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Film "Das Ende der Wahrheit" – Brisanter Politthriller von Philipp Leinemann

Philipp Leinemann ist einer der interessantesten deutschen Thriller-Regisseure. Jetzt hat er sich die Geheimdienste und die deutsche Waffenlobby vorgenommen. In "Das Ende der Wahrheit" spielen Ronald Zehrfeld, Alexander Fehling, Axel Prahl und Claudia Michelsen die Hauptrollen.

Zweifel am eigenen Arbeitgeber

Ein verhängnisvoller Anschlag wird zum Augenblick einer Katharsis. Ronald Zehrfeld spielt Martin Behrens, den Zentralasien-Experten des Bundesnachrichtendiensts BND. Anfangs überzeugt vom Antiterrorkampf, wachsen in ihm zunehmend Zweifel an der Arbeit des deutschen Geheimdienstes und an der Integrität seiner Vorgesetzten.

1:40 min

Kinotrailer das Ende der Wahrheit

Brisanter Politthriller

Nach und nach wird ein Geflecht aus Intrigen, Machtmissbrauch und Korruption sichtbar. "Das Ende der Wahrheit" von Philipp Leinemann ist ein brisanter Politthriller.

An der Oberfläche handelt er vom BND und ist überraschend aktuell, nicht nur wegen der Affäre um den ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen, der im November 2018 in den einstweiligen Ruhestand versetzt wurde.

Internationale Verstrickung der Geheimdienste

Die Frage nach den internationalen Verstrickungen der Geheimdienste rückt zunehmend in den Fokus der öffentlichen Debatte.

Leinemann hat viel Sinn für das Innenleben von komplexen Organisationen. Akribisch portraitiert er die stupiden Sitzungen und Arbeitsroutinen, die einen Großteil der Geheimdienstarbeit ausmachen.

1/1

Kinostart 9.5.

Das Ende der Wahrheit von Philipp Leinemann

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Martin Behrens (Roland Zehrfeld) ist aus Überzeugung Zentralasien-Experte beim Bundesnachrichtendienst.

Martin Behrens (Roland Zehrfeld) ist aus Überzeugung Zentralasien-Experte beim Bundesnachrichtendienst.

Als Behrens einem Asylbewerber aus Zahiristan wichtige Informationen entlocken kann, gibt der BND diese sofort weiter. Bei einem amerikanischen Drohnenangriff wird die Region Zahiristan großflächig angegriffen.

BND-Stableiter Rauhweiler (Axel Prahl) ist stolz, dass ein vermeintlicher Terrorist durch Ermittlungen des Bundesnachrichtendienst getötet werden konnte.

Die Investigativ-Journalistin Aurice Köhler (Antje Traue) sieht dies allerdings eher als Beihilfe zum Mord. Sie setzt alles daran, die Hintergründe des Verbrechens aufzudecken. Nebenbei darf keiner erfahren, dass sie und Behrens ein Liebespaar sind.

Für Behrens ändert sich alles, als Aurice bei einem Attentat in einem Münchner Café ums Leben kommt. War dies ein bloßer Vergeltungsschlag oder wurde Aurice wegen ihrer Recherche bewusst aus dem Weg geräumt?

Der BND wittert unterdessen einen Skandal und suspendiert Behrens. Doch dieser lässt sich von seiner Suche nach der Wahrheit nicht abbringen.

Regisseur Philipp Leinemann wollte bewusst einen Geheimdienst-Thriller drehen, der von einer Person handelt, die ein konkretes Ziel hat: „Das Ende der Wahrheit“ ist dieser Film geworden – auch wenn das Rätsel, das der BND-Agent Martin Behrens zu lösen hat, ein großes und komplexes ist.

 

Zunehmend frustrierter Held

Nicht zuletzt geht es um Karrieren, Hierarchien und um innere Rivalitäten. Eines Tages bekommt der zunehmend frustrierte, zweifelnde Held einen bürokratischen Schreibtischmensch als neuen Chef vor die Nase gesetzt.

Finanzielle Interessen getarnt als Entwicklungshilfe

Tatsächlich zielt der Film weniger auf die Untiefen der Geheimdienste, als auf die Folgen der Privatisierung staatlicher Hoheitsaufgaben.

Wenn bei den Aufbauhilfen in Ländern wie Afghanistan profitorientierte Unternehmen und nicht mehr die Bundeswehr oder die Entwicklungshilfe im Einsatz sind, verkauft man die Interessen und Werte Europas an die Unmoral der Industrie.

Der wahre Feind lauert im Inneren 

Der Regisseur wagt die These, dass der eigentliche Feind vor allem im Innern lauert. "Das Ende der Wahrheit" ist ungewöhnliches Genrekino aus Deutschland. Der Film ist da am besten, wo er einfach Explosionen, Schießereien und Attentate zeigt. Kühl, klar und unsentimental. Und gerade darin auch sehr plausibel. 

Regisseur Philipp Leinemann zu seinem Film "Das Ende der Wahrheit"

Regisseur Philipp Leinemann wollte bewusst einen Geheimdienst-Thriller drehen, der von einer Person handelt, die ein konkretes Ziel hat: „Das Ende der Wahrheit“ ist dieser Film geworden – auch wenn das Rätsel, das der BND-Agent Martin Behrens zu lösen hat, ein großes und komplexes ist.

Ronald Zehrfeld wird zum sentimentalen Brummbär

Alexander Fehling und Claudia Michelsen entsprechen diesem Ansatz am besten, und zeigen überraschende Tiefen. Während Ronald Zehrfeld in der Hauptrolle als Geheimdienstmitarbeiter mit zunehmenden Zweifeln immer wieder zum sentimentalen Brummbär wird.

Kinoästhetik passt sich dem Fernsehen an

Wenn es aber um das Portrait der Menschen geht, dann verwandelt sich Kino- in Fernsehästhetik. Trotz allem Bemühen wird zu sehr gemenschelt. Dieser Verzicht auf Härte, Kühle und blauschwarze Noir-Atmosphären unterscheidet "Das Ende der Wahrheit" dann doch von seinen Vorbildern aus Frankreich, Italien und Hollywood.

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3:41 min | Mi, 8.5.2019 | 18:40 Uhr | SWR2 Kultur aktuell | SWR2

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Film

"Das Ende der Wahrheit" – Brisanter Politthriller von Philipp Leinemann

Rüdiger Suchsland

Ein verhängnisvoller Anschlag: Martin Behrens, Zentralasien-Experte des BND, früher von den guten Zielen seiner Arbeit überzeugt, bekommt immer mehr Zweifel. Nach und nach wird ein Geflecht aus Intrigen, Machtmissbrauch und Korruption sichtbar: „Das Ende der Wahrheit“.

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