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25 Jahre Stuttgarter Hip-Hop im Stadtmuseum Massive Töne im Palais der Kolchose

Am 24.11.2017 von Lena Sterr

Stuttgart war die Hauptstadt des Hip-Hop in den 90er Jahren - dank der Kolchose, einem losen Zusammenschluss von Musikern wie Max Herre, seiner Band Freundeskreis, den Massiven Tönen, Afrob sowie Sprayern und Breakdancern, die damals ihren eigenen Stil fanden. Vor 25 Jahren gründete sich die "Kolchose". Das neue Stadtmuseum Stuttgart widmet ihr aus diesem Grund eine kleine Ausstellung. Zur Zwischennutzung, vor der eigentlichen Eröffnung im Frühjahr, zieht das Palais der Kolchose für kurze Zeit in die neuen Räumlichkeiten.

"Eine alte Autogrammkarte! Mal sehen, wie schlimm wir aussehen im Vergleich... Weniger Falten, weniger Bart… Darf ich das anfassen?"

Die eigene Vergangenheit festgeschraubt als Ausstellungsstück im Museum. Daran muss sich Jean-Christoph Ritter - besser bekannt als Schowi von den Massiven Tönen - erst noch gewöhnen. Zum ersten Mal sieht er „Das Palais der Kolchose“ wie es die Macher des neuen Stadtmuseums Stuttgart genannt haben.

Einfach irre, Vertrautes als Exponat zu sehen

"Ich finde es irre, hier Exponate zu sehen, die mir total vertraut sind - auch wenn ich sie lange nicht gesehen habe -, die sich für mich auch noch fresh anfühlen und zu denen ich eine Beziehung habe. Wenn ich dann aber lese, das ist von vor 20 oder 25 Jahren, dann ist es - komisch, mindestens komisch."

Das "K" der Kolchose als Kubus

Ausgangspunkt und Herzstück der Ausstellung ist der riesige schwarze Kubus in Form eines "K". Das Logo der Kolchose, auf dem der Text des Titels Mutterstadt abgedruckt ist. Mutterstadt: eine Liebeserklärung an Stuttgart, die Heimat des HipHop Kollektivs.

Die vielen Anspielungen und Querverweise aus dem Text sind mit Nummern versehen. Die Exponate dazu finden sich in einzelnen Fensternischen. Bandmaschinen, Sprühdosen, Plattenkisten. Das wirkt auf den ersten Blick nicht spektakulär, aber wer die Geschichte dahinter kennt, wird die Bedeutung begreifen.

Ein unglaubliches Homecoming

"Das Poster Kolchose Abschluss-Konzert in Stuttgart 1997. Das war einfach ein unglaubliches Homecoming, wie ich es seitdem, glaube ich, nicht mehr erlebt habe. Das war einfach eine der krassesten Shows mit der Clique."

Damals war die Stuttgarter Kolchose auf ihrem Höhepunkt angekommen. Die Nachfrage nach Konzertkarten hatte alle Erwartungen übertroffen.

Jean-Christoph Ritter, "Schowi", von den Massiven Tönen und Crew

Massive-Töne-Rapper Jean-Christoph „Schowi“ Ritter, Kulturbürgermeister Fabian Mayer, Stephan Stoffel von 0711-Entertainment, Museumschef Torben Giese, Massive-Töne-Gründungsmitglied Wasilios „Wasi“ Ntuanoglu, Freundeskreis-DJ Martin „Friction“ Welzer und Daniel Fritz, Entwickler des Kolchose-Logos.

Max Herre, Massive Töne und Afrob

Fünf Jahre zuvor, 1992, hatte sich das Kollektiv gegründet. Rund um den harten Kern Max Herre und seine Band Freundeskreis, die Massiven Töne und Afrob versammelten sich schnell befreundete Musiker, Sprayer und Breakdancer, die sich gegenseitig kreativ beflügelten und Stuttgart zur deutschen HipHop-Hauptstadt machten.

Angetrieben von den Vorurteilen gegenüber der angeblich so provinziellen Schwabenmetropole. Wer sich von der Ausstellung im Wilhelmspalais einen Blick in die alten Fotoalben der Kolchosemitglieder erhofft, wird enttäuscht. Bilder gibt es tatsächlich nur sehr wenige. Der Trip in Vergangenheit wird im wesentlichen über Objekte erzeugt. Protokolle der Kolchose-Mitgliederversammlung oder Textbücher der Massiven Töne.

Scratchen mit DJ Friction von Freundeskreis

Und natürlich über die Musik. Im ersten Stock steht ein DJ-Pult. Selbst an Reglern und Scratchplatten drehen ist dabei ausdrücklich gewünscht. DJ Friction von Freundeskreis leitet die Ausstellungsbesucher dabei im Video-Tutorial an.

Das sinnlich erfahrbare Erlebnis war Museumsdirektor Torben Giese sehr wichtig. Und so können sich die Besucher nicht nur in DJs sondern auch in Sprayer verwandeln. Ganz legal und sauber - mit Hilfe einer virtuellen 3D-Brille.

Auch ein Haus für junge Leute

"Wir wollten ein Zeichen setzen, dass wir für junge Menschen auch ein Haus sind. Wir haben einfach Lust auf dieses Thema und Lust, es zu musealisieren. Wir machen das nicht, um uns anzubiedern, sondern wir glauben fest daran dass das ein großartiger Weg ist."

Einen schönen Nebeneffekt hat die Ausstellung „25 Jahre Kolchose“ im Stuttgarter Stadtmuseum. Die Mitglieder, die sich inzwischen in alle Winde verstreut haben, kommen für das Rahmenprogramm wieder in der alten Heimat zusammen, freut sich Schowi:

"Die Zeit, in der wir sehr viel miteinander gemacht haben, war so prägend - es klickt sofort, wenn wir uns nach einigen Jahren wieder sehen." Dass sie auch nach 25 Jahren alles andere als museumsreif sind, beweisen Schowi und Co mit Abendlichen Kolchosepartys im Wilhelmspalais. "Feiern konnten wir immer und werden wir immer können. We’ll never stop living this way."

Die Partys kosten Eintritt. Ansonsten sind Ausstellung und Besuch der Podiumsdiskussionen mit Mitgliedern der Kolchose kostenlos. Das "Palais der Kolchose" ist vom 23.11. – 10.12. täglich von 14 -21 Uhr geöffnet im Stadtmuseum Stuttgart im Wilhelmspalais.

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