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Ausstellung "Kudzanai Chiurai: Genesis" in der ifa-Galerie Stuttgart Begeisterndes Afrika-Panorama

Von Andreas Langen

Begeisterndes Kunst- und Kopfkino zeigt Kudzanai Chiruai in der ifa-Galerie in Stuttgart. Der junge simbabwische Künstler hat bereits auf der documenta und im New Yorker Museum of Modern Art ausgestellt. Seine Fotografien und Filme bieten einen völlig neuen Blick auf Afrika, in halb surrealen, halb hyperrealistischen Szenen, weit entfernt von den Klischees des bösen Weißen und des armen Schwarzen.

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Kudzanai Chiurai in der ifa-Galerie Stuttgart

Gangster-Typen und schmierige Prediger

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"Kolonialzeit", in deutschen Ohren klingt das nach grauer Vergangenheit. Man denkt an Bismarck, irgendwas Nebulöses tief im 19. Jahrhundert. Doch dann steht da plötzlich dieser schmächtige junge Mann im Stuttgarter Hof des Instituts für Auslandsbeziehungen, ausgestattet mit Smartphone und Sneakers, gleichzeitig Zeitzeuge des kolonialen Afrikas: Kudzanai Chiruai, geboren 1981 in Simbabwe. Da war die britische Kolonialherrschaft gerade erst ein Jahr vorbei. Und als Chiruai im Nachbarland Südafrika zu studieren beginnt, ist er der erste Schwarze im Fachbereich Kunst der Universität Pretoria.

Auf dem Bild: Kudzanai Chiurai, Genesis (Je n’isi isi) II, 2016. Das Bild stellt den Forschungsreisenden David Livingston dar, in einer Audienz bei einer afrikanischen Herrscherin.

"Kolonialzeit", in deutschen Ohren klingt das nach grauer Vergangenheit. Man denkt an Bismarck, irgendwas Nebulöses tief im 19. Jahrhundert. Doch dann steht da plötzlich dieser schmächtige junge Mann im Stuttgarter Hof des Instituts für Auslandsbeziehungen, ausgestattet mit Smartphone und Sneakers, gleichzeitig Zeitzeuge des kolonialen Afrikas: Kudzanai Chiruai, geboren 1981 in Simbabwe. Da war die britische Kolonialherrschaft gerade erst ein Jahr vorbei. Und als Chiruai im Nachbarland Südafrika zu studieren beginnt, ist er der erste Schwarze im Fachbereich Kunst der Universität Pretoria.

Auf dem Bild: Kudzanai Chiurai, Genesis (Je n’isi isi) II, 2016. Das Bild stellt den Forschungsreisenden David Livingston dar, in einer Audienz bei einer afrikanischen Herrscherin.

"Eine komplizierte Zeit", erinnert sich Chiurai an seine Jahre an der Universität Pretoria. "Zumindest für mich, die Unterrichtssprache ist Afrikaans. Ich habe mich beworben und wurde angenommen - nichts, was man feiern sollte. Der Zugang zu Bildung ist kein Privileg, es ist ein Recht."

Rassismus, koloniales Erbe, Herrschaftsformen - all das ist für Chiruai kein theoretischer Diskurs, sondern hautnahe Realität. Der starke Mann seines Heimatlandes Simbabwe entwickelt sich vom Unabhängigkeitshelden zum Diktator. Chiruai kritisiert den Alleinherrscher durch ein paar handgemachte Plakate, die er im Nachbarland Südafrika ausstellt. Schnell wird ihm signalisiert, dass er jetzt besser nicht versucht, nach Hause zurückzukehren.

Auf dem Bild: Kudzanai Chiurai, Genesis (Je n’isi isi) VII, 2016.

Ist Chiruai also ein politischer Künstler? "Alles ist politisch, dem entkommen wir nicht", sagt er selbst dazu. "Die Preise für Brot, Telefon, Sprit... Man kann politische Diskussionen einfach nicht vermeiden, wenn um nackte Notwendigkeiten geht."

Alles ist politisch - und in Afrika notwendigerweise auch postkolonial, wie Kuratorin Valerie Hammerbacher erläutert: "Die Territorien sind überformt worden von den europäischen Kolonisatoren, was sich in der Stadtgeschichte, in der Infrastruktur, in der Bildungspolitik, eigentlich in allen Feldern zeigt."

Kudzanai Chiurai, We live in Silence XV, 2017, Szenenbild aus dem halbstündigen Film "We live in Silence".

Kudzanai Chiruai hat einen ganz persönlichen Zugang zum Themenfeld Kolonialismus gefunden: Inszenierte Fotografien und stark stilisierte Filme, gespickt mit Zitaten aus der Kunst- und Kulturgeschichte beider Kontinente. Auf den ersten Blick wirkt das ziemlich plakativ, fast wie der glatte Oberflächenglanz in der Werbeästhetik eines David LaChapelle. Doch vor allem Chiruais Film "We live in Silence" entwickelt eine enorme Tiefe und Komplexität.

Auf dem Bild: Kudzanai Chiurai, We live in Silence XVIIII, 2017. Szenenbild aus dem Film "We live in Silence", der in vielen Einstellungen die christliche Ikonografie aufgreift.

Wir blicken auf Bühnen, auf denen halb surreale, halb hyperrealistische Szenen ablaufen, oft in Zeitlupe. Leonardos Abendmahl verschmilzt mit Vorstadt-Unruhen, Gangster-Typen und schmierigen Predigern zu einem apokalyptischen Panorama. Ein Tableau Vivant weit jenseits simpler Klischees vom bösen Weißen und armen Schwarzen. Allein für dieses Kunst- und Kopfkino lohnt sich jeder Weg.

Auf dem Bild: Kudzanai Chiurai, We live in Silence VII, 2017. Szenenbild aus dem Film "We live in Silence".

3:04 min | Do, 31.1.2019 | 12:33 Uhr | SWR2 Journal am Mittag | SWR2

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Ein begeisterndes Afrika-Panorama

Andreas Langen

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