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Meryl Streep als Florence Foster Jenkins Die schlechteste Opernsängerin aller Zeiten

Heimkino am 22.6.2017 von Mareike Gries

Sie war ein Phänomen. Anders lässt sich Florence Foster Jenkins nicht beschreiben. 1868 als Tochter gut betuchter Eltern in den USA geboren, avancierte sie zum Wunderkind am Klavier, durfte sogar für den Präsidenten spielen. Ihre Leidenschaft aber galt dem Gesang und das, obwohl sie einfach nicht singen konnte. Sie traf die Töne nicht, konnte keinen Rhythmus halten. Sie selbst aber war überzeugt von ihren Fähigkeiten, nahm Schallplatten auf, gab Konzerte, sogar in der berühmten Carnegie Hall in New York. Kaum zu fassen aber wahr: das Publikum war begeistert. Im vergangenen Jahr hat der britische Spielfilm „Florence Foster Jenkins“ diese kuriose Lebensgeschichte neu entdeckt. Jetzt ist der Film für das Heimkino erschienen.

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Es lässt sich einfach nicht schönreden: Florence Foster Jenkins ist eine grottenschlechte Sängerin. Vereinzelte Zuschauer können sich ein Lachen nicht verkneifen. Der Großteil aber sitzt aufmerksam auf den Plätzen. Schließlich ist die Frau mit den exotischen Kostümen und dem schrillen Sopran eine großzügige Gönnerin der New Yorker Musikszene. Noch dazu ist sie ein netter Mensch. Vor allem ihr Ehemann kann ihr deshalb keinen Wunsch abschlagen.

Filmszene: „Hast Du Carlo Edwards gesehen, von der MET?“ „Nein.“ „Nein? Er saß rechts neben uns. Er unterrichtet wieder, heißt es.“ „Was Du nicht sagst, Bunny.“ „Ich würde gern noch ein paar Stunden bei ihm nehmen.“ „Dann rufe ich ihn morgen früh gleich an.“ „Ich benötige einen Pianisten.“ „Natürlich.“ „Jemand junges. Jemand mit Leidenschaft.“

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Florence Foster Jenkins von Stephen Frears

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Der Film erzählt die wahre Geschichte von Florence Foster Jenkins (Meryl Streep), ein Stern am Himmel der New Yorker High Society der 40er-Jahre.

Der Film erzählt die wahre Geschichte von Florence Foster Jenkins (Meryl Streep), ein Stern am Himmel der New Yorker High Society der 40er-Jahre.

Florence, eine großzügige Mäzenin der klassischen Musik und Gründerin des exquisiten Verdi Clubs, und ihr englischer Ehemann und Manager, St. Clair Bayfield (Hugh Grant), präsentieren der New Yorker Elite legendäre tableaux vivants, bei denen Madame Florence natürlich selbst eine zentrale Rolle spielt.

Ein Konzert der berühmten Sopranistin Lily Pons in der Carnegie Hall inspiriert Florence dazu, selbst wieder zu singen. Sie entschließt sich, Gesangsunterricht zu nehmen, was der ihr stets loyal ergebene Bayfield unterstützt.

Cosmé McMoon (Simon Helberg), ein junger, erfolgloser Pianist, wird ihr Klavierbegleiter, sein absoluter Traumjob.

Schnell merkt er jedoch, dass Madame Florence kaum einen Ton halten kann, obwohl sie sich selbst als musikalisches Ausnahmetalent sieht.

Noch verwirrender für McMoon ist jedoch die ungewöhnliche Beziehung, die Florence und Bayfield führen.

Bayfield ist Florences Gatte, lebt aber mit seiner Freundin Kathleen (Rebecca Ferguson) zusammen.

Florence möchte ein privates Konzert geben und Bayfield sorgt, wie schon so oft, dafür, dass das Publikum ausnahmslos aus wahren „Musikliebhabern“ besteht: Freunden von Florence, die von der Freude und dem Glanz, die sie bei ihren Darbietungen versprüht, ganz hingerissen sind.

Das Konzert ist ein voller Erfolg.

Als Florence allerdings ihren Traum von einem Konzert in der Carnegie Hall verwirklichen möchte und tausend Eintrittskarten an Kriegsveteranen verschenkt, stehen Bayfield und McMoon vor einem großen Problem.

Können sie die glückliche, eigens für Florence geschaffene Welt voller Güte und Liebe, in der alle Träume wahr werden, aufrecht erhalten, ohne das Publikum selbst auszuwählen?

"Die Leute sagen vielleicht, ich konnte nicht singen, aber niemand kann sagen, ich hätte nicht gesungen." Florence Foster Jenkins

Der herrliche Kontrast zwischen dem Glauben von Florence Foster Jenkins an sich selbst und ihr erstaunliches Versagen als Sängerin zog Drehbuchautor Nicholas Martin sofort in seinen Bann: "Ich hörte ein Lied von ihr auf YouTube und war von der Ernsthaftigkeit ihrer Stimme beeindruckt. Ich fand sie sehr bewegend, sehr komisch und sehr traurig. Dann hörte ich mir das Lied noch einmal an und wollte mehr über ihr Leben erfahren." Drehbuchautor Nicholas Martin (im Bild)

"Während des schrecklichen Krieges gab es in New York viele Leute, die in der Kultur Ablenkung suchten, und ihr gelang es mit ihren selbst organisierten Abenden, die Stimmung der Menschen aufzuhellen." Regisseur Stephen Frears (im Bild)

Schließlich entscheidet sich Florence Foster Jenkins für den jungen Pianisten Cosmé McMoon. Der zurückhaltende, schmächtige Mann kann sein Glück kaum fassen, als er erfährt, dass er seine Auftraggeberin für ein fürstliches Gehalt nur ein bis zwei Stunden täglich am Klavier begleiten soll. Seine Begeisterung verfliegt allerdings schlagartig, als er sie das erste Mal singen hört. Gesangslehrer Edwards von der Metropolitan Opera hingegen scheint allen schiefen Tönen zum Trotz gar nicht irritiert.
Filmszene: „Heben Sie das Gaumensegel. Nutzen Sie die Luft. Auf dem Atem. Mehr Vordersitz! Gut!“

Die kuriose Sängerin avanciert zu einem Publikumsliebling

Nach der ersten gemeinsamen Stunde versteht Pianist Cosmé McMoon die Welt nicht mehr. Sängerin und Gesangslehrer bleiben aber ungebrochen optimistisch.
Filmszene: "„Da wartet Arbeit auf uns. Aber Sie haben nie besser geklungen.“ „Maestro, es ist wohl wahr, dass viele Sängerinnen sich im Alter verschlechtern. Aber ich werde anscheinend besser und besser.“ „Allerdings! Kaum zu glauben.“ „Ich bin nun mal gesegnet.“"

Vor allem gesegnet mit einem unerschütterlichen Selbstbewusstsein. Deshalb lässt Florence ihre Stimme kurzerhand auf Schallplatte pressen. In den Radiostationen avanciert die kuriose Sängerin schnell zu einem Publikumsliebling. Und als sie für ein Konzert die Carnegie Hall anmietet, ist diese in Windeseile ausverkauft. Doch da bekommt ihr Ehemann es mit der Angst zu tun. Wenn er ehrlich ist, weiß er durchaus, dass seine Frau nicht singen kann. Und er will sie vor Spöttern und negativer Kritik beschützen. Denn Florence ist schwer krank.

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2:15 min

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Kinotrailer - Florence Foster Jenkins

Stephen Frears

Filmszene: „Das ist mir der liebste Ort auf der ganzen Welt. Und ich werde hier singen. Ich habe den Saal gemietet und ich werde 1000 Karten verschenken an die Soldaten, weil wir unsere Jungs unterstützen müssen.“ „Nun. Ich bewundere Deinen Mut. Niemand würde Dich hier lieber Triumphe feiern sehen als ich. Aber der Raum ist so unglaublich groß. Das ist unter Umständen zu viel für Dich.“

Hugh Grant als Ehemann und Meryl Streep als Florence Foster Jenkins. Bei dieser Besetzung konnte kaum etwas schiefgehen. Zudem ist diese wahre Geschichte so unglaublich, dass sie einfach nach einer Verfilmung schreit.

Eine herrlich leichte, aber niemals seichte Tragikomödie

Regisseur Stephen Frears ist es gelungen, das Leben von Florence Foster Jenkins zu erzählen, ohne seine Hauptfigur der Lächerlichkeit preiszugeben. Die Golden-Globe und Oscar-Nominierungen waren da quasi schon vorprogrammiert - und das, obwohl die Filmsprache eher konventionell ist. Aber wenn das Thema stark ist, bedarf es nicht zwingend einer besonderen Ästhetik. Das Ergebnis ist eine herrlich leichte, aber niemals seichte Tragikomödie. „Florence Foster Jenkins“ – die Geschichte einer ungewöhnlichen Frau, liebevoll erzählt und besetzt mit herausragend guten Schauspielern.

DVD-Cover von "Florence Foster Jenkins"

DVD

Titel:
Florence Foster Jenkins
Verlag:
Constantin Film
Produktion:
USA 2015
Regisseur:
Stephen Frears
Schauspieler:
Meryl Streep (Florence Foster Jenkins), Hugh Grant (St. Clair Bayfield), Simon Helberg (Cosmé McCoon), Rebecca Ferguson (Kathleen), Nina Arianda (Agnes Stark) Stanley Townsend (Phineas Stark) u.a.
Drehbuch:
Nicholas Martin
Genre:
Komödie
Länge:
106 Minuten
Altersempfehlung:
ohne Altersbeschränkung
Sprachen:
Deutsch (Dolby Digital 2.0, 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel:
Deutsch
DVD-Format:
Dolby, PAL, Widescreen
Ländercode:
2
Preis:
ab 13,49 Euro
Bestellnummer:
ASIN: B06XNT7749

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