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Mannheimer Kunstpreis Heinrich-Vetter-Preis an Ana Laibach und Amadeus Certa

Von Marie-Dominique Wetzel

Die Künstlerin Ana Laibach führt ein gezeichnetes "Radio-Tagebuch" und der junge Maler Amadeus Certa bittet gerne Freunde, ihm Portrait zu sitzen. Beide wurden jetzt mit dem "Mannheimer Kunstpreis" ausgezeichnet. Die Stadt Mannheim vergibt ihn alle zwei Jahre, gestiftet von der Heinrich-Vetter-Stiftung, an Künstler, die mit der Region verbunden sind. Neben einem Preisgeld von 15.000 Euro, das sich die beiden Künstler teilen, beinhaltet die Auszeichnung eine Ausstellung im "Port 25" dem Raum für Gegenwartskunst im Mannheimer Hafenareal.

Gemeinsam eine Ausstellung zu konzipieren ist keine leichte Aufgabe. Aber Ana Laibach, die den Hauptpreis bekommen hat und Amadeus Certa, der Förderpreisträger, kamen schnell in einen fruchtbaren Dialog.

Für den jungen Maler Amadeus Certa, geboren in Mannheim, Meisterschüler von Siegfried Anzinger an der Kunstakademie Düsseldorf, sind Ausstellungen eine ganz wichtige Gelegenheit, sein Werk neu zu befragen und zu sehen – gerade im Zusammenspiel mit einer anderen künstlerischen Position: "Bezüge kann man aufzeigen oder verschleiern und eben Bilder auch gegenseitig stärken und dadurch auch was Neues entstehen kann".

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Mannheimer Kunstpreis

Heinrich-Vetter-Preis an Ana Laibach und Amadeus Certa

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Ana Laibach: Wasser knapp

Ana Laibach: Wasser knapp

Ana Laibach: Warten auf Publikum

Ana Laibach: Kesselwagen

Ana Laibach: Diese Blume ist keine Blume

Ana Laibach bei der Arbeit an Nackt

Amadeus Certa: Porträt M. Loh

Amadeus Certa: Tryptichon

Amadeus Certa: Fine

Zwei Künstler in einer Ausstellung

Und so hängen jetzt in der Preisträgerausstellung im Mannheimer "Port25" zwei ganz unterschiedliche Portraits nebeneinander. Das eine, von Ana Laibach, kleinformatig, zeigt das Brustbild eines Wesens mit menschlichem, schiefen Gesicht und zwei langen schlapp herunterhängenden Hasenohren.

Daneben ein großformatiges Portrait eines jungen Mannes, der mit herunterhängenden Schultern auf einem Stuhl sitzt und vor sich auf den Boden starrt. "Sie haben beide fast die gleiche Hemdfarbe", stellt Amadeus Certa belustigt fest. Er malt häufig Portraits, meist von Freunden. Aber nicht etwa, weil er deren Charakter auf die Leinwand bannen möchte, sondern weil er sie leichter darum bitten kann, für ihn Modell zu sitzen.

"Mir ist nicht das Portrait als solches wichtig, mir ist einfach das Bild wichtig. Die Verspannungen in dem Bild: die Farbe, die Form. Da ist das Portrait dann nichts Anderes als eine Landschaft, finde ich".

Kriege und Konflikte beschäftigen Ana Laibach

Ana Laibachs Arbeiten, ihre Gemälde, Zeichnungen, Drucke und Keramiken arbeiten sich dagegen am Alltag ab, wirken oft wie Kommentare oder Parodien – der Absurdität des Alltags abgetrotzt. Besonders die Gewalt all der Kriege und Konflikte auf der Welt beschäftigt die Künstlerin, die unter anderem an der Kunstakademie Karlsruhe bei Max Kaminski studiert hat und inzwischen selbst an der Uni Landau-Koblenz lehrt.

Einen ganzen Raum im Port 25 hat sie als "Radiozimmer" gestaltet. An den Wänden dutzende von Bleistiftzeichnungen. Mal sind nur kurze eigene Kommentare oder Zitate aus Nachrichtensendungen auf den weißen DIN A4-Blättern zu lesen, vor allem aber tauchen immer wieder kleine Stofftiere und Puppen auf.

So sitzen ein Stoffhase und ein kleiner Schneemann einträchtig unter einer welken Topfpflanze und drüber steht: Tata! Nach 171 Tagen hat sich die Regierung gefunden. "Das sind meine Radiotagebücher", erklärt Ana Laibach, "die morgens dann gezeichnet werden während ich meinen Kaffee trinke und SWR2 höre (lacht) und dazu die Kommentierungen der Nachrichten und der Features aufgreife. Dadurch kommt natürlich auch die knallharte Realität von Kriegen bei mir ins Private hinein".

Diese Ausstellung macht neugierig auf mehr

Die kleinen Stofftiere und Figuren inszeniert Ana Laibach dabei wie Stellvertreter. Oft packt sie so eine Wut und Enttäuschung über das Geschehen in der Welt, die sie nicht in Worte fassen, aber eben in diesen Zeichnungen verarbeiten kann. Meist nicht ohne einen ironischen Hinweis.

Mit dem Mannheimer Kunstpreis wurden mit Ana Laibach und Amadeus Certa zwei sehr eigenständige Künstlerpersönlichkeiten ausgezeichnet und die Zusammenstellung ihrer so unterschiedlichen Werke im "Port25" macht neugierig auf mehr von ihnen.

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