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Hermann Hesses Roman am Nationaltheater Mannheim Klamauk mit Steppenwolf

Von Marie-Dominique Wetzel

Hermann Hesses Roman „Der Steppenwolf“ ist in Baden-Württemberg „Sternchenthema“ in den Abiturprüfungen und steht oft auf den Spielplänen südwestdeutscher Bühnen. Dominik Günther macht allerdings aus der Bühnenfassung im Nationaltheater Mannheim streckenweise eher eine Nummernrevue mit viel Klamauk.

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Bilder der Inszenierung "Der Steppenwolf" am Nationaltheater Mannheim

Eine Runde Auslachen und Weiterleben

Den Alltag kennt Harry Haller (in der Hauptrolle: Boris Koneczny) schon lange nicht mehr. Er ist in eine Stadt zurückgekehrt, in der er früher schon einmal lebte. Eine Rückkehr aus Verzweiflung. Seine Frau hat ihn verlassen und mit dem Schreiben klappt es auch nicht mehr. Harry hat den Entschluss gefasst: spätestens in drei Jahren, wenn er 50 ist, wird Schluss sein. Doch schnell wird klar: so einfach ist das nicht. Harry gräbt sich immer tiefer in die Isolation, aber er ist nicht ganz alleine, er hat Freunde, naja besser gesagt Begleiter.

Es könnten in der Mannheimer Inszenierung von Dominik Günther aber auch Harry Hallers eigene, innere Stimmen sein, die da zu ihm sprechen – Hirngespinste.
 
Denn mitten auf der kleinen Studio-Bühne des Nationaltheaters Mannheim steht ein riesiges Gehirn. Und auf dem Gehirn wird getanzt, geliebt, gelitten und gestritten. Aus seinen Windungen kriechen die Schauspieler in fleischfarbenen Anzügen rein und raus, als gehörten sie zur Gehirnmasse, wären nur Gedanken und Einfälle. Und immer wieder zucken Gewitter über die Oberfläche des Gehirns - wie Nervenkrisen.

Auf dem Bild: Samuel Koch, László Branko Breiding, Boris Koneczny und Patrick Schnicke.

Harry Haller fühlt sich einer Generation zugehörig, die zwischen die Zeiten geraten ist. Doch solche ernsthaften Sätze sind selten an diesem Theaterabend. Meist kommt Harry Haller (Boris Koneczny) eher als lächerlicher Schlappschwanz daher, der im Selbstmitleid versinkt. Seine Freunde – oder inneren Stimmen – sind schonungslos mit ihm. Halten ihm seine Mittelmäßigkeit vor Augen. Einziger Ausweg ihrer Meinung nach: Humor, Lebensfreude und Liebe!

So lernt Haller Hermine kennen. Ein androgynes Wesen (Samuel Koch, in der Mitte), das seine Selbstmordgedanken teilt, aber bis dahin noch Spaß haben möchte. Sie stellt Harry auch Marie vor, mit der er erstmal tanzen lernen soll. Und wie Harry Haller alias Boris Koneczny (rechts) dann mit Marie alias Samuel Koch, der ja im Rollstuhl sitzt, erst zögerlich dann immer leidenschaftlicher über die Bühne fliegt, ist einer der stärksten Momente des Abends.

Außerdem auf dem Bild: László Branko Breiding und Patrick Schnicke

Harry Haller beginnt das Leben wieder zu mögen. Er probiert so einiges aus, Sex and drugs and rock’n‘ Roll. Doch am Ende tötet er Hermine. Das Urteil: eine Runde Auslachen und Weiterleben.
 
Der Regisseur Dominik Günther hat aus dem Steppenwolf eine „anarchistische Abendunterhaltung“ gemacht - wie es im Text einmal heißt. Doch streckenweise erinnert sie eher an eine Nummernrevue, mit viel Klamauk und Songs. Hesses Lebenskrise, der Stoff des Romans, wird größtenteils übertüncht. Es ist vor allem die Spielfreude und Verwandlungskunst der vier Schauspieler, die den Abend trägt.

3:48 min | Do, 24.1.2019 | 12:33 Uhr | SWR2 Journal am Mittag | SWR2

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Hermann Hesses Roman am Nationaltheater Mannheim

Klamauk mit Steppenwolf

Marie-Dominique Wetzel

Dominik Günther macht aus der Bühnenfassung von Hermann Hesses Roman „Der Steppenwolf“ am Nationaltheater Mannheim streckenweise eine Nummernrevue mit viel Klamauk.


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