Bitte warten...

Hackathon Coding Da Vinci Rhein-Main Tote Kaiser beginnen zu sprechen

Von Max Knieriemen

Mit Toten sprechen? Das klingt nach Science-Fiction, könnte aber bald klappen. Im Frankfurter Römer hängen Gemälde vieler deutscher Kaiser. Mit denen sollen Besucher bald einfache Gespräche führen können. Möglich machen soll es der Sprachbot Alexa - der dafür mit Infos aus dem Leben der Kaiser gefüttert wird. Ein Projekt von Entwicklern, das beim Kultur-Hackathon „Coding Da Vinci Rhein Main“ präsentiert wird. Am Samstag ist die Siegerehrung im Landesmuseum Mainz.

„Ich bin Friedrich III. Was will er wissen?“

„Ich bin Friedrich III., Kaiser des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation, geboren 1415 und gestorben 1493. Was will er wissen?“ - „Waren Sie in Mainz?“ - „Ja. Wir sind in Mainz gewesen. Zum ersten Mal 1441 und zum letzten Mal 1442.“

Friedrich III. Gemälde von Julius Huebner, 1842, im Kaisersaal des Frankfurter Römers.

Friedrich III. Gemälde von Julius Huebner, 1842, im Kaisersaal des Frankfurter Römers.

Noch ist der Themenkreis, über den man sich mit Friedrich III. unterhalten kann, ein wenig eingeschränkt, aber es fühlt sich schon nach einem Gespräch an.

Daten aus über 20.000 Urkunden

Daniel Koller und seine Kollegen haben aus einem Datensatz von über 20.000 Urkunden ein Chatprogramm entwickelt, das zumindest einfache Fragen beantworten kann.

Auf der Webseite des Projekts ist der Kaisersaal im Frankfurter Rathaus zu sehen. Dort hängen die Porträts der mittelalterlichen deutschen Kaiser. „Friedrich III. spricht“ soll es ermöglichen, sich direkt mit den Gemälden zu unterhalten.

Ein sprechendes Kaiser-Wikipedia

Daniel Koller: „Man kann das so ein bisschen damit vergleichen, sich auf Wikipedia Thema auf Thema durchzulesen, weiterzulesen, zu vertiefen. Es ist ein zusätzlicher Kanal, mit dem man dieses interessegeleitete Finden von Informationen unterstützen kann.“

Projekt Friedrich III. spricht. Projektmitarbeiter Daniel Koller groß vor einer Bildschirmtafel, auf der Regesten zu sehen sind, aus denen Antworttexte für Friedrich III. gespeist werden.

Der "Sprechertext" für Friedrich III. speist sich aus 3000 Regesten, mittelalterlichen Urkunden.

Fünf Wochen lang programmieren

Entstanden ist „Friedrich III. spricht“ im Rahmen des Kultur-Hackathons Coding Da Vinci Rhein-Main. Hackathon ist eine Wortneuschöpfung aus Hacken, also experimentieren, und Marathon.

Über fünf Wochen arbeiten hier Designer und Programmierer zusammen. Der „Rohstoff“, den sie verarbeiten, sind digitale Bestände aus Museen oder Kulturinstitutionen. Von der Gemäldesammlung im Städel, das historische Häuserbuch der Stadt Mainz bis zu den kaiserlichen Urkunden aus Beständen des Frankfurter Stadtmuseums.

In der Werkstatt des Projekts "Friedrich III. spricht". Auf einem Tisch eine Sprachbox Alexa und ein Laptop.

Die Sprachbox Alexa reagiert auf Fragen. Friedrich III. spricht einfache Antworten, die mit dem Computer programmiert wurden.

Mittelalterliche Monster im Computerspiel

Unterstützt wird das Projekt von öffentlichen Kulturinstitutionen, der Wikimedia Foundation und der deutschen digitalen Bibliothek.

Die Projekte, die im Rahmen des Hackathons entstehen, bringen Monster aus mittelalterlichen Buchillustrationen in ein Computerspiel.

Ein digitales Ich-packe-meinen-Koffer-Spiel verarbeitet eine riesige Sammlung archivierter Telefonklingeltöne der Poststiftung. Und aus mittelalterlichen Urkunden wird ein Kaiser zum Ansprechen.

Arbeitet an der Programmierung von "Friedrich III. spricht": Daniel Koller

Arbeitet an der Programmierung von "Friedrich III. spricht": Daniel Koller


Weitere Themen in SWR2