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Paläontologisches Museum in Nierstein Rheinhessische Fossilien der Superlative

Von Anke Sprenger

Das Paläontologische Museum im rheinhessischen Nierstein überrascht durch eine Vielfalt und herausragende Qualität der versteinerten Zeugnisse. Zu verdanken ist diese außergewöhnliche Fossiliensammlung dem Amateurpaläontologen Arnulf Stapf und seinem Sohn Harald. Immer wieder kommen internationale Spezialisten nach Nierstein, um diese Sammlung zu besuchen.

Die Sammlung des Paläontologischen Museum in Nierstein kann sich mit Stücken aus großen Naturkundemuseen messen. Übersichtlich sind die Exponate in Vitrinen nach Erdzeitaltern angeordnet.

30 Millionen Jahre alte Schnecke machte den Anfang

Arnold Stapf, der 84 Jahre alte Gründer des Museums: "Als Neunjähriger habe ich im Rhein Gold gefunden, habe dann nach weiteren Steinen gesucht. Mein Vater hat die in den Schraubstock gespannt. Da sind dann millimeterkleine Schneckchen rausgefallen. Das hat mich fasziniert. Die Schneckchen so klein! Und 30 Millionen Jahre alt!"


Außenansicht vom Paläontologischen Museum in Nierstein

Außenansicht vom Paläontologischen Museum in Nierstein

Später konnte der Amateurpaläontologe seinen Sohn Harald für diese Leidenschaft gewinnen, der heute nebenberuflich das Museum in Nierstein leitet. Beide suchten über Jahrzehnte in ihrer Freizeit mit schweren Brechstangen in Steinbrüchen nach Fossilien, im Mainzer Becken, im Saarpfälzischen Rotliegenden, aber auch auf der schwedischen Insel Gotland, in Schottland oder in Südfrankreich.

Viele weltweit einzigartige Stücke in Nierstein

Dabei standen sie in engem Austausch mit internationalen Forschungsinstitutionen. Vater und Sohn Stapf haben die Wissenschaft um viele Neuentdeckungen von Tierarten und -familien bereichert. Und so wird das Museum auch von vielen Wissenschaftlern aus aller Welt aufgesucht: "Das Museum ist bekannt, weil hier viele Stücke liegen" so Arnold Stapf, "die weltweit einzigartig sind. Gerade waren aus China und Mexiko Wissenschaftler da, die hier Spuren bearbeitet haben."

Von Arnulf Stapf entdeckte versteinerten Insektenfährten in Nierstein sind in einschlägigen Büchern zur Paläontologie zu finden. Die Bedeutung der Exponate ist nicht zwangsläufig eine Frage der Größe. Das Besondere liegt oft im Detail, zum Beispiel in einem wenige Zentimeter großen Fund, der den Namen arnulfias stapfi trägt.

Stolz auf Entdeckung der Eintagsfliege "arnulfias stapfi"

Arnulf Stapf ist natürlich stolz darauf: "Das ist eine Eintagsfliege. Und zwar war das die erste in Mitteleuropa. Die hieß dann mistotodis stapfi. Vor zwei Jahren haben Wissenschaftler das neu bearbeitet und festgestellt, dass das eine neue Art und Gattung ist. Da haben sie gefragt, ob ich auch meinen Vornamen zur Verfügung stellen würde. Da war ich natürlich stolz. Für alle Zeiten ist das jetzt: arnulfias stapfi."

Auch mehrere Fischarten und Kammermuscheln sind nach dem umtriebigen Sammler benannt. 2013 machten Vater und Sohn Stapf beim Aufspalten der Steine in Obermoschel in der Pfalz eine weitere Entdeckung: Larven in unterschiedlichsten Stadien vom Branchiosaurier, also dem Kiemenlurch, aus der Zeit vor über 300 Millionen Jahren, der kleinste Saurierfund überhaupt.


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