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Neuer Hausautor am Nationaltheater Mannheim Akin E. Şipal

Kultur Regional am 14.3.2017 von Martina Senghas

Hausautor am Nationaltheater Mannheim zu sein ist in der Theaterwelt eine angesehene Sache. Der erste war immerhin Friedrich Schiller. Danach gab es das Amt lange Zeit nicht mehr, aber seitdem es vor 20 Jahren wieder eingeführt wurde, hat das Haus einen guten Riecher bewiesen. Viele der Dramatikerinnen und Dramatiker, die für Mannheim ihre ersten Stücke schrieben, konnten sich gut in der Theaterwelt etablieren – von Albert Ostermaier bis zu Theresia Walser. Wie es beim derzeitigen Hausautor aussieht, muss sich noch erweisen – seine ersten Arbeiten scheinen auf jeden Fall vielversprechend. Akin E. Şipal ist Mitte zwanzig – nach Schiller der jüngsten Hausautor, den Mannheim je hatte.

Akin Sipal – der Name lässt erahnen, dass da einer am Werk ist, dessen Familie mehr als nur ein deutsches Standbein hat. Es gibt auch noch ein türkisches.

"Wir haben eine sehr enge Bindung zur Türkei und haben da auch irgendwie so ein Selbstverständnis, dass wir türkisch und deutsch sind und beides im gleichen Maße." Akin E. Şipal

Und vielleicht ist dieses Selbstverständnis deshalb so ausgewogen, weil diese Familie in hohem Maße in der Sprache und Kultur beider Länder zuhause ist.

"Ja also mein Großvater ist Kamuran Şipal der ist Übersetzer sehr, sehr vieler deutscher Bücher ins Türkische. Also er hat fast alles von Franz Kafka übersetzt, fast alles von Hermann Hesse übersetzt und mein Vater ist Psychologe, aber hat uns als Kinder immer Kunst vielleicht als den größten Wert vermittelt." Akin E. Şipal

So dass es nicht ungewöhnlich wirkt, dass der in Essen geborene und aufgewachsene Akin Şipal nach dem Abitur an der Hamburger Hochschule für bildende Künste gelandet ist. Für sein junges Alter hat er schon enorm viel und vor allem schon enorm vielfältige Sachen produziert. Er hat Drehbücher geschrieben, sich als Film-Regisseur und Film-Schauspieler betätigt und nebenbei drei Theaterstücke verfasst. Alle sind bereits uraufgeführt worden, zwei davon in Mannheim.

"Ich würde vor allem von mit erst mal behaupten, dass ich jemand bin, der Bilder macht. Und dieses Visuelle, das Arbeiten mit Bildern, das ist ganz entscheidend, glaube ich, auch für mein Schreiben. Und dann gibt es natürlich noch den Gegenpart dazu, das Literarische. Das Lesen und Verfassen von Texten und Arbeiten mit Sprache und dem Klang von Sprache im Raum. Dieses Verhältnis, das interessiert mich und deshalb kann ich mich nicht so richtig für ein Medium entscheiden, weil ich das sehr genieße, so medienübergreifend zu arbeiten." Akin E. Şipal

Die Kritik hat bisher sehr positiv auf die Arbeiten des irgendwie vornehm wirkenden, schmalgliedrigen jungen Mannes reagiert. Sie bescheinigt ihm ein hohes sprachliches Potential und eine ausgeprägte szenische Fantasie. Und auch seine Stoffe zeugen von einer großen Bandbreite. Sie reichen von der Auseinandersetzung mit Krebs über eine poetisch-entlarvende Analyse einer deutsch-türkischen Liebesbeziehung bis hin zu einem dokumentarischen Stück über die eigene Familie.

"Das ist manchmal auch ein Problem, dass ich jemand bin, der sich leicht ablenken lässt. Auch leicht begeistern lässt für viele Dinge. Es ist einfach so, dass ich immer das Gefühl habe, diese Themen, die bleiben an mir hängen. Das ist dann aber gar nicht einfach, dann aus diesem Rauschen die Dinge zu isolieren, die man dann längerfristig bearbeitet, weil künstlerische Arbeit dann doch auch Arbeit ist, immer noch." Akin E. Şipal

Akin E. Şipal sieht sich als Lernender und die Mannheimer Hausautorenschaft, so meint er, sei der ideale Raum dafür. Bei allem Talent und dem Gefühl, dass da einer am richtigen Platz ist, haftet Akin E. Şipal dennoch etwas fast unruhig Suchendes an. Sein Gedanken scheinen sich in einem Dschungel von Bedeutungen zurechtfinden zu müssen. Und das betrifft natürlich nicht zuletzt die Frage, wie sich sein gleichzeitig Deutsch- und Türkisch-Sein gerade ganz aktuell anfühlt.

"Also daran arbeitet man sich auf jeden Fall ab. Also das ist auch meine Verantwortung, damit irgendwie konstruktiv umzugehen und das zu nutzen. Also, ich glaube zum Beispiel, dass es nicht so viel Sinn macht, herauszufinden, welche Kultur überlegen ist. Aber ich musste lernen, was ich da genau erzähle und was sozusagen auch eher das Interesse an den anderen Kulturen ankurbelt als eher das zu bestätigen. 'In der Türkei läuft es nicht so gut und deshalb muss man sich weniger zum Beispiel mit der Literatur auseinandersetzen'. Das ist ein Schluss, der oft gezogen wird. Man muss aber trennen zwischen der politischen Ebene und der kulturellen Ebene." Akin E. Şipal

Ein Wanderer zwischen den Kulturen, ein feinsinniger Beobachter und ein Jongleur auf vielen Sprachebenen. Man darf sich auf die nächsten Arbeiten von Akin E. Şipal freuen.

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