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Stuttgarter Initiative will faire Mode etablieren Faire Mode gegen Konsumwahn

Am 4.4.2018 von Silke Arning

Ungetragene Wäsche im Wert von etwa zwei Milliarden Euro verstaubt in deutschen Kleiderschränken. Zugleich werben große Mode-Labels aggressiv für den Kauf immer neuer Produkte. Die Initiative „Future Fashion“ will den Kauf öko-fairer Kleidung fördern. Bei einem Stadtrundgang schafft sie Bewusstsein für Nachhaltigkeit beim Einkauf.

Future Fashion ist die neue Bewegung für nachhaltigen Textilkonsum in Baden-Württemberg. Bei einem Stadtrundgang zu diesem Thema führt Anna Deckert von der Initiative zunächst in einen großen Outdoor-Laden. Outdoor klingt nach Trekking und Wandern, nach Natur.

Outdoor ist eher nicht „öko“

Doch für Jacken, Sweatshirts und Unterwäsche gilt das Label „öko“ eher nicht, meint Anna Deckert: „Das ist ein besonderes Thema, weil gerade Outdoor-Klamotten aus synthetischen Fasern bestehen und ganz viel Chemiebehandlung mit sich bringen, damit sie diese tausend Funktionen erfüllen, die eine Regenjacke heute erfüllen muss. Da wäre die allererste Frage: wie viel Funktion brauche ich eigentlich? Denn mit jeder weiteren Funktion ist auch Chemikalien-Einsatz verbunden.“

Logo der Future Fashion

Logo der Future Fashion

Sonntagsspaziergang: keine Trekking-Kleidung erforderlich

Für den Sonntagsspaziergang braucht man selbst auf der Schwäbischen Alb nicht unbedingt eine Qualität, die Amazonas Regenwald-Verhältnissen trotzen würde. Darum geht es auf diesem Stadtrundgang: Bewusstsein zu schaffen und zum Beispiel schon beim Kauf neuer Kleidung auf nachhaltige Labels zu achten.

Ökologisch: Weniger Kleidung kaufen

Ein Blick in das Schaufenster eines öko-fairen Shops zeigt jedoch: es gibt viele Labels und wenig Durchblick. Ein neuer Führer, der erstmalig auf der Messe Fair Handeln vorgestellt wird, soll Abhilfe schaffen.

Grundsätzlich gibt Karina Auchter von der Initiative Future Fashion zu bedenken: „Bevor wir neue Sachen kaufen, ist natürlich beim nachhaltigen Handeln in allen Bereichen das oberste Credo: Weniger kaufen. Die Realität sieht anders aus: 60 neue Klamotten kaufen Mann bzw. Frau pro Jahr.“

Für zwei Milliarden Euro ungetragene Wäsche im Schrank

Zugleich hängen in den Kleiderschränken Blusen und Hosen für zwei Milliarden Euro, die nicht ein einziges Mal getragen wurden. Die Branche wirbt mit „superbillig“ und versucht die Konsumenten dahin zu bringen, sich mit den angesagten Must-Haves immer öfter was Neues zu kaufen. Was das bedeutet, wird bei der nächsten Station des Stadtrundgangs sichtbar.

Kleider Sammelcontainer

Sammelcontainer für Kleider

Der Container für faire Verteilung von Kleidern

Es ist ein Altkleider Container mit dem Siegel „Fair Wertung“. Zahlreiche Aufkleber prangen auf dem grasgrünen Container – von der Diözese Rottenburg Stuttgart bis zur „Aktion Hoffnung“. Verbände, die dafür garantieren, dass mit dem Erlös der Altkleider gemeinnützige Projekte in aller Welt finanziert werden.

Und da steckt eine Menge drin, weil immer mehr Klamotten hier landen, meint Anna Deckert: „Das steigt auf jeden Fall in den letzten Jahren, weil die Moden häufiger wechseln. Das liegt bei 62.000 LKW-Ladungen. Das ist eine Strecke von 1.100 Kilometern – LKW, die voll sind mit in Deutschland aussortierten Textilien.“

Zwei Frauen vor Menschengruppe

Auf der Future Fashion Messe im Greenpeace Tepee

Auch Second Hand ist Mode

Dabei gibt es Alternativen zum Neukauf. Der Stadtrundgang macht Station vor mehreren Second-Hand-Läden, die das verstaubte Kellerimage längst abgelegt haben. Sie präsentieren sich stylish mit Vintage-Klamotten. Und dann ist da noch die Kleidertauschbörse im Zelt. Jeder darf so viele Sachen nehmen wie er mitbringt. Ein Angebot, das lebhaft genutzt wird.

Jungen Leuten zeigen, dass faire Mode Spaß macht

Auf jeden Fall herrscht beste Stimmung auf der Kleidertauschbörse. Future Fashion will vor allem jungen Leuten zeigen, dass diese Mode Spaß macht, betont Lena Zoller von der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit BW: „Das soll auch weiterhin Spaß machen. Wir wollen sagen: seid modern, aber eben bewusst und mit Verantwortungsgefühl dabei.“

Auf der Messe wird auch der neue Future Fashion Guide vorgestellt - ein Führer zu ökofairer Mode mit allen Infos über nachhaltige Labels, darüber, wo man ökofaire Mode finden und kaufen kann. Dieses 100 Seiten starke Büchlein kann dann auch über die SEZ bezogen werden.

Die Initiative „Future Fashion“ der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg stellt sich bei der Messe „Fair Handeln“ in Stuttgart vor. Internationale Messe für Fair Trade und global verantwortungsvolles Handeln in Stuttgart vom 5. bis 8.04.2018.

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