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Heidelberger in „Alliance Graphique Internationale“ aufgenommen Designer-Oscar für Götz Gramlich

Von Annette Lennartz

Der Designer Götz Gramlich aus Heidelberg hat geschafft, was in der Filmbranche mit einer Oscar-Verleihung vergleichbar wäre: Er ist in die „Alliance Graphique Internationale“ aufgenommen worden. Dazu gehören weltweit 500 Grafiker und Kommunikationsdesigner. Zu diesem exklusiven Club gehört jetzt auch der gesellschaftspolitisch engagierte Grafik-Künstler.

Götz Gramlich freut sich darüber, jetzt zur „Alliance Graphique Internationale“ zu gehören. „Auf jeden Fall fühle ich mich geehrt“, sagt er. „Schon zweimal war ich vorgeschlagen und bin nicht aufgenommen worden. Aller guten Dinge sind drei.“

Poster von Götz Gramlich: Utopia. Für eine Ausstellung im Goethe-Institut in Tel Aviv.

Poster von Götz Gramlich: Utopia. Für eine Ausstellung im Goethe-Institut in Tel Aviv.

Bekannt geworden durch Plakatwettbewerb „Mut zur Wut“

Der 44jährige Designer hat diverse Wettbewerbe gewonnen, in Japan, Russland, China und den USA. Seine Arbeiten finden sich in bedeutenden Sammlungen, in Zürich und New York.

Götz Gramlich ist Gastprofessor für Typographie an der Bauhaus-Universität Weimar. Bekannt geworden ist vor allem durch ein gesellschaftspolitisches Projekt, den Plakatwettbewerb „Mut zur Wut“.

Mit ein paar Plakaten haben wir schon viel erreicht

Als er vor zehn Jahren mit einem Freund, dem Plakatierer Marcello Lucas, in der Kneipe saß, hätten sich beide über die Politik aufgeregt. „Vor allem darüber, dass wir fast hilflos alles hinnehmen müssen“, erinnert sich Gramlich.

Da sei beiden die Idee gekommen: „Lass uns etwas dagegen machen. Du bist Plakatierer, und ich kenne viele Plakatgestalter. Wir laden einfach 15 ein, die sozialkritische Themen gestalten sollen, und wir bringen es auf die Straße. Wenn das eine Handvoll Personen dazu bringt, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten, haben wir schon viel erreicht.“

Wut soll nicht im Hass enden

Mit 15 Designern fing es an. In diesem Jahr beteiligten sich 3000 aus 30 Ländern. Eine internationale Profi-Jury sucht die die dreißig Besten heraus. Sie werden gedruckt und immer in ganz Heidelberg plakatiert. Keine Chance haben Hassplakate. Wut soll nicht in Hass enden, sondern durch das Plakat konstruktiv umgesetzt werden.

Plakat für niederländische Agentur Gorilla. Zwei Kulturen anhand von zwei ikonografischen Frauenbildern.

Plakat für niederländische Agentur Gorilla. Zwei Kulturen anhand von zwei ikonografischen Frauenbildern.

„East meets West“ - Zwei Kulturen anhand zweier Frauen

Viele verblüffende, geistreiche Poster gab es seitdem. Entstanden ist beinahe so etwas wie eine weltpolitische Chronologie der letzten neun Jahre über Krieg, Armut, Fukushima oder Trump. Ein Beispiel: Das Plakat mit den zwei Frauen. Beide sind auf unterschiedliche Weise unsichtbar.

Die eine steckt unter einer Burka, die andere ist nackt. Vor dem rosa Hintergrund sieht man nur ihre Geschlechtsmerkmale, Brustwarzen und High Heels. „Das war in einem holländischen Designteam namens 'Gorilla'“, erläutert Gramlich. „Eine sehr ikonenhafte Darstellung zweier Kulturen, anhand zweier Frauen. Eine komplett nackt, fast pornographisch - und eine in Burka.“

Einladung zur Kieler Woche

Für den Plakatwettbewerb arbeitet Götz Gramlich ehrenamtlich. Seine Brötchen verdient er als Grafiker, entwirft Logos oder Corporate Designs für Firmen, gestaltet Geschäftsberichte und Programme für Kulturhäuser.

Sehr erfolgreich arbeitet er auch für das Nationaltheater Mannheim. Der Höhepunkt seiner Karriere war die Einladung zum Wettbewerb der Kieler Woche, der schönste Wettbewerb für jeden Plakatdesigner, sagt Gramlich.

„Ein Plakat muss muss schnell klicken beim Betrachter“

Die Kunst des guten Plakats fasst Götz Gramlich so zusammen: „Ein gutes Plakat ist auch immer eine gute, freche, knackige Idee und es muss schnell klicken beim Betrachter. Zumindest muss es neugierig machen.“

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