Proteste und diese neue Unterstützung gibt. Es ist gut, wenn die Politiker dadurch wachgerüttelt werden. Immerhin zeigen viele Reaktionen – Linder ist nur eine Stimme-, dass dieses Wachrütteln geklappt hat.

Auch ist es sehr zu begrüßen, dass die Wissenschaft sich solidarisiert hat und öffentlich signalisiert: Liebe Politiker und Politikerinnen, wir brauchen keine oberlehrerhafte Kritik, keine politischen Grabenkämpfe, keinen Dornröschenschlaf. Wir brauchen endlich eine klimafreundliche Strategie.

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