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Film Warten auf ein Spenderherz – „Das Leben meiner Tochter“

Etwa 9.500 Menschen in Deutschland warten auf eine Organtransplantation, 2018 standen aber nur 955 Organspender zur Verfügung. „Das Leben meiner Tochter“ erzählt, wie zermürbend das Warten auf ein lebensrettendes Organ sein kann. Regisseur und Drehbuchautor Steffen Weinert schildert einfühlsam, was es heißt, als Familie einer solchen Situation ausgeliefert zu sein. Er zeigt auf, wie unterschiedlich die Familienmitglieder damit umgehen.

Plötzlich ist alles anders

Manchmal ändert sich das Leben von einem Moment zum nächsten so grundlegend, dass es danach kein Zurück mehr gibt. Eben noch hat die achtjährige Jana fröhlich gespielt, da bricht sie plötzlich zusammen: Herzstillstand. Die Diagnose der Ärztin ist niederschmetternd: eine Herzmuskelentzündung sorgt dafür, dass Janas Herz nur noch zu 20 Prozent arbeitet.

3:38 min | Mi, 5.6.2019 | 6:00 Uhr | SWR2 am Morgen | SWR2

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Film

"Das Leben meiner Tochter" von Steffen Weinert

Julia Haungs

Die achtjährige Jana braucht dringend ein neues Herz. Der Film „Das Leben meiner Tochter“ ist zugleich Familiendrama und Thriller und erzählt, wie zermürbend das Warten auf ein lebensrettendes Organ sein kann.

Warten und die Ungewissheit aushalten

Für die Familie heißt das vor allem: warten und die Ungewissheit aushalten, ob Jana rechtzeitig ein Organ bekommen wird. Die durchschnittliche Wartezeit beträgt in Deutschland acht Monate. Bis es soweit ist, muss die Achtjährige in der Klinik bleiben, angeschlossen an eine kühlschrankgroße Maschine, die ihr Herz unterstützt.

Belastungsprobe für die Familie

Regisseur und Drehbuchautor Steffen Weinert schildert einfühlsam, was es heißt, als Familie einer solchen Situation ausgeliefert zu sein. Er beobachtet, wie unterschiedlich die Familienmitglieder damit umgehen.

Jana Faber (Maggie Valentina Salomon), Micha Faber (Christoph Bach), Dr. Ferdinand Bix (André M. Hennicke) in "Das Leben meiner Tochter".

Jana Faber (Maggie Valentina Salomon), Micha Faber (Christoph Bach), Dr. Ferdinand Bix (André M. Hennicke)

Auseinandersetzung mit dem Tod

Die aufgeweckte Jana bewahrt sich ihre Fröhlichkeit, setzt sich aber gleichzeitig mit dem Tod auseinander. Die Mutter versucht, die Ruhe zu bewahren. Der Vater dagegen zieht sich immer weiter in sich selbst zurück. Irgendwann kann er die eigene Untätigkeit nicht mehr aushalten. In seiner Verzweiflung kontaktiert er eine rumänische Agentur für Organhandel.

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Kinostart 6.6.

„Das Leben meiner Tochter“ von Steffen Weinert

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Jana (Maggie Valentina Salomon) ist eine aufgeweckte und lebenslustige Achtjährige. Doch im Familienurlaub bricht sie plötzlich zusammen: Herzstillstand.

Jana (Maggie Valentina Salomon) ist eine aufgeweckte und lebenslustige Achtjährige. Doch im Familienurlaub bricht sie plötzlich zusammen: Herzstillstand.

Sie überlebt die Herzattacke nur knapp und braucht dringend ein Spenderherz.

Für ihre Familie ist die Erkrankung der Tochter ein schwerer Schock. Ihre sonst so lockere Mutter Natalie (Alwara Höfels) kann kaum noch klare Gedanken fassen.

Nach zwölf Monaten Hoffen auf ein Spenderherz will Janas Vater Micha (Christoph Bach) nicht länger tatenlos bleiben.

In seiner Verzweiflung kontaktiert er einen illegalen rumänische Organhandel.

Ohne seine Frau einzuweihen entführt er seine Tochter aus dem Krankenhaus. Wie weit wird er gehen in dem verzweifelten Versuch, das Leben seiner Tochter zu retten?

Option Organhandel – Legal oder illegal helfen?

Legal nichts tun oder illegal helfen? Diese Frage steht im Zentrum von „Das Leben meiner Tochter“. Wer auf dem Schwarzmarkt ein Organ kauft, dem drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis. Die Rechtslage ist also klar. Die Gefühlslage der überforderten Eltern dagegen wird mit jedem Tag Wartezeit verworrener. Darf, beziehungsweise muss man für das Leben des eigenen Kindes nicht bis zum Äußersten gehen? Aber was, wenn theoretisch ein anderes Kind sterben muss, damit das eigene leben kann?

Der Film entwickelt vom Familiendrama zum Thriller

Steffen Weinert konzentriert sich zunächst auf die emotionalen und moralischen Aspekte der Geschichte. Doch je weiter sich der Vater mit der Idee einer illegalen Organtransplantation anfreundet, desto mehr entwickelt sich der Film vom sensiblen Familiendrama zum Thriller, in dem es weniger um das Ob als um das Wie geht.

1:59 min

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Kinotrailer Das Leben meiner Tochter

Katja Freidank

Lukratives Schwarzmarktgeschäft Organhandel

Der Handel mit Organen gehört zusammen mit Waffen und Drogen zu den lukrativsten Schwarzmarktgeschäften weltweit. Entsprechend skrupellos gehen die Beteiligten vor. Solange sich die Spenderquote in den Organ-Empfängerländern selbst nicht deutlich erhöht, wird dieser Geschäftszweig weiter blühen.

Diese strukturellen Probleme und Rahmenbedingungen spielen in „Das Leben meiner Tochter“, der ganz bei seinen Hauptfiguren bleibt, nur eine Nebenrolle. Steffen Weinert ist dennoch ein eindrücklicher Film zu diesem wichtigen Thema gelungen, der dazu anregt, über das zuletzt wieder heftig umstrittene Thema Organspende nachzudenken. Die Wahrscheinlichkeit, dass man selbst eines Tages ein Organ braucht, ist übrigens sehr viel höher als die, dass man selbst zum Spender wird.

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