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Theater „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ in Kaiserslautern

Von Hannegret Kullmann

Der Titel ist eine Metapher: In dem Stück des gefeierten französischen Dramatikers Joël Pommerat von 2013 geht es um die Unmöglichkeit der Liebe. Regisseurin Yvonne Kespohl zeigt auf der Bühne eine kurzweilige Revue zahlreicher kurzer Beziehungsgeschichten - mal tragisch, mal flüchtig, mal absurd-überdreht: Minidramen, die sich zu einem Mosaik fügen über die Liebe in all ihren Facetten.

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Über die Liebe: „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“

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Glitzernde Lametta-Fäden hängen vom Bühnenhimmel herab. Sie bilden einen flirrenden Vorhang, hinter dem die Schauspieler agieren. Das Bühnenbild von Mariam Haas und Lydia Huller schärft die Sinne und liefert die atmosphärische Grundierung für das Thema des Abends: die Liebe - facettenreich, flüchtig, manchmal surreal.

Glitzernde Lametta-Fäden hängen vom Bühnenhimmel herab. Sie bilden einen flirrenden Vorhang, hinter dem die Schauspieler agieren. Das Bühnenbild von Mariam Haas und Lydia Huller schärft die Sinne und liefert die atmosphärische Grundierung für das Thema des Abends: die Liebe - facettenreich, flüchtig, manchmal surreal.

Als Szenerie dient eine Bingo-Halle. Die Kaiserslauterer Inszenierung zeigt ein Mosaik aus zahlreichen kurzen Beziehungsgeschichten - musikalisch verbunden durch französische und englische Schlagerschnulzen.

Da ist die ältere Frau, die sich nach vielen Ehejahren scheiden lässt, weil sie ihren Mann nie geliebt hat, oder das kinderlose Ehepaar, das eine Babysitterin engagiert hat.

Die kurzweiligen Revue verlangt Wandlungsfähigkeit von den Darstellerinnen und Darstellern. Sie müssen sich in zahlreichen Doppelrollen bewähren. Im Vordergrund steht die Tragik: Immerzu wird jemand enttäuscht, betrogen oder verlassen.

Dabei geht es nicht nur um Sex. Eine Episode handelt von der Zuneigung, die ein fürsorglicher Lehrer für seine Schüler empfindet. Er sieht sich mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert.

Zu den starken Momenten des Abends zählt auch das Drama um die Schwangerschaft einer geistig behinderten jungen Frau. Der Arzt will sie unbedingt davon abbringen, das Kind zu bekommen, weil ihm klar ist, dass der Vater sie im Stich lassen wird.

19 Miniszenen in zwei Stunden – da bleibt manches nur eine Skizze. Bisweilen ist die Inszenierung boulevardesk und schrill. Stellenweise produziert sie Lacher und Schenkelklopfer – das nimmt anderen Episoden die Tiefe.

Regisseurin Yvonne Kespohl reichert den Abend mit absurd-überdrehten Elementen an: Zum Auftritt einer singenden Drag-Queen taucht sie das Publikum in dichten Nebel, während sich auf der Bühne eine surreale Traumsequenz abspielt.

Außerdem zitiert sie Woody Allens Kultfilm „Was Sie schon immer über Sex wissen wollten“, indem sie zwei alte Männerfreunde in weiße Spermienkostüme steckt.

Die Schluss-Szene liefert ein schräges, aber symbolträchtiges Bild, wenn eine Frau und ein Spermium sich mit ausgestreckten Zeigefingern berühren und auf Michelangelos berühmtes Deckenfresko verweisen. Der Lebensfunke springt über – vielleicht besteht ja doch noch Hoffnung für die Liebe.

3:15 min | Mo, 20.5.2019 | 12:33 Uhr | SWR2 Journal am Mittag | SWR2

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Theater

Joël Pommerats „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ in Kaiserslautern

Hannegret Kullmann

Der Titel ist eine Metapher: In dem Stück des gefeierten französischen Dramatikers Joël Pommerat von 2013 geht es um die Unmöglichkeit der Liebe. Regisseurin Yvonne Kespohl zeigt auf der Bühne eine kurzweilige Revue zahlreicher kurzer Beziehungsgeschichten - mal tragisch, mal flüchtig, mal absurd-überdreht. Minidramen, die sich zu einem Mosaik fügen über die Liebe in all ihren Facetten.

„Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ in der Inszenierung von Yvonne Kespohl läuft noch bis zum 30. Juni am am Pfalztheater Kaiserslautern. Die nächsten Vorstellungen sind am 22. und am 28. Mai.

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