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Neu im Kino: "Landrauschen" von Lisa Miller Heimatfilm der besonderen Art

Am 17.7.2018 von Rüdiger Suchsland

Bubenhausen statt Berlin. Nach aufregenden Jahren in der deutschen Hauptstadt kehrt die Endzwanzigerin Toni gezwungenermaßen wieder zurück in ihr spießbürgerliches schwäbisches Heimatdorf. Ganz allmählich wird aus dem Landfrust ein "Landrauschen". Mit diesem sehr witzigen, skurrilen Film gewann die 1986 in Krumbach geborenen Lisa Miller den wichtigsten deutschen Nachwuchspreis, den "Max-Ophüls-Preis".

Sie heißt Toni. Sie ist Ende 20, hat zwei Hochschulabschlüsse, verdient aber kein Geld und hat auch keinen unbezahlten Job, der ihr Spaß macht. Dabei hatte Toni es eigentlich geschafft, ihr früheres Leben auf dem Land und den öden Dorfalltag hinter sich zu lassen.

Mit Diplom und ohne Job zurück in die Provinz

Sie war in die Stadt aller Städte, nach Berlin gezogen. Doch nun ist Toni in einer heftigen, großstädtischen Sinnkrise gelandet. Und so kehrt sie mit ihren vielen Diplomen, aber ohne Job zurück nach Bubenhausen bei Ulm.

Toni traut sich zunächst sogar, wieder bei ihren Eltern einzuziehen. Bei der Lokalzeitung wird sie auch nur als Praktikantin eingestellt, zuständig für Volksfeste und Vereinssitzungen. Der Faschingsumzug wird zur ersten großen Herausforderung.

Bildwitz und humorvoller Sprache

Und ihren ganzen Frust über Fasching, aber auch über Bubenhausen und ihre erzwungene Rückkehr packt sie in einen Artikel, der natürlich absolut nicht den Erwartungen ihres Redakteurs entspricht.

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Kinostart 19.07.

Landrauschen von Lisa Miller

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Mit zwei Hochschulabschlüssen aber ohne Geld oder erfüllenden Job kehrt die junge Toni (Kathi Wolf) zurück in ihr kleines Heimatdorf, aus dessen Enge sie einst floh.

Mit zwei Hochschulabschlüssen aber ohne Geld oder erfüllenden Job kehrt die junge Toni (Kathi Wolf) zurück in ihr kleines Heimatdorf, aus dessen Enge sie einst floh.

In ihrer Heimat allerdings fühlt sich Toni, die ein wildes Leben in der Großstadt führte, überhaupt nicht mehr wohl. Ständig gibt es Konflikte mit ihren Eltern, die ihre Art zu Leben nicht verstehen.

Das Dorfleben mit all seinen Facetten nimmt Toni die Luft zum Atmen. Sie scheint einfach nicht mehr in dieses Bild hineinzupassen.

Als sie jedoch ihre alte Freundin Rosa (Nadine Sauter) wiedertrifft, fühlt sich Toni endlich wieder lebendig.

Die beiden verbringen viel Zeit miteinander und fühlen sich sehr zueinander hingezogen.

Mit ihren eigenwilligen Ideen und Ansichten stellen sie das Dorfleben auf den Kopf.

Zwischen Toni und Rosa knistert es, doch je mehr Zeit sie miteinander verbringen, desto explosiver wird ihre Beziehung. Zwischen Identitätsfindung und Dorfkosmos versuchen die beiden ihren Platz in der Welt zu finden.

Voller Bildwitz und humorvoller Sprache treibt dieser Film der Heimat alles Heimelige, alle schmierige Gemütlichkeit aus und verteidigt zugleich ihre liebenswerten Seiten. Über den schwäbischen Dialekt macht sich hier niemand lustig.

Sensation beim Filmfestival Max Ophüls Preis

Dieser Film war die Sensation beim diesjährigen Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken, das für das junge deutschsprachige Kino enorm wichtig ist. Wer ihn sieht, versteht schnell, warum "Landrauschen" mehrere Preise bekam; darunter den Preis für den "Besten Spielfilm" und das "Beste Drehbuch".

Heimat ist Terror und Glück

In Zeiten in denen Deutschland zwar die Digitalisierung verschläft, aber dafür ein Heimatministerium gründet, kommt so ein Film zu recht: "Landrauschen" zeigt, dass Heimat ein Terrorzusammenhang ist und ein Glück.

Auch in Bubenhausen wird Toni zunächst nicht glücklich. Dann trifft sie ihre Jugendfreundin Rosa wieder. Und aus dem "Landfrust" wird ein "Landrauschen".

Zwischen Toni und Rosa knistert es, doch je mehr Zeit sie miteinander verbringen, desto explosiver wird ihre Beziehung.  Zwischen Identitätsfindung und Dorfkosmos versuchen die beiden ihren Platz in d

Toni (Kathi Wolf) und Rosa (Nadine Sauter)

Rosa ist immer im Dorf geblieben und ist als Sozialarbeiterin in der örtlichen Flüchtlingsunterkunft engagiert. Plötzlich ist es da, das unerwartet "Wilde Leben", das es natürlich auf dem Land ebenso geben kann, wie in einer Metropole.

Ironisches Porträt der schwäbischen Provinz

"Landrauschen" ist ein frisches, ironisch-witziges Porträt der ur-schwäbischen Provinz, knapp vor der bayrischen Grenze. Dieser wunderbare Film zeigt, dass es möglich ist, in der Heimat und trotzdem anders zu sein, Leben und Liebe neu zu entdecken.

Das Dorfleben mit all seinen Facetten nimmt Toni die Luft zum Atmen. Sie scheint einfach nicht mehr in dieses Bild hineinzupassen.

Das Dorfleben mit all seinen Facetten nimmt Toni die Luft zum Atmen. Sie scheint einfach nicht mehr in dieses Bild hineinzupassen.

Finanziert durch "Crowdfunding"

Schon als Projekt war dieser Film so ungewöhnlich, dass er von den gern aufs Gewöhnliche, Bewährte, gediegen Langweilige setzenden deutschen Fördergremien nicht einen Cent Vertrauensvorschuss bekam. Da finanzierten ihn die Macher höchst modern durch sein zukünftiges Publikum und Mund-zu-Mund-Werbung per "Crowdfunding".

Neue Heimatfilme braucht das Land

"Landrauschen" ist natürlich auch eine Kritik des zur einer Dauer-Casting-Show mutierten modernen Lebens mit seinem ständigen Leistungsdruck und seinen alltäglichen Lebenslügen. Neue Heimatfilme braucht das Land. Das geht völlig ohne Kitsch und romantische Verklärung aber wunderschön und beglückend.

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