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Film „The Dead Don’t Die“- Horrorkomödie von Jim Jarmusch

Von Julia Haungs

Independent-Ikone Jim Jarmusch hat sich an einen Zombiefilm gewagt. Im beschaulichen Städtchen Centerville kommen nachts die Toten aus den Gräbern, um die Lebenden zu fressen. Neben Adam Driver und Bill Murray glänzen Steve Buscemi, Iggy Pop und Tilda Swinton.

A really nice place

„The Dead Don’t Die“ spielt in einem typisch amerikanischen Provinznest namens Centerville. Zwischen Diner, Motel und Tankstelle gibt es für die beiden Sheriffs wenig zu tun.

„A really nice place“ wirbt das Ortsschild, womit schon von Anfang an klar ist, das nimmt kein gutes Ende.

1:54 min

KinotrailerThe Dead Don’t Die

  

Fassungslose Sheriffs in der Vorhölle

Denn natürlich entpuppt sich das beschauliche Städtchen, in dem jeder jeden kennt, als finsterer Ort. Eine Vorhölle, in der nachts die Toten aus den Gräbern kommen, um die Lebenden zu fressen. Die Sheriffs sind fassungslos, als sie die blutüberströmten Leichen der ersten Opfer entdecken. 

Officer Cliff Robertson (Bill Murray), Officer Minerva Morrison (Chloë Sevigny) und Officer Ronald Peterson (Adam Driver)

Officer Cliff Robertson (Bill Murray), Officer Minerva Morrison (Chloë Sevigny) und Officer Ronald Peterson (Adam Driver)

Übersinnliche Bedrohung

Adam Driver als junger Sheriff legt sich schnell fest, während Bill Murray als sein väterlicher Kollege noch zweifelt. Dabei sollte doch gerade Murray als ehemaliger Ghostbuster wissen, dass mit übersinnlichen Bedrohungen immer zu rechnen ist!

Jim Jarmusch auf ironischer Distanz zu seinem Plot

Regisseur und Drehbuchautor Jim Jarmusch inszeniert kein leises Grauen, das sich langsam in die Idylle hineinschleicht. Er stellt die unheilverkündenden Zeichen wiederholt überdeutlich aus und geht auf ironische Distanz zu seinem Plot.

The Dead don´t die

Farmer Miller (Steve Buscemi)

Die Welt ist aus den Fugen 

Der Grund ist eine Verschiebung der Erdachse, ausgelöst durch Polar-Fracking. Die Welt ist ganz buchstäblich aus den Fugen: Tag und Nacht geraten durcheinander, die Tiere drehen durch, und die Toten terrorisieren die Lebenden.

Ein Zombiefilm als Vehikel für Gesellschaftskritik

Wie schon viele Regisseure vor ihm nutzt Jarmusch den Zombiefilm als Vehikel für Gesellschaftskritik. Die Botschaft kommt allerdings überraschend platt daher.

Die eigentlichen Zombies sind wir selbst, zu Untoten degeneriert durch unseren hirnlosen Konsumwahn und die Entfremdung von der Natur.

Hermit Bob (Tom Waits)

Hermit Bob (Tom Waits)

Die Menschheit zerstört sich selbst

Die rücksichtslose Umweltzerstörung führt zur Klimakatastrophen, letztendlich reißt sich die Menschheit selbst die Eingeweide aus dem Leib. Am Ende bezahlen wir diesen Lebensstil mit der Selbstauslöschung.

Jarmuschs Filme waren schon immer von einer skeptischen Sicht auf den American Way of Life geprägt. Doch in Zeiten Donald Trumps scheint er den Glauben an die Menschheit wirklich verloren zu haben. 

Jarmusch hat viele seiner Lieblingsschauspieler versammelt

Für seine Horrorkomödie hat Jarmusch wieder viele seiner Lieblingsschauspieler und damit einen erlesenen Cast versammelt.

Neben dem stoischen Duo Adam Driver und Bill Murray glänzen unter anderem Steve Buscemi als rassistischer Farmer mit roter „Keep America white again“-Kappe, Iggy Pop als kaffeedurstiger Zombie und Tilda Swinton, die als Bestattungsunternehmerin mit ihrem Samurai Schwert einen Zombie nach dem anderen enthauptet.

US-Regisseur Jim Jarmusch eröffnet 2019 das Filmfestival von Cannes mit "The Dead Don't Die".

US-Regisseur Jim Jarmusch eröffnete 2019 das Filmfestival von Cannes mit „The Dead Don’t Die“.

Jarmusch schafft nur aufgesetzte Coolness

Aus diesen Konstellationen ergeben sich natürlich einige skurril-komische Szenen. Doch Jarmuschs berühmter lakonischer Humor wirkt dieses Mal oft gezwungen. Die Coolness nicht mühelos, sondern aufgesetzt.

Mit seinem letzten Spielfilm „Paterson“ hatte sich Jarmusch ganz in ein Parallel-Universum von meditativer Störungsfreiheit zurückgezogen. Mit „The Dead Don’t Die“ befasst er sich wieder mit den Schrecken der Realität.

Jarmuschs Horrorkomödie hinterlässt wenig Eindruck

Doch diese bleiben, trotz der fühlbaren Dringlichkeit des Themas, blass. Am Ende des Films ist die Menschheit so gut wie ausgelöscht. Der Eindruck, den „The Dead Don’t Die“ hinterlässt, allerdings auch.

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