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Wim Wenders: Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes Schöne Wohlfühldoku über den Papst

Filmkritik am 12.6.2018 von Rüdiger Suchsland

Einer der größten Fans des amtierenden Papstes Franziskus ist der deutsche Regisseur Wim Wenders. Sein neuer Film „Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes“ ist eine Auftragsarbeit des Vatikan, parteiisch und ein besserer Werbefilm. Den Protestanten Wenders interessiert nicht das Katholische an Franziskus, sondern das Universale.

"Man kann nicht zwei Herren dienen: Gott und den Reichen." Dieser Mann, der Hauptdarsteller dieses Films, sagt hier das, was Martin Schulz vielleicht besser letztes Jahr im Wahlkampf gesagt hätte. Aber solche Reden hält bei uns kein Sozialdemokrat, sondern nur der Papst.

Sehr deutscher Filmanfang

Ein Skandal seien Armut und Hunger, wer könnte da widersprechen. Es geht sehr deutsch los in dieser Papstdokumentation von Wim Wenders: Apokalyptisch, voller Lust am Untergang, einmal mehr wird die Katastrophe beschworen. Migration, Hunger, Armut, Klimawandel. Aber man weiß ja schon: Der tiefe Fall hat den Sinn, dass es dann um so steiler aufwärts gehen kann.


Radikale Antworten? 

Die Lösung, nach Ansicht von Wim Wenders, ist Fleisch geworden im Papst. Er ist der erste aus Argentinien, aus einem außereuropäischen Land und der erste, der sich nach Franz von Assisi, dem "Heiligen der Armen" benannte. "Ein Mann hat radikale Antworten", behauptet Wenders dazu aus dem Off.

Wim Wenders, der gute Mensch aus Düsseldorf 

Man muss es ganz offen sagen: Wenders, der gute Mensch aus Düsseldorf, hat genau genommen gar keinen Film über den Papst gemacht. Denn mit dem Papst, dem Oberhaupt der katholischen Kirche und dieser selbst, setzt sich der Film nicht auseinander. Er zeigt Jorge Maria Bergoglio, den ehemaligen Kardinal von Buenos Aires, als Mensch.

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Kinostart 14.06.

Papst Franziskus: Ein Mann seines Wortes von Wim Wenders

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Wim Wenders Papst-Doku ist eine persönliche Reise des Regisseurs mit Papst Franziskus und nicht so sehr ein Film über das Oberhaupt der katholischen Kirche.

Wim Wenders Papst-Doku ist eine persönliche Reise des Regisseurs mit Papst Franziskus und nicht so sehr ein Film über das Oberhaupt der katholischen Kirche.

Im Zentrum des Films stehen die Gedanken und Gefühle des Papstes sowie Themen, die ihm am Herzen liegen.

Papst Franziskus teilt seine Vision einer Kirche, die von tiefer Sorge um die Armen geprägt ist. Er spricht über Umweltfragen, soziale Gerechtigkeit und sein Engagement für den Frieden.

Papst Franziskus steht darüber hinaus für Reformbestrebungen innerhalb der katholischen Kirche.

Der Papst stellt seine Vision einer Kirche dar, die von tiefer Sorge um die Armen geprägt ist.

Das visuelle Konzept des Films will den Zuschauer von Angesicht zu Angesicht mit dem Papst bringen.

Für Regisseur Wim Wenders öffnete der Vatikan nicht nur seine Archive, sondern gewährte ihm auch die Verwendung von exklusivem Bildmaterial.

Ignoranz aller potentiellen Abgründe

Würde man auf die Katholische Kirche, ihre Lehre und die Praxis des Katholizismus zu sprechen kommen, müsste das reine Bild notwendig trüber werden und solche Trübungen wären auch verdient. Wenders aber ignoriert alle potentiellen Abgründe beflissen, freut sich, dass der Papst die aus seiner, Wenders, Sicht zentralen Probleme des Katholizismus angeht: Umwelt, Hunger, Armut, Homosexualität, und so weiter.

Schlichte Wahrheiten

"Jede Familie hat Probleme, man löst sie durch Liebe." Es sind einfache Wahrheiten, die der Papst verkündet, das macht sie nicht falsch. Der Film hakt die wichtigsten Momente des bisherigen Pontifikats von Franziskus ab. Dabei zeigt er viel.

Der Film lässt das Oberhaupt der katholischen Kirche mit dem Zuschauer von Angesicht zu Angesicht sein.

Das visuelle Konzept des Films will den Zuschauer von Angesicht zu Angesicht mit dem Papst bringen.

Ihm entgeht aber auch vieles: Den größten Moment des Films verpasst der Filmemacher: "Que soy yo por judarlo?" - "Wer bin ich das zu beurteilen?" sagte der Papst zur Frage der Homosexualität. Und Wenders fällt nichts ein zu der Absurdität, dass hier einer der zum Urteilen berufen wurde, auf das Urteilen verzichtet, und dass der Papst redet wie ein Pontius Pilatus.

Kritikloses Porträt eines Humanisten

Vier Exklusiv-Interviews hat Wenders mit dem Papst geführt: Der Papst spricht frontal in die Kamera, wie sonst nur Richard III bei Shakespeare.

Unterschiede machen den Menschen Angst: Wieder weise Worte, die progressiv sind, die durchaus manche bestreiten würden, die aber folgenlos bleiben, wenn der Papst sie sagt.

Wenders zeigt den Menschen Franziskus glaubhaft überzeugend als Humanist. Aber auch kritiklos. Er verklärt den Namenspatron Franziskus, indem er dessen Geschichte in sehr schönen, im Stummfilmstil inszenierten Szenen nacherzählt.

Der Dokumentarfilm handelt von einer persönlichen Reise mit Papst Franziskus.

Wim Wenders Papst-Doku ist eine persönliche Reise des Regisseurs mit Papst Franziskus und nicht so sehr ein Film über ihn.

Rührende Momente aus brasilianischen Slums

Der Papst ist mit Euch: In einer Rede vor Hunderttausenden Armen aus den brasilianischen Slums. Das ist es, was man von einem Papst heute erwartet. Und so hat dieser Film immer wieder rührende Momente.

Wohlfühldoku mit Überlänge

Fazit: Wim Wenders hat einen Film gemacht, den man gut ansehen kann, eine schöne Wohlfühldoku über den aktuellen Papst. Man versteht, dass ihm manche den Vorwurf machen, dies sei ein Propagandafilm für den Papst und sein Anliegen. Der Film ist auch ein bisschen lang, ein bisschen redundant. Aber der Hauptdarsteller reißt es immer wieder raus. Einfach mal zuhören...

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