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Kino aus Südkorea: On the Beach at Night Alone Von der Unmöglichkeit der Liebe

Kulturthema am 25.1. von Julia Haungs

Beziehungen zwischen Männern und Frauen sind eines der Lebensthemen des südkoreanischen Regisseurs Hong Sang-Soo. Viele seiner Filme kreisen um unglückliche Beziehungen, unerfüllte Sehnsucht oder neurotische Künstler zwischen zwei Frauen. Seit Mitte der 90er Jahre ist er regelmäßiger Gast auf internationalen Festivals. Ins deutsche Kino schafften es nur wenige seiner Werke, darunter "On the Beach at Night Alone". Hauptdarstellerin Kim Minhee gewann den silbernen Bären.

Zu Beginn des Films kauft die Hauptfigur Noten für Kinder-Klavierstücke. Der Buchhändler, der die Musik selbst komponiert hat, erklärt: an der Oberfläche sei sie ganz leicht zu spielen. Tauche man aber tiefer ein, werde es komplex. Diese Szene bringt das Wesen von "On the Beach at Night Alone" auf den Punkt.

Von der Unmöglichkeit der Liebe

Es wird viel geredet in diesem Film: über Alltägliches, Befindlichkeiten oder andere Leute. Unter diesem Strom der Konversation liegt aber etwas Grundlegenderes: Die Frage nach der Liebe beziehungsweise deren Unmöglichkeit.

Die Beziehung zwischen Männern und Frauen ist eines der Lebensthemen des südkoreanischen Regisseurs Hong Sang-Soo. Viele seiner Filme kreisen um unglückliche Beziehungen, unerfüllte Sehnsucht oder neurotische Künstler zwischen zwei Frauen.


Junge Frau treibt traumartig durch eine fremde Stadt

In "On the Beach at Night Alone" ist es die Schauspielerin Younghee, die an der Liebe verzweifelt. Nach einer Affäre mit einem verheirateten Regisseur ist sie in der Filmbranche in Ungnade gefallen und zu einer Freundin nach Hamburg geflüchtet.

Die Kamera folgt der jungen Frau, wie sie sich durch die fremde Stadt treiben lässt: traumartig, versunken in ihre Gedanken, wach gehalten allein von der Hoffnung, der Geliebte werde ihr wie versprochen folgen. Unvermittelt endet dieses erste Kapitel des Films.

Am Elbstrand oder in Stadtparks sucht Young-hee gemeinsam mit ihrer Freundin Ablenkung.

Am Elbstrand oder in den Stadtparks von Hamburg sucht Young-hee Ablenkung.

Keiner versteht etwas von der Liebe

Im nächsten ist Younghee nach Korea zurückgekehrt. In einer Provinzstadt trifft sie alte Bekannte aus der Filmbranche.

Bei einem gemeinsamen Abendessen mit reichlich Schnaps bricht es wütend aus der sonst so zurückhaltenden Frau heraus. Keiner der Anwesenden verstehe etwas von der Liebe oder sei auch nur berechtigt, geliebt zu werden. In einer Art Übersprunghandlung küsst sie die Freundin neben sich.

Nur Spurenlemente einer Handlung

Solche peinlich-komischen Momente sind die Spitzen in einem gleichmäßig ruhig dahinfließenden Film. Wie so oft in Hongs Werk sind nur Spurenelemente einer Handlung vorhanden. Improvisiert wirkende Szenen sind zu einer losen Erzählung verbunden.

Am Strand begegnet Young-hee dann Sangwon (Moon Sungkeun), mit dem sie bis vor Kurzem eine Affäre hatte.

Am Strand begegnet Young-hee dann Sangwon (Moon Sungkeun), mit dem sie bis vor Kurzem eine Affäre hatte.

Ein Film als Meditation

Der Reiz liegt eher in der Struktur: im subtilen Spiel mit Wiederholungen von Motiven und Wirklichkeitsebenen entwickelt der Film einen fast schon meditativen Charakter. Darauf muss man sich einlassen können.

Aber Hauptdarstellerin Kim Min-hee trägt den Film mit großer Souveränität. Unter der heiter-gelassenen Oberfläche scheinen die erlittenen Verletzungen immer wieder durch. Sei es, dass sie ganz plötzlich wütend wird oder in einem melancholischen Lied ihrer Liebe nachtrauert.

Regisseur Hong Sang-soo debütierte im Jahr 1996 mit dem Spielfilm "The day a pig fell into the well" und ist seitdem fest etabliert in den koreanischen Kinos.

Regisseur Hong Sang-soo debütierte im Jahr 1996 mit dem Spielfilm "The day a pig fell into the well" und ist seitdem fest etabliert in den koreanischen Kinos.

Der Film wirkt wie eine öffentliche Therapie des Regisseurs

Der Film erzählt ein Stück weit Kim Min-hees eigene Geschichte. Denn bei den Dreharbeiten zu Hong Sang-Soos letztem Film "Right now, wrong then" gab es Gerüchte über eine Affäre des verheirateten Hong mit seiner Star-Schauspielerin.

Ehebruch stand in Korea bis 2015 unter Strafe. Entsprechend groß war der Skandal in der Klatschpresse, der Kim Min-hees Karriere nachhaltig beschädigte.

Öffentliche Therapie des Regisseurs

Vor diesem Hintergrund wirkt "On the Beach at Night Alone" fast wie eine öffentliche Therapie des Regisseurs. Denn auch der ehemalige Liebhaber bekommt am Schluss noch einen ziemlich selbstmitleidigen Auftritt. Er darf sich erklären und zeigen, wie auch er körperlich und seelisch unter der Situation leidet.

War das Selbst-Reflexive schon immer zentraler Bestandteil der Filme Hongs – in "On the Beach at Night Alone" verschmelzen Fiktion und Autobiographie zu einer eigenen Wahrheit, die Hongs Spiel mit den Wirklichkeitsebenen eine weitere hinzufügt.

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