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Pfälzer Instrumentenbauer und Künstler Jens Ritter Gitarren für Lady Gaga und das Metropolitan Museum

Von Sebastian Barth

Lady Gagas Glitzergitarre kommt aus Deidesheim in der Pfalz. Hier baut Jens Ritter seit Jahren die Instrumente für die ganz Großen der Musikszene. Nicht nur die Technik ist herausragend, auch das Design ist außergewöhnlich. Die klangvollen Kunstwerke schafften es bis ins Metropolitan Museum of Arts in New York.

Jens Ritter hat sich sein ganzes Leben lang für Kunst interessiert. Die Instrumente, die er baut, haben selbst etwas von Kunstobjekten. Es sind großzügig geschwungene Formen - wie zum Beispiel auch der E-Bass, den sich der Bassist Phil Lesh von „Grateful Dead“ 2009 von Jens Ritter bauen ließ.

Durchbruch dank Jimmy Fallon

Ein Fernsehauftritt von Lesh in Jimmy Fallons beliebter Late-Night-Talkshow „The Tonight Show“ verhalf den Instrumenten von Jens Ritter zu außergewöhnlicher Bekanntheit. „Der Kameramann war relativ nah am Kopf, und dann konnte man den Namen Ritter lesen. In dieser Woche hatten wir über eine Million Klicks auf der Webseite“, erinnert sich Jens Ritter.

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Bildergalerie: Der Gitarrenbauer bei der Arbeit

Wie Jens Ritter E-Gitarren zu Kunstobjekten macht

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In Deidesheim, Rheinland-Pfalz, baut Jens Ritter schon seit den 90er Jahren E-Gitarren und E-Bässe. Der Instrumentenbauer schneidert Musikern die Gitarren auf den Leib. Das hat den Pfälzer weltweit bekannt gemacht. Seine Kundinnen und Kunden zählen zu den ganz großen Namen in der Musikszene.

Im Bild: Jens Ritter 2016 in Deidesheim.

In Deidesheim, Rheinland-Pfalz, baut Jens Ritter schon seit den 90er Jahren E-Gitarren und E-Bässe. Der Instrumentenbauer schneidert Musikern die Gitarren auf den Leib. Das hat den Pfälzer weltweit bekannt gemacht. Seine Kundinnen und Kunden zählen zu den ganz großen Namen in der Musikszene.

Im Bild: Jens Ritter 2016 in Deidesheim.

Ritters Instrumente sind Kunstwerke. Die großzügig geschwungenen Formen verleihen ihnen ein außergewöhnliches Design. Ritter brütet oft wochenlang über einer Idee, bevor ein Entwurf entsteht. Reisen und Kunst seien dabei seine wichtigsten Inspirationsquellen.

Seinen ersten Bass baute Jens Ritter 1996. Zuvor hatte er alte Geräte für den Eigenbedarf repariert. Seine beiden ersten neugebauten Werke brachte er zum Chefredakteur der Fachzeitschrift "Gitarre & Bass". Der mehrseitige Testbericht, den dieser daraufhin schrieb, beginnt mit den Worten: „Plötzlich steht ein junger Mann vor meiner Tür und möchte mir weismachen, das wären seine ersten Instrumente … Ich glaube ihm kein Wort.“

Im Bild: Gitarrenbauer Jens Ritter arbeitet 2012 in Deidesheim in seiner Werkstatt an einer neuen Bassgitarre.

Danach trudelten die ersten Aufträge ein. Anfangs fertigt Ritter nur ein Dutzend Instrumente im Jahr an. Die Namen seiner Käufer werden immer prominenter. "Prince war natürlich mein stärkstes Zugpferd", sagt Ritter.

Im Bild: Gitarrenbauer Jens Ritter 2012 in Deidesheim in seinem Geschäft.

2009 baute Ritter einen E-Bass für Phil Lesh, den Bassisten von Grateful Dead. Ein Fernsehauftritt Leshs mit der Ritter-Gitarre in Jimmy Fallons beliebter Late-Night-Talkshow "The Tonight Show" verhalf den Instrumenten von Jens Ritter zu außergewöhnlicher Bekanntheit. "In dieser Woche hatten wir über eine Million Klicks auf der Webseite", erinnert sich Jens Ritter.

Im Bild: Jens Ritter 2012 in Deidesheim in seiner Werkstatt.

Mehr als 11 000 handverlegte Swarovski-Kristalle und 24-karätiges Gold im Griffbrett zieren die Gitarre, die US-Popstar Lady Gaga auf ihrer letztjährigen Silvestershow in Las Vegas spielte. Das Instrument gehört zur limitierten "Sandokan"-Edition von acht Exemplaren, Lady Gaga besitzt die Nummer Zwei.

Heute interessieren sich vor allem Kunstsammler für Ritters Instrumente. Jens Ritter stellt mittlerweile auch Skulpturen her – Objekte aus Holz, die in ihrer Form an Gitarren erinnern. Es sind keine Gitarren, die man spielen kann. Es geht um den optischen Eindruck. 

Im Bild: Jens Ritter präsentiert in Deidesheim eine seiner Holzskulpturen.

Sieht aus wie eine Geige, ist aber eine E-Gitarre: Die "Cremona" hat den Weg ins Metropolitan Museum of Art in New York geschafft. Auch das Smithsonian Museum in Washington sowie das Boston Museum of Fine Arts haben Objekte von Ritter für ihre Sammlungen erworben.

Ein aktuelles Kunstprojekt von Jens Ritter sind seine „Sleeping Beauties“: Zehn voll funktionstüchtige Gitarren, deren Elektroanschlüsse auf der Rückseite mit einer Platte verschlossen sind und erst in 100 Jahren geöffnet werden sollen: Eine Art Protest gegen Musik aus der Konserve. „Ich möchte ein Zeichen in die Zukunft senden, in der Hoffnung, dass wieder ein Bewusstsein für echtes musikalisches Können entsteht."

Im Bild: Gitarren in Ritters Galerie in der Pfalz.

"Prince war mein stärkstes Zugpferd"

Seinen ersten Bass baute Jens Ritter 1996. Davor hatte er für sich selbst alte, defekte Geräte repariert, weil er sich keine neuen Instrumente leisten konnte. Seine ersten beiden eigenen Instrumente brachte er zum Chefredakteur der Fachzeitschrift „Gitarre & Bass“.

Der mehrseitige Testbericht, der dieser daraufhin über die Instrumente schrieb, begann mit den Worten: „Plötzlich steht ein junger Mann vor meiner Tür und möchte mir weismachen, das wären seine ersten Instrumente … Ich glaube ihm kein Wort.“

Danach trudelten die ersten Aufträge ein. Anfangs fertigte Ritter nur ein Dutzend Instrumente im Jahr an. Unter seinen Käufer waren immer prominentere Namen. „Prince war natürlich mein stärkstes Zugpferd“, sagt Ritter.

Inspirationsquellen in der Kunst

Seine Gitarren entwickelt er nicht am Reißbrett. Bevor ein Entwurf entsteht, brütet er jedes einzelne Konzept Wochen und Monate in seinem Kopf aus.

Eine golden funkelnde E-Gitarre

Diese Glitzergitarre mit 11 000 Svarovski-Kristallen und 24-karätigem Gold spiele US-Popstar Lady Gaga auf ihrer letztjährigen Silvestershow in Las Vegas.


Die Ideen für die ungewöhnlichen Formen seiner Instrumente findet er in seiner Umgebung. „Ich reise sehr gerne und sehr viel, und ansonsten liebe ich Kunst, Museen, Galerien, das ist natürlich eine sehr große Inspirationsquelle.“

Vom Instrumentenbauer zum Skulpturenkünstler

Jens Ritter verkauft mittlerweile mehr Instrumente an Kunstsammler als an Musiker. Heute stellt er auch reine Skulpturen her – Objekte aus Holz, die in der Form an Gitarren erinnern. Es sind keine Gitarren, die man spielen kann. Es geht um den optischen Eindruck: „Der Betrachter soll sich Gedanken machen, was die Gitarre symbolisiert, was sie in den letzten Jahrzehnten kulturell bewegt, was sie ausgelöst hat, was die Aufgabe war der Gitarre.“

Jens Ritter will weitere und andere Kunstprojekte schaffen – seine Leidenschaft für den Instrumentenbau will er aber auch behalten. „Durch jedes Instrument, das ich herstelle, durch jedes Kunstwerk, entwickle ich mich. Ich weiß dann immer konkreter, wo ich hinmöchte, wer ich wirklich bin.“

TV-Porträt von Jens Ritter im SWR Fernsehen



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