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Ausstellung Wie ein Wimmelbild – Konzeptkünstler John Armleder in Frankfurt

Von Sina Weinhold

Er ist einer der wichtigsten Konzept-, Performance- und Objektkünstler der Gegenwart. Jetzt präsentiert die Frankfurter Kunsthalle Schirn John Armleders raumfüllende Installationen – eine Ausstellung wie ein Wimmelbild, voller bunter und kurioser Objekte und Geschichten. In SWR2 erklärt John Armleder, warum das Zufällige ein fester Bestandteil seines Schaffens ist.

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Bilder

Werke von John Armleder in der Frankfurter Kunsthalle Schirn

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So schillernd wurden die Besucher der Frankfurter Schirn wohl noch nie begrüßt. Aufdringlich glitzern die Discokugeln in den extra mit Spiegelfolie verkleideten Fenstern des Rundbaus. Eine Installation irgendwo zwischen überdimensionaler Tanzfläche und versilbertem Universum

So schillernd wurden die Besucher der Frankfurter Schirn wohl noch nie begrüßt. Aufdringlich glitzern die Discokugeln in den extra mit Spiegelfolie verkleideten Fenstern des Rundbaus. Eine Installation irgendwo zwischen überdimensionaler Tanzfläche und versilbertem Universum

Im Haus geht der Spaß weiter. An den Wänden Tapeten mit Totenköpfen, dazu eine auf den Kopf gestellte Kinderrutschbahn, Möbelskulpturen, ein schwarz-weiß bemaltes Klavier steht mitten im Raum.

Auf dem Boden liegt ein zerknautschter Flokatiteppich und vor dem riesigen Panoramafenster steht ein Stahlrohrgerüst, dekoriert mit künstlichen und natürlichen Topfpflanzen. Kurios, ja. Effektheischend, ja. Oberflächig, vielleicht.

John Armleder behandelt solche Überlegungen mit einer großen Leichtigkeit. „Es sind die Menschen, die die Dinge betrachten und dann etwas daraus machen. Ich weiß nicht was und werde es auch nicht erfahren“, sagt der Künstler in SWR2

Der Künstler John Armleder 2015.

John Armleder scheint keine konkreten Erwartungen an seine Kunst zu haben. Die Zufälligkeit im Ergebnis ist prägender Bestandteil seiner Werke und kennzeichnend auch für seine wandfüllenden Pour Paintings: Farbstreifen aus geschütteter Farbe.

Armleder: „Ich entscheide mich für den Untergrund und für das Format. Dann gehe ich los und kaufe Farben. Ich mische immer die Farben zusammen, von denen mir abgeraten wird, wegen der unvorhersehbaren, chemischen Reaktion.“

John Armleder, „Divino“, 2019.

John Armleder hat 1967 als Fluxuskünstler begonnen. Zusammen mit Freunden gründete er die Gruppe „Ecart“. Das Spannungsfeld zwischen Bedeutung und Spaß, Schrott und Hochkultur zeichnet sein Werk aus.

John Armleder zitiert Kollegen, recycelt ihre Ideen. „Ich mische quasi alles zusammen“, sagt er. Beobachter der modernen Kunstgeschichte werden das Totenkopfmotiv und die Punktebilder auch dem britischen Konzeptkünstler Damien Hirst zuordnen.

Im Haufen bunter Neonröhren kann man einen Verweis auf die Arbeiten des amerikanischen Lichtkünstlers Dann Flavin erkennen.

John Armleders Frankfurter Ausstellung funktioniert auf verschiedenen Ebenen. Es ist wie in einem dieser großen Bilderbücher: Überall wimmelt es von Geschichten, die am Ende das große Ganze ausmachen.

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