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Filmkritik „High Life“ - Weltraumreise ohne Wiederkehr

Von Rüdiger Suchsland

Die französische Regisseurin Claire Denis ist bekannt für die Liebe zu einem Kino, das nicht glatt ist. Ihr neuer Film „High Life“ erzählt die Geschichte eines Raumschiffs auf einer Fahrt ohne Wiederkehr. An Bord Schwerverbrecher und eine experimentierfreudige Ärztin.

Science-Fiction der anderen Art

Die Filme von Claire Denis entsprechen nicht dem, was wir vom französischen Kino erwarten. Sie sind körperlich und klug, visuell und nicht wortreich. Ihr Science-Fiction „High Life“ ist von Anfang an überraschend.

2:10 min

Kinotrailer High Life

Auf den Spuren von Stanley Kubrick und Andreij Tarkowski

Auf den Spuren der Filme „2001 - Odyssee im Weltraum“ von Stanley Kubrick und „Solaris“ von Andreij Tarkowski, aber doch ganz anders als diese, begleitet man ein Raumschiff auf einer jahrzehntelangen Reise. Und offensichtlich hat Denis ihr Sujet ganz ernst genommen.

Reise ohne Wiederkehr in einem Raumschiff voller Schwerverbrecher

Das wichtigste Merkmal: Es ist eine Reise ohne Wiederkehr. Und weil das so ist, sind die meisten, die hier an Bord sind, nicht freiwillig eingestiegen.

Es ist ein Sträflingsschiff, mit einer Crew aus verurteilten Schwerverbrechern, die sich mit dieser Mission ohne Rückkehr von ihren Strafen freikauften und an Bord überdies wissenschaftlichen Experimenten ausgesetzt wurden.

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Kinostart 30.05

High Life von Claire Denis

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In den Tiefen des Weltalls, jenseits unseres Sonnensystems: Monte (Robert Pattinson) lebt mit seiner Tochter Willow (Scarlett Lindsey) einsam und isoliert an Bord eines Raumschiffes.

In den Tiefen des Weltalls, jenseits unseres Sonnensystems: Monte (Robert Pattinson) lebt mit seiner Tochter Willow (Scarlett Lindsey) einsam und isoliert an Bord eines Raumschiffes.

Monte ist Teil einer experimentellen Mission ohne Rückkehr: Zum Tode verurteilte Straftäter bekommen vom Staat ihre Strafe erlassen, wenn sie sich dazu bereit erklären, im All nach lebenswichtigen Energieressourcen zu suchen.

Doch Monte und Willow sind die einzigen Überlebenden dieses Projektes. Reparaturarbeiten und Statusreports an die Erde sind alles, was ihren Tag ausmacht.

In Rückblenden erfährt man, dass es einst noch etliche andere Verbrecher gab, die sich auf diese Mission wagten. Doch alle kamen bei wahnsinnigen Experimenten ums Leben, so auch Tcherny (André Benjamin).

Verantwortlich für die Experimente ist die Reproduktionswissenschaftlerin Dibs (Juliette Binoche).

Auch Monte war der Forscherin und ihren fragwürdigen Methoden hoffnungslos ausgeliefert.

Obwohl er und seine Tochter überlebten, ist ihr Schicksal längst besiegelt: sie steuern unausweichlich auf ein schwarzes Loch zu, dem Ende von Zeit und Raum.

Regisseurin Claire Denis macht mit "High Life" ihren ersten englischsprachigen Film, der in Deutschland gedreht wurde: "Es ist besser, in einem kleinen Studio zu sein, wenn man einen intimen Film drehen möchte. Unser Studio befand sich in einem Gewerbegebiet außerhalb Kölns."

Diffuse, fast depressive Stimmung

Ein bisschen anstrengend fängt alles an, denn es herrscht eine diffuse, fast depressive Stimmung. Das Raumschiff ist groß und wirkt dadurch relativ menschenleer.

Zunächst lernen wir nur zwei Bewohner kennen, die zwei die über den ganzen Film im Mittelpunkt stehen.

Robert Pattinson als Monte in High Life von Claire Denis.

Von der Crew hat nur Monte (Robert Pattinson) überlebt. Aber da gibt es noch seine Tochter Willow.

Letzte Überlebende der Crew

Ein Kleinkind, das über die Jahre der Reise zu einem jungen Mädchen namens Willow heranwachsen wird, und seinen Vater Monte, der von Robert Pattinson gespielt wird und offenbar der Pilot ist.

Es stellt sich auch schnell heraus, dass sie die einzigen Überlebenden der Crew sind. Was ist geschehen? Und so erleben wir im Rückblick die ersten Jahre der Reise.

Juliette Binoche in ihrer abgründigsten Rolle

Juliette Binoche spielt die Kommandeurin des Schiffs, eine eiskalte Ärztin und Wissenschaftlerin, die an Bord Experimente macht und im Weltraum ein Kind zeugen will.

Dieses Leben im All hat viele bizarre Facetten. In so einer abgründigen Rolle hat man Juliette Binoche wohl noch nie gesehen. Irgendwann gibt es Mord und Totschlag an Bord.

Oscar-Preisträgerin Juliette Binoche als Dibs in "High Life".

Die Reproduktionswissenschaftlerin Dibs (Juliette Binoche)

Spektakuläre Filmbilder von Olafur Eliasson

Nach vielen Jahren Odyssee im einsamen All mündet alles in eine spektakuläre Reise durch ein Schwarzes Loch, zu dessen Darstellung der isländische Kult-Künstler Olafur Eliasson die Bilder beisteuerte. Doch Vater und Tochter überleben alles.

Begegnung im leeren Weltraum

Einmal treffen sie ein anderes Raumschiff, und es gelingt der Regisseurin in uns Zuschauern den Sinn für das Großartige, Sensationelle, aber auch Hochgefährliche dieser Situation zu wecken. Soll man ein unbekanntes Raumschiff mitten im leeren Weltraum freundlich begrüßen? Das ist nach 20 Jahren Einsamkeit natürlich eine Frage.

Einfallsreicher, phantasievoller und origineller Film

Und was für eine Lösung findet die Regisseurin dann? Im anderen Raumschiff sind nur Hunde. So sehr sich Töchterchen Willow wünscht, einen Spielgefährten zu behalten – wer weiß, was so ein Weltraumhund für Krankheiten hat.

Regisseurin Claire Denis macht mit "High Life" ihren ersten englischsprachigen Film, der in Deutschland gedreht wurde: "Es ist besser, in einem kleinen Studio zu sein, wenn man einen intimen Film dreh

Regisseurin Claire Denis drehte mit "High Life" ihren ersten englischsprachigen Film in Deutschland.

Großartige Optik und exzellente Musik

„High Life“ ist ein überaus einfallsreicher, phantasievoller und origineller Film, der durch seine großartige Optik ebenso besticht, wie durch die – wie bei Claire Denis gewohnt – exzellente Musik der Band „Tindersticks“. 

Dies ist ein ganz ruhiger, verträumter Film der unerwarteten Bilder und der großen Poesie. Wenn ganz selten mal die Träumerei überhand nimmt, dann zieht die Regisseurin die Zügel an.

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