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Filmkritik Ein letzter Job mit Michael Caine

Von Rüdiger Suchsland

Ein bisschen stoisch, lieber nichts tuend, als das Falsche, dabei hellwach, so kennt man Michael Caine in seinen besten Filmen. Seinen neuesten Auftritt hat er nun bei James Marsh in „Ein letzter Job“ (im Originaltitel majestätischer „King Of Thieves“). Caine spielt darin den Chef einer Safeknacker-Bande, die im Londoner Diamantenviertel Tresore ausrauben will.

Sympathische Gangster, überforderte Polizisten

Ein Bankräuber-Film. Man hat das schon oft gesehen und sieht es trotzdem immer wieder gern. Man erfreut sich an sympathischen Straftätern, Opfern, denen der Verlust von der Versicherung gezahlt wird, und überforderten Polizisten.

Michael Caine kann alles spielen

All das gibt es auch hier. Der Grund, sich diesen Film anzusehen, ist trotzdem ein anderer. Er heißt Michael Caine. Caine ist ein unglaublich guter Darsteller, der alles spielen kann.

Den charmanten großbürgerlichen Politiker in "Half Moon Street", den urbritischen Offizier in "Die Brücke von Arnheim", den Diener im Herrenhaus von "Batman", und den Proletarier aus den Vorstädten des Nordwestens in "Alfie".

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Kinostart 25.04.

Ein letzter Job von James Marsh

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In seinen jungen Jahren war Brian Reader (Michael Caine) ein berühmter Dieb. Jetzt ist er 77 Jahre alt, verwitwet und er fasst den Vorsatz, noch ein letztes Mal groß zuzuschlagen.

In seinen jungen Jahren war Brian Reader (Michael Caine) ein berühmter Dieb. Jetzt ist er 77 Jahre alt, verwitwet und er fasst den Vorsatz, noch ein letztes Mal groß zuzuschlagen.

Zusammen mit einer wild zusammengewürfelten Bande Krimineller plant er einen Einbruch im Londoner Diamantenviertel.

In einer Depotfirma, die Kunden Schließfächer für Wertsachen vermietet, wollen die allesamt betagten Diebe der alten Schule (v.l.n.r.: Michael Caine, Tom Courtenay, Michael Gambon, Jim Broadbent, Ray Winstone) Juwelen und Bargeld erbeuten.

Während der Osterfeiertage verschaffen sie sich als Mechaniker verkleidet Zutritt zum Gebäude und bohren ein Loch in die Wand des Tresorraumes.

Zwei Tage später ist das Ziel erreicht und sie verlassen das Gebäude rund 200 Millionen Pfund reicher. Doch das Glück ist nicht von langer Dauer.

Denn während die Polizei mit den Ermittlungen beginnt, droht die Gruppe an Habgier und Misstrauen auseinanderzubrechen.

Die Medien spekulieren wild darüber, wer hinter dem Verbrechen stecken könnte und die Öffentlichkeit zeigt sich mehr als nur fasziniert, als nach und nach die Details des Verbrechens ans Licht kommen.

Der Raub, der im Film thematisiert wird, ereignete sich im April 2015 wirklich in London und beherrschte lange Zeit die Berichterstattung in den Medien.

Steile Karriere in den "Swinging Sixties"

Michael Caine, inzwischen 85 Jahre alt, hätte ursprünglich niemand diese Karriere zugetraut.

Sein Vater schleppte noch Kisten auf dem Londoner Fischmarkt, der Sohn hatte blonde Wimpern und einen Akzent, mit dem man früher, zu Zeiten der Laurence Oliviers, Michael Redgraves und John Gielguds im Filmstudio erst gar nicht zum Vorsprechen gelassen wurde.

Dann kamen die "Swinging Sixties", und weil der Arbeiterjunge nie etwas anderes werden wollte, bekam er seine Chance und nutzte sie.

Michael Caine ist der Anführer der diebischen Bande in "Ein letzer Job"

Brian Reader (Michael Caine)

Keine Chance, konsequent genutzt

Und genau das, einen Mann, der keine Chance hat, diese aber konsequent nutzt, spielt der große Michael Caine nun in diesem Film. "Ein letzter Job" heißt er auf Deutsch, der Originaltitel "King Of Thieves" klingt noch majestätischer.

Räuber im Rentenalter in einer schwarzen englischen Komödie

Caine spielt den Chef einer Safeknacker-Bande, die im Londoner Diamantenviertel Tresore ausrauben will. Dabei wird er unterstützt von einem weiteren halben Dutzend älterer Herren, ebenfalls gespielt von bekannten britischen Darstellern wie Jim Broadbent, Tom Courtenay und Ray Winstone.

Es handelt sich also um Räuber im Rentenalter. Und weil dies auch eine schwarze Komödie ist, macht sich der Film ziemlich oft über die Gebrechen der älteren Herren lustig. Wer irgend kann, sollte den Film im englischen Original sehen. Denn Sprache ist auch Klassenbewusstsein, und nur dann hört man die einmalige echte Stimme von Michael Caine. Wunderbar ist jene Szene, in der Caines Figur erklärt, wie sich Diamanten voneinander unterscheiden.

Die Diebesbande (u.a. Michael Caine, Tom Courtenay, Jim Broadbent, Ray Winstone, Michale Gambon, Charlie Cox) im Film "Ein letzter Job".

Rentner-Ganster bei der Planungsarbeit (v.l.n.r.: Michael Caine, Tom Courtenay, Michael Gambon, Jim Broadbent, Ray Winstone)

Rentner-Ganster haben Hochkonjunktur im Kino 

Es gibt allerdings auch handfeste Konflikte innerhalb der Gang. Sie streiten sich miteinander. Rentner-Gangster sind gerade in. Seit Anfang des Jahres sahen wir erst Clint Eastwood als fast 90-jährigen Drogenkurier, dann war Robert Redford als Gentleman-Bankräuber in Serie unterwegs.

Da macht es auch keinen Unterschied, dass "Ein letzter Job" angeblich auf einer "wahren Geschichte" basiert. Derartige Plots sind in Mode, weil man damit auf das Seniorenpublikum zielt, systematisch unterschätzte älteren Herren und Damen.

Michael Caine Superstar 

Aber Michael Caine ist kein Denkmal seiner selbst, und im in jeder Hinsicht der Jüngste von allen.

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