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Filmkritik | Dokufilm von Lauren Greenfield „Generation Wealth“ – die Superreichen Amerikas

Von Rüdiger Suchsland

Als Photographin wurde Lauren Greenfield bereits Anfang der 90er Jahre berühmt. In ihrem Band "Fast Forward" porträtierte sie die Jugend von Los Angeles im Schatten von Hollywood, in "Girl Culture" geht sie mit Bildern der Frage nach, wie junge Mädchen von klein auf lernen, ihren Körper nach den Wünschen der Gesellschaft zuzurichten.

Seit 2003 dreht sie auch Filme. Ihr neuester Film "Generation Wealth" untersucht den Alltag und die Abgründe der Superreichen Amerikas.

Geldgeile Amerikaner

Dieser Film zeigt Reiche, Gierige und Luxusabhängige aller Länder, aber vor allem, man kann es nicht anders sagen, geldgeile Amerikaner, bei denen das Geld den Charakter verdorben hat. Und das sogar schon bei den kleinen Kindern.  

Der Dokumentarfilm "Generation Wealth" ist einerseits ein Porträt unser hypermaterialistischen Gegenwart und ihrer Auswüchse. Zugleich ist dies aber eine sozialkritische, hochpolitische und dabei geschichtsphilosophische Betrachtung der Vereinigten Staaten und der amerikanischen Moderne. 

Geschichten vom Aufstieg und Fall reicher Menschen

Die alten Ägypter werden bemüht, die ihre besten Zeiten schon lange hinter sich hatten, als man die Pyramiden baute. Aber auch viele andere Geschichten vom Aufstieg und Fall großer Reiche. Zu Wort kommt auch der Star-Schriftsteller Brad Easton Ellis, der in den 90er Jahren mit seinen zeitkritischen Romanen "Unter Null", "American Psycho" und "Glamorama" seine Gegenwart sezierte.

Die Regisseurin Lauren Greenfield ist selbst so ein Star der US-amerikanischen Öffentlichkeit, nicht der reichen Aufsteiger, aber der Künstlerelite der Ostküste. Sie besuchte Privatschulen und sie studierte in Harvard. Sie kennt Drogensüchtige und Rapper, Magersüchtige und plastikbusentragende Selfmade-Millionärinnen, die sogar ihren Hund operieren lassen, Porno-Darstellerinnen und sowieso die reichsten Menschen Amerikas.

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Bildergalerie zum Kinofilm von Lauren Greenfield

Generation Wealth

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In ihrem Dokumentarfilm „Generation Wealth“ zeichnet Laureen Greenfield das Bild einer Konsum- und Image besessenen amerikanischen Kultur.

In ihrem Dokumentarfilm „Generation Wealth“ zeichnet Laureen Greenfield das Bild einer Konsum- und Image besessenen amerikanischen Kultur.

Die Regisseurin zeigt Menschen, die unbedingt und um jeden Preis zu den betuchten Kreisen dazugehören wollen. Sie sind sogar bereit, sich für dieses Ziel so hoch verschulden, dass sie sich kein Dach mehr über dem Kopf leisten können.

Doch immer stellt sich die Frage: Macht Geld wirklich glücklich?

Der Film ist ein zeitgesellschaftliches Essay, das die materialistische Einstellung vieler Amerikaner aufzeigen will.

Die Fotografin und Regisseurin Lauren Greenfield befasst sich seit vielen Jahren mit den Themen Geld, Reichtum und Menschen.

Geld und Luxus – der letzte Lebensinhalt vieler Amerikaner 

In den letzten drei Jahrzehnten verloren die USA, so lautet die These dieses Films, ihre Seele. Einziger Lebensinhalt der Amerikaner sei das Geld und der Luxus. Woran liegt das? Das Fernsehen und die Massenkultur der Gegenwart sind eine Form von Gewalt sagt der Soziologe Chris Hedges.

Dem Film geht es weniger um das Geld als um eine Anklage seiner Folgen: der Ultradekadenz, einer wie es heißt "pornofizierten Kultur". Dieses Bild fächert der Film zwingend und in beeindruckender Argumentation auf. Nach dem Ende des Films glaubt man nicht mehr, dass Amerika noch eine Zukunft hat.

Potential für spannende Kinodoku wird verschenkt

Stilistisch ist der Film nicht besonders innovativ und längst nicht so ästhetisch aufregend wie Greenfields Photographien. "Generation Wealth" wäre trotzdem allein schon seines Inhalts und seiner aufregenden Zeitdiagnosen wegen einer der interessantesten Dokumentarfilme der letzten Jahre – wenn er nicht gegen Ende gleich zwei Todsünden begehen würde, die nicht nur im katholischen Glauben, sondern auch im Dokumentarfilm bestraft werden.

"Vanitas" ist die eine, also Eitelkeit und Narzissmus. Immer wieder spiegelt sich die Regisseurin selbst, rekurriert ihre künstlerische Biographie, zeigt ihre eigenen Photographien, ihre Ausstellung und ihre Familie.

Video: Beitrag über den Film "Generation Wealth" im TV-Magazin Kunscht!


Große Löffel aus dem Moraleimer

Die zweite Todsünde ist Superbia, die hochmütige Übermut, gepaart mit Acedia, der Ignoranz. Denn Greenfield begnügt sich nicht damit, zu zeigen, zu diagnostizieren und Dritte bewerten zu lassen. Sie predigt auch und füttert ihr Publikum mit großen Löffeln aus dem Moraleimer.

Dazu zerrt sie eine Handvoll ihrer Figuren noch ein letztes Mal vor die Kamera, wo sich diese dann sämtlich geläutert geben. Das sagt sich besonders gut, wenn man, wie der deutsche Ex-Hedgefonds-Manager Florian Homm, in einer Suite im Schlosshotel Kronberg wohnt und vor ein paar Jahren mit 150 Millionen abgetaucht ist.

Chance verpasst, Film trotzdem gut 

Hier wird Lauren Greenfield selbst zum Opfer der von ihr diagnostizierten Krankheit, wird selbst ein Beispiel für eine Ultra-Dekadenz, die alles Maß verloren hat. Was für eine verpasste Chance! Wie ärgerlich, und trotzdem: Ein guter Film.

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