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Filmkritik Kitschorgie – William Dafoe als "Van Gogh"

Von Rüdiger Suchsland

Der neuste Van-Gogh-Film ist prominent besetzt mit Willem Dafoe in der Titelrolle, außerdem Oscar Isaac, Emmanuelle Sagnier und Mads Mikkelsen. Regisseur Julian Schnabel liefert trotzdem nur ein billiges Kunstklischee garniert mit aufdringlicher Musiksoße zum bekanntesten Maler der Moderne ab.

Promifaktor Ohr-ab und Sonnenblumen gemalt

Vincent Van Gogh, den großartige Künstler und Revolutionär der modernen Malerei, kennen viele Menschen aber doch vor allem deshalb, weil er sich einst ein Ohr abschnitt, und weil er schöne Sonnenblumen malte.

Das Symbol des genialen Künstlers

Dieser Vincent Van Gogh ist heute Symbol des "genialen Menschen" in der Moderne, des "enigmatischen Künstlers" schlechthin, des Künstlers, der "weiter sieht", und tiefer fühlt, als normale Sterbliche.

2:00 min

Kinotrailer Van Gogh-An der Schwelle zur Ewigkeit

Perfekt fürs Kino 

Fürs Kino ist Von Gogh perfekt: Leuchtende Farben, strahlende Landschaften, eine Hauptfigur zwischen Genie und Wahnsinn, ekstatischen Gesten und tiefer Sehnsucht.

Das alles in der sonnendurchfluteten Provence von Südfrankreich, neben der Toskana dem Sehnsuchtsort der gebildeten Bürger der Gegenwart.

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Kinostart 18.04.

Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit

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Bei dem 35jährige Maler Vincent van Gogh (Willem Dafoe) will sich der Erfolg einfach nicht einstellen.

Bei dem 35jährige Maler Vincent van Gogh (Willem Dafoe) will sich der Erfolg einfach nicht einstellen.

Um seinen psychischen Problemen zu entfliehen, zieht er von Paris in den Süden Frankreichs, in ein kleines Dorf namens Arles.

Die Natur der Umgebung inspiriert ihn zu neuen Gemälden, doch im Dorf bleibt er umstritten.

Van Goghs Bruder Theo (Rupert Friend) ist der einzige, der ihn unterstützt. Er ist Kunsthändler und sieht mehr in den Werken seines Bruders. Dennoch schafft er es nicht, auch nur ein einziges Bild seines Bruders zu verkaufen.

Meistens ist Van Gogh jedoch mit sich selbst beschäftigt: er leidet unter unberechenbaren Stimmungsschwankungen.

Seine psychische Krankheit bringt Van Gogh sogar in eine psychiatrische Anstalt.

Schließlich schneidet sich Van Gogh gar ein Ohr ab, bis er im Jahr 1890 unter mysteriösen Umständen verstirbt.

Regisseur Julian Schnabel, der selbst Maler ist, versucht in seinem Film ein neues Licht auf den Urdrang des Menschen, sich auszudrücken, zu werfen: „Der van Gogh dieses Films entstand direkt aus meiner persönlichen Reaktion auf seine Bilder, und nicht auf Grundlage dessen, was andere über ihn geschrieben haben.“,

Julian Schnabels Van-Gogh-Version 

Nun kommt nach diversen Filmen, am berühmtesten von Vincente Minelli und Robert Altman, wieder einmal ein Van-Gogh-Film ins Kino. Und wieder einmal ein Künstlerportrait von Julian Schnabel, der einst mit "Basquiat" berühmt wurde.

Jetzt also Willem Dafoe als Van Gogh 

"An der Schwelle zur Ewigkeit" heißt Schnabels neuer Film - drunter geht's wohl nicht. Und in der Rolle des Genies ist Willem Dafoe zu sehen - "Wer sonst?" könnte man fragen. Schließlich hat der Mann schon Jesus Christus gespielt, was bleibt da noch? 

Vincent Van Gogh gespielt von Willem Dafoe.

Vincent van Gogh (Willem Dafoe)

Die blausten Augen der Filmszene

Und Dafoe hat schließlich die blauesten Augen der Filmszene, so leuchtend blau wie der Himmel über Van Goghs Sonnenblumen.

Musiksoße in jeder Filmecke

Und sein Regisseur hält es offenbar für einen Ausdruck besonders tiefsinniger Kunst, wenn der Van Gogh seine Films dann irgendwann nackt auf der Wiese tanzt und dabei die Arme nach oben gerichtet hat und wedelt, als erlebe er gerade sein persönliches Pfingstwunder. Dazu wird dann Musiksoße in jede Filmecke geschmiert.

Kitsch- und Klischee-Orgie 

Dafoe ist nicht der einzige outrierende Darsteller in dieser Kitsch- und Klischee-Orgie, die das Aller-Schlimmste im Gegenwartskino zusammenbringt.

Ein schicker amerikanischer Künstler wie Julien Schnabel und eine Handvoll Schauspieler, die unter nichts weniger leiden, als unter mangelndem Selbstbewusstsein und es toll finden, bei diesem Superkünstler einen kleinen Gastauftritt zu haben.

Rupert Friend und Willem Dafoe in Van Gogh.

Theo und Vincent van Gogh (Rupert Friend und Willem Dafoe)

Prominente Schauspieler zeigen schlichte Kunst

Oscar Isaac als Paul Gauguin, Emmanuelle Sagnier, Mads Mikkelsen ausgerechnet als Priester, Rupert Friend als Bruder Theo. Und Oscar Isaac, der natürlich Gauguin spielt. Wenn Schnabel Gauguin und Van-Gogh zusammen treffen lässt, dann ist es genau so, wie sich das schlichteste Künstlerklischee die große Kunst vorstellt.

Film reiht billigste Kunst-Klischees aneinander 

Wäre dieses Kino auch nur ein bisschen so modern wie Van Goghs Kunst. Ist es aber nicht. Schnabel arbeitet nacheinander die bekanntesten Stationen der Künstlervita ab. Die Geschichte mit dem Ohr darf auch nicht fehlen.

Das einzige was wirklich fehlt, ist ein Gedanke. Stattdessen sehen wir die denkbar billigsten Kunstklischees, wenn Schnabel seinen van Gogh sagen lässt: „Manche denken, ich wäre verrückt. Aber ich glaube, Verrücktheit ist das beste an der Kunst.“ Wer so etwas glaubt, für den ist "Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit" der richtige Film. 

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